Guerillakunst in Bremen Bronzemann gibt Rätsel auf

Von red/dpa 

Plötzlich ist sie da, eine lebensgroße Bronzefigur in Bremens öffentlichem Raum. Die Verwaltung lässt prüfen: Ist das Kunst – und kippt das bald um?

Über Nacht ist dieses Kunstwerk aufgetaucht: Hat  Bremen jetzt seinen eigenen Banksy? Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Über Nacht ist dieses Kunstwerk aufgetaucht: Hat Bremen jetzt seinen eigenen Banksy? Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Bremen - Gebeugt schiebt ein alter Mann einen leeren Einkaufswagen - Bremen rätselt seit Tagen über die illegal aufgestellte Bronzeskulptur eines anonymen Künstlers. Vorerst habe die fachmännisch verankerte Figur Bleiberecht in den Wallanlagen im Zentrum bekommen, sagt Heiner Stahn von der Bremer Kulturbehörde. Es sei zwar nicht ganz richtig gewesen, die Statue klammheimlich nachts aufzustellen. Doch Stahn bekennt auch: „Das ist aus unserer Sicht eine ernst zu nehmende künstlerische Arbeit.“ Geprüft werden muss nun die Qualität der Verankerung. Die schwere Figur darf schließlich nicht umkippen.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ist dem Charme der unerwarteten Bereicherung für die Hansestadt allerdings bereits erlegen. So eine anarchische Aktion - „das ist halt auch Bremen“, sagte er dem Regionalprogramm „Buten un binnen“. Auf seiner eigenen Facebook-Seite klingt er sogar fast unhanseatisch begeistert: „Es ist verrückt. Das ist Bremen. Kaum ist man zwei Tage irgendwo nicht gewesen, stellt man fest, dass dort hochklassige Kunst entstanden ist. Bisschen illegal und anarchisch, zugegeben, aber zumindest in diesem Fall kein Grund die Skulptur zu beseitigen.“ So kommt Bovenschulte denn auch zu einer klaren Forderung: „Legalize it!“

Dasselbe Konzept wie Banksy?

Beim britischen Streetart-Künstler Banksy gehört es zum Konzept, unerkannt seine sozialkritischen Wandgemälde zu hinterlassen. In Bremen ist so etwas noch nicht passiert. Passanten stoppen an der Figur, lachen, fotografieren und versuchen sich an einer Erklärung. Ein „Statement in Zeiten von Corona“, meint eine Frau. „Es könnte jemand sein, der obdachlos ist oder Flaschen sammelt“, sagt auch Stahn.

Ohne den modernen Einkaufswagen wirkt die Bronzefigur wie die Darstellung eines Fabrikarbeiters, Seemanns oder Fischers. Es sei eindeutig ein Werk im Bremer Stil der figürlichen Bildhauerei, sagt der Sprecher der Kulturbehörde. Nur habe alles Nachfragen bei Künstlern, Experten und Verbänden bislang keinen Hinweis gebracht. Niemand kenne die Figur und deren Urheber. Auf Bovenhutes Facebook-Seite aber machen sich die Bürger Gedanken, wie es weitergehen könnte mit dem geheimnisvollen Geschenk. Unter dem Facebook-Namen „Sah Kük“ etwa schlägt eine Nutzerin vor: „Wir Bremer*innen könnten gemeinsam nach einem Namen suchen!? Und dann sollen Kinder etwas „hoffnungsvolles“ für den Wagen basteln und rein tun.“




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