Guerilla-Kunst in Waiblingen Neuer Blick auf die Heimatstadt

Von Annette Clauß 

Illegale Angler, winzige Radprofis und fleißige Bergarbeiter im Miniformat – das sind die Waiblinger Findlinge, die seit einigen Wochen in allen Ecken der Altstadt auftauchen. Wo sich wer versteckt, haben die Macherinnen der Kunstaktion nun bei einem Spaziergang verraten.

Wer die „Waiblinger Findlinge“ finden will, muss genau hinschauen. Foto: Frank Eppler 34 Bilder
Wer die „Waiblinger Findlinge“ finden will, muss genau hinschauen. Foto: Frank Eppler

Waiblingen - Schwalbenkinder tragen keine Windeln“, sagt Andrea Ertz. Dementsprechend sieht es unterhalb des Zuhauses der Vogelfamilie in der Langen Straße aus: Mist türmt sich auf einem Stromkasten zu dunklen Hügelchen. Der Anblick hat die Waiblingerinnen Andrea Ertz und Silke Goll auf die Idee zu einer mit Eisenbahnfiguren im H-0-Format gestalteten Szene gebracht: kleine Männer, die fleißig den Dreck wegputzen. „Hilfe für die Schwalbeneltern“ heißt die Installation, die seit einigen Wochen zu entdecken ist.

Diese ist Teil der Guerilla-Kunstaktion „Waiblinger Findlinge“, bei der Goll und Ertz in den vergangenen Wochen in der Altstadt ein gutes Dutzend solcher Szenen aufgebaut haben und die nun zu Ende geht. Am Montag hat das Duo bei einem abendlichen Spaziergang etwa 20 Interessierte an Ort und Stelle geführt. „Die Idee ist, dass man mit anderen Augen durch Waiblingen geht“, erklärt Silke Goll.

Einige Figuren sind gemopst worden

„Leider sind hier Figuren weggekommen. Deshalb haben wir nun eine schwäbische Hausfrau als Unterstützung dazugestellt“, erzählt Andrea Ertz bei der Schwalben-Szene. Der Stromkasten ist nicht der einzige Ort, an dem sich jemand bedient hat: Die Installation mit drei Motorradfahrern auf dem Deckel eines öffentlichen Mülleimers am Waiblinger Marktplatz hat nur einen Tag überstanden. Und die Szene „Großer Fang vom Herbergsbrunnen“, bei der sich mehrere Angler auf dem Brunnenrand tummelten, ist inzwischen auch Geschichte. Wobei sich bei genauem Hinschauen zeigt, dass einer der Protagonisten, ein Mann mit einem dicken Fisch in der Hand, auf dem Grund des Brunnens liegt. Wer ihn dorthin befördert hat? „Vielleicht ein Veganer“, witzelt eine Teilnehmerin des Rundgangs.

Drüben, beim Justizia-Brunnen, aber gibt es etwas zu sehen: „Hals über Kopf“ stehen dort Figuren auf einem der Wasserspeier und einigermaßen sicher vor Langfingern. Wobei sich Andrea Ertz immer wieder wundert, was Passanten so mitgehen lassen. Bei der Szene „Tour de Waiblingen“, in der Radfahrer einen Laternenpfosten umkreisen, fehlten beispielsweise nur die Radler, die Drahtesel blieben stehen.

Manchmal stellt jemand etwas dazu

Manchmal kommt aber auch etwas hinzu, und das freut Silke Goll und Andrea Ertz dann ganz besonders. Für die in Liegestühlen um einen Swimmingpool fläzenden Sommerfrischler bei der Touristinfo hat eine Mitarbeiterin derselben extra eine Leiter aus einer Büroklammer gebogen. „Sie meinte, sonst könnten die Figuren ja gar nicht ins Becken steigen.“ Außerdem hat die Frau noch eine Musterklammer als Sprungbrett am Beckenrand befestigt.

Den Mann, der beim Bädertörle in einer Hängematte schaukelt, haben Andrea Ertz und Silke Goll selbst bestohlen. „Er war eigentlich ein Federballspieler, aber wir haben ihm seinen Schläger abgenommen“, erzählt Ertz über die Szene an einem alten Balken. Manche Figuren sind auch nie ans Tageslicht gelangt. „Wir haben einen wunderbaren Mann, der gegen den Wind läuft, aber wir haben keinen Standort gefunden.“

Die Szenen lassen die Frauen nun einfach stehen, nachbestückt werden sie nicht. „Wir wollen alles lassen wie es ist und schauen, was passiert“, sagt Silke Goll.




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