Gutachten Die Sanierung der Bäder ist ein Kraftakt

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Was wird aus den 16 Stuttgarter Bädern? Eine neue Expertise veranschlagt die Gesamtkosten für die Erneuerung auf bis zu 100 Millionen Euro.  

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Mineralbad Leuze Foto: dpa

Stuttgart - Die Bäderlandschaft Stuttgart bleibt eine Baustelle mit hohem Investitionsbedarf. Ein neues Gutachten zu den Qualitäten und Perspektiven der 16 städtischen Bäder hält in den nächsten zehn Jahren Ausgaben zwischen 52 und 102 Millionen Euro für erforderlich. Der in der Region ohnehin schon harte Wettbewerb unter den Freizeitbädern werde sich durch neue Angebote in Backnang, Sinsheim und Fellbach weiter verschärfen.

Um mit dem Positiven zu beginnen: die Kommunalberatung Conpro hält die Angebote für Schulen und Vereine in Stuttgart für "deutlich besser als in den meisten vergleichbaren Städten Deutschlands"; dieser Bereich sei "vorbildlich abgedeckt". Auch die Möglichkeiten für Badegäste, sportliches Bahnenschwimmen zu pflegen, seien "als sehr gut zu bewerten". Und das Freibadangebot für den Sommer halten die Gutachter für "mehr als ausreichend". Der Vergleich von möglichen und tatsächlichen Besucherzahlen ergeben für die Bäder insgesamt "eine erfreulich hohe Akzeptanz".

Anders als beim Grundbedarf sehen die Berater bei den Angeboten in den Marktbereichen Baden und Gesundheit, Wellness und Ruhe, die insbesondere von den Mineralbädern abgedeckt werden, trotz der schon getätigten Investitionen "noch ein deutliches Ausbaupotenzial". Sogenannte "wellnessaffine Gäste" fänden nur im Leuze ein konkurrenzfähiges Angebot. Und die Angebote für Familien mit Kindern seien "nur bedingt marktgerecht". Als entscheidende Wettbewerber nennen die Gutachter das Fildorado in Filderstadt, die Schwabenquellen und das Merkelsche Bad in Esslingen. In diesem "sich sehr dynamisch entwickelnden Markt" kämen bald weitere Konkurrenten hinzu: die Bäder in Backnang und Sinsheim - Letzteres werde auch auf den Stuttgarter Markt ausstrahlen - sowie das Fellbacher Freizeitbad F.3, das im Frühjahr 2013 fertig sein soll und mit dem es eine "starke Überschneidung des Einzugsgebiets" gebe.

Neues Bad im Neckarpark

Nach der Auffassung der Nürnberger Berater steht die Kommunalpolitik vor einer Entscheidung: Will sie sich in Zukunft noch stärker auf den Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge konzentrieren und die Marktsegmente Gesundheit, Wellness und Freizeit den Mitbewerbern überlassen, oder will sie sich intensiver in diesen ertragsstärkeren Bereichen, die ein größeres Wachstumspotenzial haben, engagieren?

Unter den drei Mineralbädern beurteilen die Gutachter Bad Cannstatt und das Leuze nach den bisher erfolgten und noch laufenden Erneuerungen als "marktfähig". Allerdings müssten auch dort mittelfristig weitere Sanierungen vorgenommen werden. Die Vermarktung müsse verbessert werden. Für das "Sorgenkind" Berg haben andere Gutachter bekanntlich drei Sanierungsvarianten erstellt: eine Generalsanierung für 27 Millionen Euro, die Nutzung als Freibad plus Warmwasserbecken und Aufwärmhalle für 14 Millionen Euro oder als reines Freibad für zehn Millionen Euro.

Für die Hallenbäder schlagen die Gutachter unter anderem vor, das als Familienbad profilierte Bad in Sonnenberg zu erneuern, das unter sinkenden Besucherzahlen leidet und seit Längerem saniert werden soll. Darüber hinaus regen die Berater von Conpro an, auch das Hallenbad Zuffenhausen als Freizeitbad weiterzuentwickeln. In jedem Fall gehen sie davon aus, dass die Stadt in den nächsten Jahren ein neues Sportbad im Neckarpark baut, welches das Hallenbad Cannstatt und die Traglufthalle im Inselbad Untertürkheim ersetzen soll und dessen Kosten mit 13,7 Millionen Euro veranschlagt werden.

Kaum Einsparpotenzial bei den Bädern vorhanden

Der bisherigen Bäderpolitik bescheinigen die Nürnberger Fachleute, zur Erhaltung des Bäderangebots "bereits viel getan" zu haben. In den vergangenen zehn Jahren seien jährlich rund 3,1 Millionen Euro ausgegeben worden. Allerdings schätzen die Gutachter den Investitionsbedarf für das kommende Jahrzehnt höher ein.

Alleine die Kosten für die Erhaltung des Status quo in den nächsten zehn Jahren beziffern die Fachleute mit 79,4 bis 101,8 Millionen Euro. Die Ausgaben für die sogenannte "angebotsorientierte Optimierung" mit etlichen Investitionen werden auf 71,7 bis 98,8 Millionen Euro geschätzt. Selbst die "kostenorientierte Optimierung", die die Schließung einiger Bäder vorsieht, würde laut Gutachter in zehn Jahren noch 52,4 bis 68,2 Millionen Euro kosten.

Einsparmöglichkeiten im Bäderbetrieb sieht Conpro nur wenig. Die Verbesserungsmöglichkeiten seien in den vergangenen Jahren bereits "weitgehend ausgeschöpft" worden. Bevor die Kosten des Betriebes weiter gesenkt werden könnten, müssten zunächst die technische Ausstattung der Verwaltung und der Bäder selbst erneuert werden, was einige Millionen Euro kosten würde. Einsparungen halten die Gutachter aber für möglich etwa durch die Vereinfachung der komplizierten Tarifstruktur und die Verkürzung von Öffnungszeiten - etwa der Saunen erst ab 10 Uhr.

Heute befasst sich der Bäderausschuss in seiner nichtöffentlichen Sitzung zum ersten Mal mit den Gutachten.

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