Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte aus dem Perkins Park Wenn die Lichter angehen...

Von Alla Lukashova 

Wo weiß man am besten Bescheid wie das Stuttgarter Nightlife funktioniert, wenn nicht in einem der ältesten Clubs der Stadt? Im Perkins Park wird seit mehr als 35 Jahren Party gemacht und für Stadtkind packt der Lightjockey Marc Luppa aus.

Marc Luppa sorgt mit seinen Lichteffekten für Stimmung im Perkins Park. Foto: Alla Lukashova
Marc Luppa sorgt mit seinen Lichteffekten für Stimmung im Perkins Park. Foto: Alla Lukashova

Stuttgart – Marc gibt den Partygästen seit mehr als zwanzig Jahren den Beat an – visuell, versteht sich. Mit dem freiberuflichen Fotografen hat der Perkins Park einen wahren Lichttechnikfreak im Haus, der jede Veranstaltung zu seiner kleinen Lightshow macht.

Marc macht als Lightjockey bei allen Veranstaltungen im Perkins Park die Lichteffekte — je schriller, desto besser. In der restlichen Zeit geht er mit seiner eigenen Firma seinem Faible für Fotografie und Videoproduktion nach.

Wer schon so lange dabei ist, muss doch viel zu erzählen haben. Wir wollten uns das nicht entgehen lassen und haben bei Marc nachgehakt.

Aus die Musik!

An einem Samstag, mitten während der Primetime, hatten wir mal einen totalen Stromausfall. Die Party lief auf Hochtouren und plötzlich gehen die Musik und das Licht aus – die große Hauptsicherung war komplett durchgebrannt. Da konnte ich selber dann gar nichts machen, es musste ein Elektrofachmann ran. Unser Geschäftsführer hat versucht unseren Elektriker anzurufen, der zu dieser Stunde aber schon im Tiefschlaf und telefonisch nicht zu erreichen war. Als er dann zu ihm nach Hause fahren wollte, ging die Schranke vom Personalparkplatz auch nicht hoch. Klar, es gab ja keinen Strom. Mit einem alten Megafon haben wir den Gästen im Club erklärt wie die Lage ist und witzigerweise ist kaum jemand gegangen. Nachdem der Elektriker aus dem Bett geholt wurde und wieder Strom geflossen ist, ging die Party dann erst richtig ab. Die Gäste haben den Vorfall richtig gefeiert, weil es einfach mal was anderes war.

Zwischen Tür und Zaun

Bei uns gelten relativ strenge Regeln was die „Tür“ angeht. Wenn sich jemand etwas daneben benimmt, dann kommt er bei uns nicht rein. Viele versuchen dann über den Zaun in unseren Außenbereich zu klettern. Einige suchen dort übrigens auch den Heimweg, wenn sie merken, dass sie ihre Getränke-Wertkarte etwas zu arg ausgereizt haben. Den Zaun haben wir mittlerweile alarmgesichert und wenn man dann wieder vor der gleichen Security steht, die einen gerade weggeschickt hat, wird’s für einige recht peinlich.

Ein Mädchen für alles

Mein Pult steht beim großen Floor ziemlich präsent vor dem DJ Pult und ich kriege oft Liedwünsche zugerufen, weil viele eben denken, dass ich der DJ bin. Getränke werden auch gern bei mir bestellt. Die meisten Gäste wissen glaube ich nicht, was ich an meinem Pult so mache. Man denkt sich auch gar nicht, wie krass eine Party mit einer guten Lightshow gepusht werden kann. Bewusst kriegen die Gäste es auf dem Dancefloor auch gar nicht mit, aber unbewusst löst die im Takt eingesetzte Beleuchtung doch Einiges aus.

Rauchen verboten

Als das Rauchverbot eingeführt wurde, war es für viele Gäste und Mitarbeiter eine große Umstellung. Viele DJs fühlen sich ja als Künstler und denken oft, dass ihnen alles erlaubt wäre, auch was das Rauchen angeht. So hat sich nach der Einführung des Rauchverbots einer der DJs eine Kippe angemacht und gemeint: „Wollt ihr mich jetzt dafür rauswerfen, oder was?“ Er wurde an dem Abend tatsächlich rausgeworfen und war seitdem gar nicht mehr hier gesehen. Regeln sind halt Regeln.

Exklusiv!

Den Ruf eines exklusiven Clubs wollten wir eigentlich nie gezielt haben. Den hat uns eher die Presse verpasst, vielleicht auch die Leute, die hier noch nie zu Gast waren. Wir verstehen uns als einen Club mit Gastro- und Eventangebot. Die auferlegte Exklusivität hat klar den Vorteil, dass es bei uns weniger Stress gibt, da sich die Besucher mehr Mühe geben, um dem vermeintlichen Anspruch zu genügen. Ich bin mir aber sicher, dass es den Leuten, die denken, dass wir zu schickimicki sind, bei uns gefallen würde. Bei uns legen teilweise ja dieselben DJs wie in der Schräglage auf, man muss sich einfach im Kopf etwas freier machen und sich selbst ein Bild davon machen.

Wie die Zeit vergeht

In den 36 Jahren hat sich einiges im Club verändert. Gäste wie Claudia Schiffer oder David Copperfield hat man bei uns früher gesehen. Damals konnten sie sich sicher sein beim Feiern allein gelassen zu werden. Aber heute scheut sich das Publikum nicht, Promis zum Beispiel mit Selfies zu nerven. Das machen dann nicht mehr viele mit. Die VfB-Spieler haben zurzeit auch wenig Grund zu feiern und lassen sich deswegen eher seltener blicken. Früher haben wir samstags um 22 Uhr 30 aufgemacht und in den ersten Minuten war die Tanzfläche schon mit hunderten tanzenden Leuten voll. Heute überlegen sich die Leute um diese Zeit erst, ob sie noch weggehen oder nicht. Heute wird es bei vielen doch später. Bei uns wurde in den letzten Jahren auch viel umgebaut, aber wir haben nie auch nur einen Tag geschlossen gehabt.

Mode im Park

Eine Modefirma hat bei uns vor einigen Jahren seine Kollektionsübergabe veranstaltet. Es war eine krass aufwendige Party, so wurde zum Beispiel echter Rasen auf dem DJ-Pult verlegt. Alle Mitarbeiter wurden neu und ziemlich aufwendig gecastet. Es gab am Abend eine Modenschau im Garten und danach wurde zwei Stunden lang gefeiert und als die Party auf dem Höhepunkt war, wurde die Musik ausgemacht und es hieß, dass alle ins Hotel müssen, weil morgen ja weitergearbeitet wird. Wir waren alle total geschockt. So viel Aufwand für zwei Stunden Party und dann alles vorbei, wenn es doch erst angefangen hat.