Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte aus der Fou Fou Bar Ganz schön verrückt

Von Alla Lukashova 

Seit gut einem Jahrzehnt leistet die Fou Fou Bar Pionierarbeit in Sachen Cocktailkultur in Stuttgart. Wir haben Steffen Witz, den Chef des Hauses, getroffen und uns Geschichten aus einer der ältesten Cocktailbars der City erzählen lassen.

Der Inhaber der Fou Fou Bar, Steffen Witz, packt für uns spannende Geschichten aus dem angesagten Szenelokal aus.   Foto: Alla Lukashova 4 Bilder
Der Inhaber der Fou Fou Bar, Steffen Witz, packt für uns spannende Geschichten aus dem angesagten Szenelokal aus. Foto: Alla Lukashova

Stuttgart – An der Kreuzung von Leonhard- und Weberstraße öffnet die Fou Fou Bar die Tore zur Stuttgarter Altstadt. Wer hier schon einmal die hauseigenen Cocktail-Kreationen oder einen der eher klassischen Drinks probiert hat, wird den Laden gerne wieder besuchen  – hier wird man eben ein bisschen foufou. Der Name der Bar leitet sich von dem französischen Adjektiv foufou ab und bedeutet verrückt – Hier kann man sich frei fühlen, verrückt, durchgeknallt oder einfach nur glücklich sein. „Bei uns gibt es nämlich keine Beschränkungen – keine richtigen Don’ts, im anständigen Rahmen natürlich“, schmunzelt Steffen Witz. Und so kann man hier bei dem ein oder anderen Drink den Tag schön ausklingen lassen.

Zur Barszene hatte Steffen Witz schon immer ein enges Verhältnis. Bereits als Schüler hat der gebürtige Stuttgarter eine Ausbildung zum Barkeeper gemacht und während seines Studiums der Theaterwissenschaften in Wien erste Erfahrungen in der Gastro-Welt gesammelt. Damals arbeitete der Student in einer der bekanntesten Bars Österreichs – der Sky Bar. Immer wieder hat es den heute 42-Jährigen aber in seine Heimatstadt zurückgezogen. Nach einer Weltreise etwa hat Steffen anderthalb Jahre lang ein Hotel auf Bali betrieben. Mittellos, weil über den Tisch gezogen, kehrte er wieder zurück nach Stuttgart und stürzte sich ins nächtliche Treiben der Stadt.

Zurück in der Heimat beteiligt sich der Stuttgarter zusammen mit Franccino Mangold zunächst an der Fou Fou Bar. Nach und nach kauft er sich immer mehr Anteile und ist seit Frühjahr 2017 alleiniger Inhaber des angesagten Szene-Lokals. Steffens Traum war es immer, das Viertel mehr zu öffnen und zu erreichen, dass nicht nur das Rotlichtmilieu die Leute anzieht, sondern auch die Barkultur das Viertel für viele neue Besucher interessant macht. So entwickeltsich die Fou Fou Bar im Laufe der Jahre zu einem der wandelbarsten Objekte der Stadt und beschert den Gästen heute eine exzellente Auswahl an Drinks. Kein Wunder, dass sich in dieser Zeit viele spannende Geschichten in der „verrücktesten“ Bar der Stadt ereignet haben, von denen uns Steffen die besten ausgepackt hat.

