Gustav-Stresemann-Gymnasium Fellbach „Nicht alle Franzosen essen Frösche“
Der Sprachanimateur Thibaut Lavigne ist zu Gast an einer Fellbacher Schule gewesen. Wie hat er es geschafft, den Schülern die französische Sprache und Kultur näherzubringen?
Der Sprachanimateur Thibaut Lavigne ist zu Gast an einer Fellbacher Schule gewesen. Wie hat er es geschafft, den Schülern die französische Sprache und Kultur näherzubringen?
Fellbach - Thibaut Lavigne ist dieses Schuljahr als Lektor des Institut français in Baden-Württemberg im Einsatz. An zwei Tagen war er bei Fünftklässlern am GSG. Im Gespräch räumt der 26-Jährige mit überkommenen Klischees auf. Er verrät, warum die Schulen auf die Hilfe eines echten Franzosen setzen, sagt, was er gerne isst, dass er bei den Schülern einen Icebreaker benutzt und warum man in Frankreich ausschlafen kann.
Herr Lavigne, wie bringt man „Savoir-vivre“, also die typisch französische Kunst, das Leben zu genießen, in die deutschen Klassenzimmer?
Mit Sprachanimationen versuche ich, den Schülern zu zeigen, was die französische Kultur ist und warum es sich lohnt, die Sprache zu lernen. Durch Spiele, Quiz, Bilder oder Musik kann man da viel zeigen. Am Ende jeder Stunde mag ich es auch, mich mit den Schülern auszutauschen. Ich kann ihnen von meinem Leben in Frankreich erzählen und ihre Fragen beantworten.
Wie macht man als Animateur an den Schulen Lust auf die Sprache?
Manchmal ist es schwierig, Interesse zu wecken, da die Sprache einen schwierigen Ruf hat. Wenn man möchte, dass die Schüler lernen wollen, muss man sich darum bemühen, ihr Interesse, aber auch ihre Neugier zu wecken. Deshalb möchten wir, dass Schüler während einer Stunde immer Spaß haben, damit sie einen neuen Blick auf die Sprache werfen können.
Was denken Sie, warum wenden sich die Schulen an Sie? Schaffen sie es nicht allein, ihre Schüler für die Fremdsprache zu motivieren?
Wenn eine Sprache zu theoretisch bleibt und nicht in die Praxis umgesetzt wird, denken die Schüler, dass sie nicht notwendig ist. Sehr oft wünscht sich die Lehrkraft deshalb einen Besuch, damit die Schüler mal einen „echten“ Franzosen kennenlernen können. Viele hatten noch nicht die Möglichkeit, die Sprache in Frankreich oder mit Franzosen zu üben. Aufgrund Corona wurden viele Schulprogramme abgesagt. Unser Ziel ist es daher, Frankreich in das Klassenzimmer zu bringen, um die Schüler zu motivieren.
Sie haben Musik, Filme und Spiele für den Unterricht dabei. Wie läuft der ab?
Ich beginne immer mit einem Icebreaker, damit wir uns alle kennenlernen können. Danach können wir verschiedene Animationen machen, je nach Alter der Schüler. In den ersten 30 Minuten spreche ich nur auf Französisch, unabhängig vom Sprachniveau der Schüler. In den letzten 15 Minuten können Fragen auf Deutsch gestellt werden.
Sie arbeiten am Institut français und leben in Stuttgart. Wo erleben Sie die größten Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen?
Mir fällt auf, dass die Deutschen sehr organisiert und diszipliniert sind. Aber ich finde das für die Arbeit angenehmer, denn ich liebe es, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Ich denke auch, dass die Franzosen sehr stolz und sehr „chauvinistisch“ sind. Sie wollen vielleicht weniger als die Deutschen aus ihrem Land heraus. Ein weiterer Unterschied sind auch die Schulzeiten. In Deutschland beginnt die Schule viel früher als in Frankreich, aber dafür endet sie auch viel früher.
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Viele Schüler haben Angst vor einer neuen Sprache und vor allem davor, sie zu sprechen. Wie bauen Sie Ängste ab?
Um Ängste abzubauen, zeige ich den Schülern, dass sie mich immer verstehen können. Ich spreche immer deutlich, verwende transparente Wörter und mache Handbewegungen. Und wenn sie mir noch nicht auf Französisch antworten können, empfehle ich ihnen, Pantomimen zu verwenden. Und so merken sie, dass sie keine Angst davor haben müssen, mit Franzosen zu kommunizieren. Am Ende sagen sie mir immer, dass es leichter war, als sie dachten.
Was hat Ihnen selbst am besten beim Deutschlernen geholfen?
Ich habe Deutsch in einer Sprachschule in Heidelberg gelernt. Aber am meisten hat mir geholfen, dass ich in Deutschland mit Deutschen zusammenleben durfte. Seit fast zwei Jahren lebe ich in einer Wohngemeinschaft mit Deutschen und habe nicht nur ihre Sprache, sondern auch die deutsche Kultur und Mentalität gelernt. Sie sind der Grund dafür, dass ich mich hier in Stuttgart zu Hause fühle, und dafür werde ich immer dankbar sein.
Im Internet wird damit geworben, dass Sie ein frisches und modernes Bild Frankreichs vermitteln. Welche Klischees sind denn nicht mehr zeitgemäß?
Ich werde ziemlich oft gefragt, ob es stimmt, dass die Franzosen alle Frösche oder Schnecken essen. Wenn ich dann antworte, dass ich Vegetarier bin, sind sie doch ein wenig überrascht. Aber wenn die Schüler mich fragen, ob es stimmt, dass alle Franzosen Baguette und Croissant essen, dann kann ich nicht lügen und muss antworten: Ja.