Gunther Weiß Klinikchef tritt überraschend ab

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Gunther Weiß, Geschäftsführer des Klinikums Südwest, ist zurückgetreten. Er werde sich "anderen Aufgaben zuwenden", hieß es.

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Böblingen - Der Klinikverbund Südwest trennt sich von seinem Geschäftsführer Gunther Weiß. Dies bestätigte Weiß am Mittwoch. „Ich unterschreibe morgen einen Aufhebungsvertrag, damit ich mich neuen Aufgaben widmen kann“, sagte der 45-Jährige. Konkrete Pläne habe er noch nicht. Völlig überraschend kam der Rücktritt des Geschäftsführers für die meisten der 33 Aufsichtsräte des Klinikverbunds, zu dem die Krankenhäuser der Kreise Calw und Böblingen gehören, nicht. Der Aufsichtsrat besteht aus Calwer und Böblinger Kreisräten sowie Sindelfinger Stadträten. „Wir haben noch am Tag zuvor mit dem Sindelfinger Gemeinderat die Klinik in der Stadt besucht, da war davon nichts zu hören“, sagte Wolfgang Seidel am Mittwoch. Er ist Stadtrat in Sindelfingen und eines der Mitglieder im Aufsichtsrat.

„Diese Entscheidung ist von den drei Gesellschaftern getroffen worden“, sagten andere Aufsichtsratsmitglieder. Gemeint sind der Böblinger Landrat Roland Bernhard, sein Calwer Kollege Helmut Riegger und der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer. Am Mittwochvormittag hatten sie sich in der Sindelfinger Klinik mit Weiß zu einem Krisengespräch getroffen. Dabei war die Vereinbarung über den Rücktritt getroffen worden. Danach aßen Vöhringer und Riegger gemeinsam mit Weiß in der Klinikkantine.

In der offiziellen Stellungnahme bedauern die Gesellschafter Weiß’ Ausscheiden. Über die Gründe für die Trennung geben sie keine Auskunft. Das sei eine Personalsache. Weiß selbst will sich ebenfalls nicht äußern. Auch über Details, etwa, ob er eine Abfindung erhält, wird Stillschweigen gewahrt. Wie Insider sagen, hatten sich in den vergangenen Wochen Chefärzte aus den Kliniken Böblingen und Sindelfingen über Weiß’ Kommunikationsstil beklagt. Immer wieder hatte es auch Kritik an seinem Sparkurs gegeben. Weiß hatte in den Anfangsjahren seiner Tätigkeit erheblich Personal reduziert. Bis 2008 wurden 199 Stellen in der Pflege abgebaut. Seit zwei Jahren wird wieder Personal eingestellt.

Weiß, der 2006 die Geschäftsführung übernommen hat, erfüllte mit dem Personalabbau die Vorgaben der Gesellschafter und des Aufsichtsrats. Dennoch gelang es ihm nicht, dauerhaft schwarze Zahlen zu schreiben. Zwar fuhr der Verbund 2007 und 2008 Gewinne ein, doch schon 2009 gab es ein Defizit von knapp zwei Millionen Euro, 2010 waren es fast drei Millionen. Zudem schieben die sechs Kliniken einen erheblichen Sanierungsstau vor sich her.

Für manche Beobachter ist Weiß ein Opfer. „Der Sanierer hat seine Schuldigkeit getan. Nun wird eine neue Linie gefahren“, heißt es. Andere machen Weiß’ Kommunikationsstil für das Zerwürfnis verantwortlich. Von Abteilungsschließungen und Kündigungen per E-Mail ist die Rede. Offenbar war das Vertrauensverhältnis vor allem zu den Chefärzten so gestört, dass die Gesellschafter eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr für möglich hielten.
 

 

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