Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte aus der Imme 14 Kiez-Legenden

Von Björn Springorum 

Die besten Geschichten werden immer noch an der Theke geschrieben. Also haben wir uns in der Imme 14 an selbige gesetzt und mit Inhaberin Renate Kuhn über Gäste, Geschwindigkeitsrekorde und Gewaltvisionen gesprochen.

Renate Kuhn: Kiezdame von der Imme 14. Foto: Björn Springorum 3 Bilder
Renate Kuhn: Kiezdame von der Imme 14. Foto: Björn Springorum

Stuttgart – Renate Kuhn erzählt gern, dass sie mit der Imme 14 eine Kneipe eröffnen wollte, in die sie auch selbst gern und oft gehen würde. Das hat sie echt geschafft. Nicht nur, dass sie sehr gerne dort ist, auch die Gäste haben ihre Imme schnell ins Herz geschlossen. Vor bald fünf Jahren eröffnet, in Nullkommanix zum Kieztreff des Südens geworden, eine Kneipe mit guten Drinks, guter Küche und guten Leuten. Zweites Wohnzimmer eben, so abgedroschen es auch klingt.

Der Laden an der Immenhofer Straße 14 ist einer dieser Orte, die ein Viertel erst zur Heimat machen, die immer für die Nachbarn da sind und ihre Gäste kennen. Gemeinsam mit Frauke Härtel hat Kuhn ein kleines Biotop geschaffen, alterslos, zwanglos, klassenlos, ein Ort mit perfide exzellenter Gin-Auswahl, Bier von der Braurerei Cast gleich ums Eck, auffallend kundiger Weinauswahl und toller Küche. Wo da jetzt die Gute-Nacht-Geschichte ins Spiel kommt? Nun, vielleicht geht es in der Imme 14 nicht ganz so eskalativ, zügellos und verrucht zu wie in manchem Club. Die besten Geschichten, die werden aber eben immer noch an der Theke geschrieben. Und Renate Kuhn packt sie nur zu gerne für uns aus.

Polizei mit Geschmack

Eine Geburtstagsfeier wird uns in besonderer Erinnerung bleiben. Es waren lauter besondere Mädchen, die mit fortschreitendem Abend durchaus besondere Musikwünsche hatten. Irgendwann grölten zehn sehr betrunkene und textsichere Mädchen dann „Atemlos“ mit, was die Party vorzeitig beendete: Keine Viertelstunde später stand die Polizei bei uns im Laden. Es scheint, die Beamten hier haben einen guten Musikgeschmack.

Waidmanns Heil

An einem anderen Geburtstag kamen auf einmal acht Jäger zur Tür reingeschneit. Sie packten ihre Waldhörner aus, bezogen hinter der Theke Stellung und legten los. Das war ungewöhnlich, aber durchaus nicht schlecht. Nur als sie dann zu weit vorgerückte Stunde noch mal loslegen wollten, musste ich ihnen Einhalt gebieten. Keine Ahnung, ob die Polizei Waldhörner mag...

Imme la douce?

Zu unseren Anfangszeiten brannte bei uns immer eine orange Glühbirne über dem Eingang. Die muss bei dem einen oder anderen Gast den Eindruck erweckt haben, dass unser Angebot durchaus über Getränke und Speisen hinausgeht. Zwei haben sich dann tatsächlich auch mal getraut und uns gefragt, ob das denn hier nicht ein gewisses Etablissement sei. Wir haben sie dann ein Viertel weiter geschickt.

Querdenker

Lustige Bestellungen sind bei uns an der Tagesordnung. Da kommt es schon mal vor, dass ein Gast ein hefefreies Alkoholweizen bestellt – oder den Salat mit Rind ohne Fleisch. Das hält bei guter Laune. Einem Gast schmeckte der Rum auch so gut, dass er es fleißig betonte. Er hatte aber eben Whisky im Glas…

Treue Seelen

Wir haben viele Stammkunden, bei denen wir immer schon genau wissen, was sie trinken möchten. Da gibt es zum Beispiel zwei Herren, die jeden Samstag um Punkt 18 Uhr zur Tür reinkommen. Jeder trinkt vier Pils, dann gehen sie wieder. Ich zapfe immer schon, wenn ich sie die Straße runterkommen sehe.

Bund fürs Leben

Einmal machte mir ein Gast einen Heiratsantrag. An der Theke. Er fuhr alle Romantik auf, die er hatte, und fragte mich danach noch, ob wir nicht mal zusammen auf den Wasen gehen wollen. Es wurde aber nichts aus uns.

Der Lynchmob

Einmal kamen wir und unser Team nur knapp mit dem Leben davon. Glaube ich. EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien, wir hatten draußen auf dem Platz eine große Leinwand aufgebaut. Auf einmal schaltete sich der Fernseher einfach ab – glücklicherweise erst wenige Augenblicke, nach dem das Spiel abgepfiffen war. Fünf Minuten eher und es wäre um uns geschehen gewesen.

Gast hört mit

Einem Gast war offensichtlich mal der Rotwein zu teuer. Er beschloss, einfach nicht zu zahlen und verdrückte sich. Einer unserer Stammgäste bekam es mit und folgte ihm prompt – wo gibt‘s denn so was sonst noch?

Need for speed

Seit etwa einem Jahr gibt es die digitale Geschwindigkeitsanzeige in der Immenhofer Straße. Da haben wir auch schon alles mögliche gesehen, Rekord war ein Motorradfahrer, der es auf knapp 120 Sachen gebracht hat. Eines Abends startete ein Stammgast den Versuch, zu Fuß mit einem Sprint 40 Stundenkilometer anzeigen zu lassen. Die Straße geht aber eben echt bergauf.