Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte aus dem Bix Viel mehr als Jazz

Von Björn Springorum 

Jens Oelkrug, Inhaber Bix-Gastronomie, erzählt spannende Gute-Nacht-Geschichten aus dem Jazzclub und der Welt der starken Drinks.

Hinter der Bar im Bix zuhause: Chef Jens Oelkrug. Foto: Wolf-Peter Steinheißer 3 Bilder
Hinter der Bar im Bix zuhause: Chef Jens Oelkrug. Foto: Wolf-Peter Steinheißer

Stuttgart - Eigentlich wollte Jens Oelkrug nur diesen einen Abend in Ralf Grohers Bar arbeiten. Den Abend der Eröffnung, um genau zu sein, danach sollte Schluss sein mit der Gastronomie. Was daraus wurde, ist bekannt, aus dem einen Abend wurden zehn Jahre, danach wechselte er hinter die Bar im Bix Jazzclub. So ganz nimmt man dem schick gekleideten Herrn dann doch nicht ab, dass das mit der Gastronomie eher ungeplant passierte – zumal er schon mit 18 mit seinem Bruder im ehemaligen Stuttgarter Club Nachtwerk arbeitete. Der leitet heute übrigens den Goldenen Adler in Heslach, es muss also doch irgendwie in den Genen liegen.

Im Bix hält Oelkrug alle Fäden in der Hand, veranstaltet verschiedene, immer superschnell ausverkaufte Tastings und mixt den Gästen feine Drinks ins Glas. Am liebsten hat er es aber, wenn einfach ein guter Whisky bestellt wird. Nicht zwangsläufig der japanische, für den er 60 Euro das Glas verlangt. Aber eben nix Verwässertes, schon gar nicht Weinschorle! Übertriebene Mischungen mit Marmelade und Kräutern überlässt er deswegen liebend gern den anderen Bars, Auswahl gibt es mittlerweile ja mehr als genug. Gilt auch für denkwürdige Anekdoten aus dem Laden, dessen obere Bar-Etage auch bei Konzerten kostenlos zu besuchen ist. Musikalisch und aus Publikumssicht gehört das Bix zwar durchaus zu den gesetzteren Läden. Das heißt aber eben noch lange nicht, dass Oelkrug nichts zu erzählen hat...

 

Forderndes Konzert

 

Ich bekomme vom Live-Programm nicht immer etwas mit, weil ich ja vor allem an der Bar im ersten Stock arbeite, doch ich kann mich noch an ein ziemlich forderndes Jazz-Konzert erinnern. Eine ältere Dame übergab sich dann während des Konzerts tatsächlich von innen an die Tür und meinte danach, ihr sei von diesem ganzen Jazz schlecht geworden.

 

Gebiss gesucht

 

Im Bix gehen hin und wieder Sachen verloren. 2016 haben wir schon 48 Schirme und 26 Lesebrillen eingesammelt. 25 Brillen haben wir entsorgt, eine passt mir erstaunlicherweise sehr gut. So etwas verstehe ich ja aber noch. Unverständlich finde ich, wie man bei minus zehn Grad seinen Anorak vergisst – oder sein Gebiss! Das passierte vor einigen Jahren, es wurde aber nie abgeholt, obwohl es ein hochwertiges partielles Gebiss war, das bestimmt richtig teuer war. Wahrscheinlich war es dem Besitzer peinlich.

 

Schorle ist eine ernste Sache

 

Gewisse Getränke will ich einfach nicht in meinem Angebot haben, und da gehört Red Bull dazu. Mir ist aber klar, dass ich mich nach dem Bedarf meiner Gäste richten muss, also biete ich auch Hugo oder Weißweinschorle an, obwohl ich so etwas eigentlich verabscheue. Erst kürzlich bestellte eine Dame eine Weißweinschorle und beschwerte sich während der Zubereitung, dass ich es fachlich falsch einschenken würde. Ich nahm zuerst Wein und später Wasser, sie beharrte aber darauf, dass es andersrum sein müsste. Meinetwegen, ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Weißweinschorle getrunken und das wird auch so bleiben.

 

Zauberwort

 

Ich musste in meinen fünf Jahren hier erst einen Gast vor die Tür setzen, es geht wirklich immer sehr gesittet zu bei uns. Besagter Gast verlangte äußert unfreundlich nach einem Pils. Ich meinte daraufhin, dass es mit „bitte“ doch alles gleich viel besser funktioniert. Er meinte, das habe er doch letzte Woche schon mal gesagt, das müsse reichen. Ich bat ihn dann, augenblicklich zu gehen.

 

Langfinger

 

Der „Blue Label“-Whisky von Johnnie Walker kostet 150 Euro und wird von Gästen teilweise trotzdem mit Cola getrunken. Es wird auch immer mal wieder etwas mitgenommen von unserem Inventar.  In den letzten fünf Jahren mussten wir bestimmt zehn Zigarrenschneider und etwa genau so viele Zigarrenaschenbecher nachkaufen, und auch ein großes Bild ist uns abhanden gekommen. Das Dreisteste war aber der Diebstahl einer Drei-Liter-Whiskyflasche im Holzdisplay – mitten im Samstagsbetrieb. Darauf muss man erst mal kommen!

 

In Whisky veritas

 

Das gefährliche Halbwissen einiger Gäste in Sachen Spirituosen ist absolut fantastisch! So wurde mir beispielsweise schon erzählt, Whisky sei aus Weintrauben gemacht.

 

Saure Zeiten

 

Ich habe den Eindruck, dass außer uns niemand mehr die Kunst des Whisky Sour beherrscht. Die können mit ihren Marmeladen tolle Sachen machen, die alle viel zu süß sind, aber so ein Klassiker bleibt auf der Strecke. Aber ganz allgemein gibt es in der Stadt wenig Läden, die auch die 30- bis 40-Jährigen ansprechen und ein ordentliches Getränkeportfolio haben. Deshalb gehe ich gerne in den Wikinger am Charlottenplatz.