Rund 1500 US-Soldaten, Familienangehörige und Zivilisten werden Böblingen zu Pfingsten verlassen. Nicht nur der wirtschaftliche Verlust ist herb.
Sie tragen grüne Barette, und so lautet auch ihr Spitzname: Green Berets. Die Soldaten, die zu dieser US-amerikanischen Spezialeinheit gehören, werden die Böblinger Panzerkaserne an Pfingsten verlassen, mit ihnen Familienangehörige und Zivilisten, insgesamt rund 1500 Personen an der Zahl.
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump und auch seine Vorgänger machten keinen Hehl daraus, amerikanische Truppen aus Europa abziehen zu wollen – doch der Umzug der Green Berets hat damit nichts zu tun. Sie gehen aus Böblingen weg, um in der Rheinland-Pfälzer Kleinstadt Baumholder nördlich von Saarbrücken künftig ihren Dienst zu tun. Peter Faber, Pressesprecher der Stuttgarter Garnison, sagt dazu: „Als Gründe für die geplante Verlegung wurden insbesondere verbesserte Trainings- und Übungsmöglichkeiten sowie umfangreiche Infrastrukturinvestitionen in Baumholder genannt.“ In Böblingen haben die Green Berets etwa 600 Hektar als Übungsgelände zur Verfügung, in Baumholder sind es rund 11 000 Hektar, also mehr als die gesamte Markung von Böblingen und Sindelfingen zusammen.
Besser Trainingsmöglichkeiten für die Green Berets
Green Berets: Eine Milliarde Euro investiert
Bedingungen in Baumholder
Damit die Green Berets besser üben können, haben die USA seit Mitte 2024 etwa eine Milliarde Euro in den Standort Baumholder investiert: Davon wurden unter anderem eine Grundschule, ein Hotel und Wohnhäuser gebaut. Außerdem wurden neben Kasernen auch Verwaltungsgebäude und Lagerräume renoviert oder neu gebaut sowie die Schießbahnen modernisiert.
Der Baumholder Bürgermeister Bernd Alsfasser hatte schon 2024 in einem Interview dargestellt, wie sehr die Truppenverlagerung aus Böblingen der 11 000-Seelen-Gemeinde nützt: Denn die Firmen, die die Gebäude für die Amerikaner errichten, mussten während der Bauzeit ihre Gewerbesteuern in Baumholder entrichten. Darüber hinaus gingen die Amerikaner gerne und oft zum Essen und mieteten Häuser oder Wohnungen. Das alles unterstütze die Wirtschaft in der gesamten Region.
Auf kommunaler Ebene ist der wirtschaftliche Verlust für den Kreis Böblingen nur sehr schwer abzuschätzen. Zwar rechnet man beim Städtetag für eine Stadt in Deutschland durchschnittlich mit Einnahmen von rund 2650 Euro pro Jahr und Bürger. Doch liegt er bei Amerikanern in Deutschland deutlich darunter, denn die Soldaten und ihre Angehörigen zahlen hier keine Steuern. Jede Kommune bekommt aber einen Stationierungszuschlag für amerikanische Soldaten und teilweise auch für deren Angehörige, der nach Auskunft der Böblinger Kämmerei „vage geschätzt bei 150 bis 200 Euro pro Kopf und Jahr liegt“, berichtet der Böblinger Pressesprecher Gianluca Biela. Dann macht das – ebenfalls äußerst grob geschätzt – rund 200 000 Euro weniger in den Kassen aus. Ein Betrag, der nicht allein Böblingen trifft, denn die Soldaten wohnen ja auch in anderen Kommunen.
Green Berets: Dienstälteste Spezialeinheit der US-Army
Die Amerikaner werden aber auch als Konsumenten in der Region fehlen. Und, was ebenso so schwer wiegt: Viele Freundschaften sind zwischen Amerikanern und Deutschen entstanden, die jetzt zerreißen können.
Eine ganz besondere Truppe
Offiziell heißen die Green Berets „1st Special Forces Command Airborne“, zu deutsch „Erstes Luftlande-Spezialkräfte-Kommando.“ Sie ist die dienstälteste Spezialeinheit der US-Army und umfasst etwa 10 000 Soldaten. Die Einheit wurde ursprünglich aufgestellt, um selbstständig und in Kleingruppen monatelang tief in feindlichem Gebiet zu operieren. Dort sollte sie, möglichst durch die Einbeziehung einheimischer Kräfte, einen Guerillakrieg führen, der sich auf das Binden starker feindlicher Kräfte, das Stören der Nachschub- und Kommunikationswege und das Heranziehen, Ausbilden und Führen einheimischer Widerstandsgruppen konzentrierte.
Die Einsatzschwerpunkte dieser Special Forces sind demnach Militärberatung in anderen Ländern, asymmetrische Kriegsführung und Fernaufklärung. Das macht sie zur am vielseitigsten ausgebildeten Truppe innerhalb der US-Streitkräfte und ermöglicht ihren Einsatz sowohl in Friedenszeiten als auch im Spannungsfall und im Krieg. Naturgemäß machen die Amerikaner selbst keine Angaben zum Aufgabengebiet der Green Berets. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Sicherheits- und Vertraulichkeitsgründen grundsätzlich keine detaillierten Informationen zu Aufgaben, Strukturen oder operativen Aspekten von Spezialkräften veröffentlichen“, sagt Faber.
Green Berets: Monatelang hinter den Linien
Green Berets: Weltweit in 70 Nationen
Seit ihrer Aufstellung waren die Special Forces an praktisch allen militärischen Konflikten und Kriegen der USA beteiligt und leisteten darüber hinaus weltweit in über 70 Nationen Militärberatung sowie infrastrukturelle und humanitäre Hilfe.
Die Symbole der Green Berets
Wahlspruch
Unter dem Wappen der Spezialeinheit steht „de oppresso liber“, zu deutsch „vom Unterdrückten zum Freien.“
Abzeichen
Am Ärmel tragen die Green Barets zwei gekreuzte Pfeile, das Freundschaftszeichen der Indianer.