Latte Macchiato

Eine Story aus der Fou Fou Bar ist mittlerweile zum Klassiker der Stuttgarter Bar-Szene gekürt worden: An einem ruhigen Montagabend kam ein Gast rein, setzte sich mit einem Kellnerblock an die Bar und bestellte einen Latte Macchiato. „Diesen Anblick fand ich sehr interessant, weil der Mann den Eindruck machte, in dem Moment auf dem Kellnerzettel sein ganzes Leben organisieren zu müssen. Er wirkte zumindest sehr ernst dabei“, erzählt Steffen. Als das Handy des Mannes klingelte, ging er ohne große Begeisterung ran. Offenbar war seine Partnerin dran, die von ihm etwas Aufmerksamkeit wollte und er würgte sie abrupt mit dem Satz: „Ich habe jetzt keine Zeit!“ einfach ab. Einige Minuten später hielt ein Taxi direkt vor der Bar, eine Frau stieg in heller Rage aus, lief auf diesen Mann zu, schüttete ihm den Kaffee über den Kopf und sagte: „Du legst nie wieder auf, wenn ich mit dir telefoniere!“. Die Frau ging wieder und der Mann fragte einfach nur höflich nach einer Serviette und machte mit seiner Planung weiter. Dieser Vorfall sei ziemlich ungewöhnlich gewesen, da die Frau überhaupt nicht belehrend gewesen sei, sondern einfach nur auf die erlittene Unhöflichkeit habe reagieren wollen, erklärt Steffen.

Wenn’s mal etwas ernster wird

Zweite Geschichte: An einem frühen Sommerabend war die Bar noch komplett leer, es kam ein recht kräftiger Mann in Begleitung einer Dame in die Bar rein und setzte sich im hinteren Bereich an einen Tisch. Die beiden diskutierten emotional miteinander. Ein Mann mit einem recht gleichgültigen Gesichtsausdruck kam herein, stellt sich an die Bar und bestellte ein Bier. Dann kamen zwei weitere Männer, die im vorderen Barbereich blieben und sich etwas Alkoholfreies bestellten. Die Männer redeten nicht miteinander. Zwei weitere Männer kamen rein und setzten sich an die Treppen. Der kräftige Typ vom hinteren Tisch wurde dann leicht unruhig. „In dem Moment kam mir die Situation auch schon etwas seltsam vor, aber als Barkeeper bleibt man ja ein Beobachter und betrachtet das Geschehen vorerst aus der Ferne“, erklärt Steffen. So kam ein weiterer älterer Mann herein, setzte sich zu Steffen an die Bar und sagte: „Egal was jetzt passiert, Sie bleiben ruhig.“ Steffen nickte und hörte nur noch den Mann laut „Zugriff“ rufen. Die Männer stürzen sich alle auf den kräftigen Typen, dieser hat wohl schon etwas geahnt und hat schnell den Tisch von sich weggeschubst und es noch bis zum vorderen Teil der Bar gebracht, aber dann konnte er gefasst werden. Vermutlich ist es ein Polizeieinsatz gewesen. Um wen es sich da genau gehandelt hat, ob die erfahren wir von Steffen nicht – in solchen Situationen ist ja durchaus Diskretion angebracht.

Eine wahre Liebe

Eine recht sentimentale Geschichte hat sich in der Fou Fou Bar vor noch gar nicht so langer Zeit ereignet. An einem frühen Abend kam ein älterer Mann in einem Anzug und Blumenstrauß herein. Er grüßte nicht richtig und setzte sich einfach an einen Tisch. „Ich frage ihn, ob er etwas trinken möchte, er sagte, dass er auf jemanden wartet. Eine halbe Stunde später fragte ich nochmal nach, ob es doch etwas zum Trinken sein dürfte. Der ältere Mann antwortete aber weiterhin, dass seine Begleitung gleich kommen werde. Und so ging es den ganzen Abend lang,“ erzählt Steffen. Als es dann sehr spät wurde und der ältere Mann immer noch auf seine Begleitung wartete, kontaktierte Steffen die Polizei. „Es stellte sich heraus, dass der Mann von der Polizei bereits gesucht wurde – er war dement und seine Frau hatte ihn als vermisst gemeldet. Die Polizei kümmerte sich freundlich um den älteren Mann, seine Frau wurde kontaktiert und holte ihn auch bald nach Hause. Eine sehr sentimentale und liebevolle Geschichte!“, erzählt uns Steffen.

Mehr Infos zu den Veranstaltungen und Öffnungszeiten der Fou Fou Bar gibt's hier.