Günther Schäfer vom VfB Stuttgart Das Wohnzimmer der Clublegende

169 Bundesligaspiele als Fußball-Profi hat Günther Schäfer (re.) in der heutigen MHP-Arena bestritten. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Am Sonntag spielt der VfB Stuttgart gegen den 1. FC Heidenheim. Es ist das 1000. Bundesligaspiel im einstigen Neckarstadion. Die meisten bestritten darin hat Günther Schäfer – der über seine besondere Beziehung zur Arena in Cannstatt spricht.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Natürlich kannte und kennt Günther Schäfer zu jeder Zeit den richtigen Namen der Arena an der Mercedessstraße. Und als Abgesandter des Vereins hält er sich auch stets an die korrekte Aussprache. So war’s, als die Schüssel Gottlieb-Daimler-Stadion (1993 bis 2008) hieß, als man sie Mercedes-Benz-Arena (2008 bis 2023) nannte – und so ist es auch jetzt, da der VfB seit Sommer 2023 in der MHP-Arena kickt. Aber ab und zu rutscht es ihm auch heute noch raus – und Günther Schäfer spricht aus, was viele Fans des VfB Stuttgart schon aus Prinzip regelmäßig sagen: „Neckarstadion.“ Aber: Wer will es ihm verdenken?!

 

Der Mann ist jener Ex-Profi des VfB Stuttgart, der die meisten Bundesliga-Spiele im ehemaligen Neckarstadion bestritten hat. Von 1980 bis 1996 war er für die Weiß-Roten am Ball, kam in dieser Zeit auf 168 Liga-Einsätze. Als Abwehrspieler von Arminia Bielefeld kehrte er noch einmal zurück für Einsatz Nummer 169 – und sammelte seitdem noch viel mehr Stadionerlebnisse im Neckarpark.

Erst als Fanbetreuer („Die meisten Gäste wollten immer zwei Dinge auf jeden Fall sehen: Die Kabinen und die Cannstatter Kurve“), dann als Co-Trainer von Matthias Sammer, seit 2015 als Teammanager der Bundesliga-Mannschaft. Viele von den bisher 999 Bundesliga-Spielen in der heutigen MHP-Arena hat Günther Schäfer also live erlebt. Weil er ja auch vor seiner Zeit als Profi schon in Cannstatt Stammgast war.

Günther Schäfer ist in Waiblingen-Neustadt aufgewachsen, dort lebt er heute noch. „Eine Viertelstunde“, sagt er, braucht er mit dem Auto bis ans Stadion, „wenn viel los ist, werden es auch mal 25 Minuten.“ Als Kind stand er mit seinem Vater im A- oder B-Block des Neckarstadions – und hatte einen Lieblingsplatz: direkt über den Aufgängen. „Ich war damals nicht besonders groß“, erzählt der heute 61-Jährige, „wenn ich woanders gestanden hätte, dann hätte ich nix gesehen.“ Als Nachwuchskicker hatte er wie viele andere dann „die Sehnsucht, einmal selbst im Neckarstadion auflaufen zu dürfen“.

Eine Niederlage reicht zum Meistertitel

VfB-Fan, sagt Günther Schäfer, „bin ich, seit ich ein Kind bin.“ Den VfB sehen, die Mannschaft hautnah zu erleben, die Emotionen spüren – das hat Günther Schäfer immer fasziniert, das begeistert ihn bis heute. Als Profi sei „jedes einzelne Spiel“ im Neckarstadion für ihn „eine tolle Herausforderung“ gewesen. „Ich verbinde mit diesem Stadion wahnsinnig viele positive Erinnerungen“, sagt der frühere Abwehrspieler. In der Liga war eine der schönsten gar eine Niederlage.

1984 verlor der VfB am letzten Spieltag 0:1 gegen den Hamburger SV – und war dennoch Meister. Den Titel 1992 holten Schäfer und der VfB dann auswärts in Leverkusen, abseits der Bundesliga ist dem heutigen Teammanager vor allem das Rückspiel im Endspiel des Uefa-Cups 1989 gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona. Die Partie endete 3:3, der VfB hatte das Hinspiel jedoch 1:2 verloren und musste den Titel den Italienern überlassen.

Am 25. Oktober 1980 lief Günther Schäfer erstmals als Profi im Neckarstadion auf. Gegen Arminia Bielefeld. Am 31. Mai 1997 dann zum letzten Mal. Mit Arminia Bielefeld. Davor, in dieser Zeit und auch danach gab es immer wieder mal Gedankenspiele, ob man anstatt des nächsten Umbaus der Arena nicht irgendwo an anderer Stelle ein komplett neues Stadion für den VfB baut. Für Günther Schäfer undenkbar. „Unser Stadion gehört dorthin, wo es ist“, sagt er, „sonst würde etwas fehlen.“

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