GSG in Stuttgart-Sillenbuch Gymnasium-Neubau bahnt sich an

Von Caroline Holowiecki 

Für den Stadtbezirk Stuttgart-Sillenbuch ist es eine gute Nachricht: Die Stadtverwaltung will dem Gemeinderat einen Neubau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums vorschlagen. Bisher war stets unklar, ob die Schule neugebaut oder aber saniert werden soll.

Die Rektorin Irmgard Brendgen sieht sich zunehmen dem Druck der Eltern ausgesetzt. Foto: Holowiecki
Die Rektorin Irmgard Brendgen sieht sich zunehmen dem Druck der Eltern ausgesetzt. Foto: Holowiecki

Sillenbuch - Sanierung oder Neubau? Seit Jahren ist das die Frage beim Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG). Bereits 2008 ist dokumentiert worden, dass die Schule dringend saniert gehört. Auch reicht der Platz für die aktuell 925 Schüler nicht mehr aus. Nun ist im Rathaus eine Entscheidung gefallen, welche Variante weiterverfolgt werden soll. „Die Verwaltung erarbeitet derzeit eine Gemeinderatsvorlage, die einen Grundsatzbeschluss zugunsten eines Ersatzneubaus vorsieht“, teilt Martin Thronberens, ein Sprecher, mit. Von einer Sanierung ist nicht mehr die Rede. „Ja, der Neubau wird vorrangig geprüft“, bestätigt die Schulbürgermeisterin Isabel Fezer. Ziel ist ein Beschluss der Stadträte im ersten Quartal.

Bezirksbeirat von Stuttgart-Sillenbuch geschlossen für Neubau

Eine gute Nachricht für den Bezirk. Zuletzt war der Ton schärfer geworden, Unruhe hatte sich breitgemacht. Mehrere politische Gruppen hatten sich zu Wort gemeldet, um Druck auf Stadt und Gemeinderat aufzubauen. Auch die Schulleitung ist seit geraumer Zeit mit dem Unmut der Eltern konfrontiert, berichtet die Rektorin Irmgard Brendgen: „Verständlicherweise. Aber das schränkt uns in unserer Arbeit ein.“ Der Antrag, in dem sich der Bezirksbeirat geschlossen für einen Neubau ausspricht, ist ein Jahr alt.

Ins Feld geführt wird unter anderem die Belastung, der die Schüler bei einer jahrelangen Sanierung ausgesetzt wären. Weiter wird mit Synergien durch einen gemeinsamen Schulcampus, dem auch nach einer Sanierung in der Substanz 40 Jahre alten Gebäude und insbesondere den mehr oder weniger gleichen Kosten für beide Varianten – etwa 40 Millionen Euro – argumentiert. Wenn man schon so viel Geld ausgebe, sei der Neubau die einzig richtige Entscheidung, haben Konrektor Andreas Hamm-Reinöhl und Elternbeiratsvorsitzende Rainer Kapp in der jüngsten Infoveranstaltung zum Bürgerhaushalt gesagt – und Zustimmung geerntet. Bereits im Bürgerhaushalt 2015 war der Wunsch, die Planungsmittel für einen Neubau im Doppeletat 2016/17 bereitzustellen, auf Platz fünf gelandet. „Jeder weiß, dass man am Neubau nicht vorbeikommt“, lautet das Resümee des Bezirksvorstehers Peter-Alexander Schreck.

Das Planungsrecht muss geändert werden

Auch wenn sich die Verwaltung dem nun angeschlossen hat, heißt das nicht, dass die Arbeiten bald losgehen. Von einigen Jahren ist im Rathaus die Rede. Zunächst müssen auf dem vorgesehenen Grundstück die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, bevor ein Neubau geplant und realisiert werden kann, heißt es seitens der Stadt. Der bestehende Flächennutzungsplan sowie der Bebauungsplan müssen geändert werden. Bislang ist das städtische Grundstück im Gebiet Schwellenäcker für die Filderauffahrt reserviert. Die sogenannte B 312 steht als Verbindung vom Neckartal zur Autobahn seit geraumer Zeit im Raum, ist aber bereits vor Jahren aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden. Auch das Land und die Region haben die Trasse an dieser Stelle mittlerweile verworfen.

Dass die Stadt das Gelände zwischen der Kirchheimer und der Klara-Neuburger-Straße dennoch blockiert, hat ihr zuletzt Kritik eingebracht. Die Grünen-Ratsfraktion hat im November eine Klärung gefordert und einen Antrag formuliert, wonach die Stadt einen Zeitplan für eine Änderung des Planungsrechts erarbeiten soll. „Wir müssen ja wissen, wie es weitergeht. Wir haben einen ganzen Berg an Schulen. Und im Sommer geht es schon wieder an den Haushalt“, so die Grünen-Rätin Schiener.

Jetzt soll also bald ein erster Schritt gemacht werden. Der Gemeinderat muss jedoch die Verwaltung beauftragen, die Voraussetzungen zu schaffen. Auch dies soll in der Sitzung im ersten Quartal geschehen. Zudem muss nach der Zustimmung des Gremiums ein Grundstück erworben werden, wie der Sprecher Martin Thronberens hinzufügt.

Die Vorteile liegen für die Stadträte auf der Hand

Die Stimmen der Fraktionen von SPD und SÖS/Linke-plus scheint die Neubau-Variante zu haben. „Zum einen bietet ein Neubau des größten Stuttgarter Gymnasiums eine einmalige Chance auf neue Funktionalität und moderne Pädagogik. Und zum anderen erscheint eine Sanierung im Bestand, die mit hohen Lärmbelastungen verbunden wäre, im laufenden Schulbetrieb hier als nicht zumutbar“, teilt Christian Walter mit, der schulpolitische Sprecher von SÖS/Linke-plus. Und auch für Maria Hackl (SPD) sind die Vorteile einer neuen Immobilie klar, „weshalb wir bereits im Herbst 2015 im Rahmen der Haushaltsberatungen dieses Doppelhaushalts Planungsmittel dafür beantragt hatten“. In der CDU-Fraktion gibt man sich noch bedeckt, bis alle Fakten vorliegen, so Carl-Christian Vetter.

Für die Grünen berichtet Schiener, dass die Fraktion „in Richtung Sanierung tendiert“. Zum einen glaubt sie, dass eine Änderung des Planungsrechts das Projekt um etliche Jahre zurückwerfen könne. Ihre Fraktion sehe auch durchaus Potenzial im aktuellen Gebäude. „Der Standort ist nicht verkehrt, ich finde ihn sehr idyllisch“, so Schiener. Sie betont aber im gleichen Atemzug, dass sie sich einem Neubau nicht verschließen werde, wenn sich abzeichne, dass dies die favorisierte Lösung sei.

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