Der österreichische Sänger und die Philharmonia Schrammeln liefern einen spaßigen musikalischen Abend mit großen Gesten im Neuen Schloss.

Stuttgart - Die schöne blaue Donau, die goldene, aber längst untergegangene Zeit, ein bisschen Wehmut nach altem Glanz und dazu Pathos, gepaart mit Lokalstolz.

Das sind die Zutaten für die Gattung des Wienerliedes, die der Bassist Günther Groissböck am Sonntag im Weißen Saal des Neuen Schlosses gesungen hat. Zusammen mit der auf diese Musikform spezialisierten Philharmonia Schrammeln hat sich der österreichische Sänger ein gutes Dutzend dieser Lieder vorgenommen. In breitem Wiener Dialekt schlüpft er in die Rolle des stolzen Fiakers oder nimmt die Zuhörer mit in ein Vorstadtcafé, ein Heurigenlokal oder in den Prater.

Musikalisch sind diese Kompositionen eher schlicht gehaltene Strophenlieder und Groissböcks edel klingende, große Stimme ist fast zu mächtig, zu schön für die eher volkstümlichen Melodien. Doch der Opernsänger beherrscht die Kunst der feinen Differenzierung, etwa in Toni Strickers „Annageln kannst es net, die Zeit“.

Zu langsamen Walzer-Rhythmen fügt sich ein melancholisch gefärbtes Parlando, so als ob da einer zu sich selbst auf Distanz geht. Mit großer Geste und dichtem Legatoklang gestaltet Groissböck dann den Refrain, ehe das instrumentale Ensemble im Nachspiel mit hohem Tempo einen starken Kontrast setzt.

Das Hintersinnige wird typischerweise fröhlich ironisiert

Auch das ist charakteristisch für diese seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien populär gewordenen Lieder: Das Hintersinnige und Abgründige wird meist durch fröhliche Instrumentalklänge ironisiert. Das sprichwörtliche Schrammeln von zwei terzenseligen Geigen , die von Johannes Tomböck und Dominik Hellsberg gespielt werden im Verbund mit dem Knopfakkordeon von Günter Haumer und der Kontra-Gitarre hat hier seinen Ursprung. Vor allem die doppelhalsige Kontra-Gitarre (Heinz Hromada) mit ihren Bass-Saiten und die in sehr hoher Lage schillernde kleine Klarinette (Stefan Neubauer) machen Eindruck.

Knapp zwei Stunden dauert dieser akustische Ausflug nach Wien und man merkt bei Liedern wie „Ein kleiner Lausbub“, wie viel Spaß dieses eher ungewöhnliche Programm sowohl den Künstlern als auch dem Publikum bereitet.

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