Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte mit Andres Klein Sechs Jahre Bass-Gewitter

Von Björn Springorum 

Andres Klein ist DJ und Labelchef, braucht zum Überleben vor allem Bass, Bass und vielleicht auch noch ein kleines bisschen Bass. Nach allen Regeln der Kunst lebt er das bei der Reihe Stuttgart Kaputtdubben aus. Für uns hat er ausgeplaudert.

Ein Mann, ein Bart, viele Pseudonyme: Andres Klein ist Stuttgarts Bass-Prediger. Foto: Andres Klein 4 Bilder
Ein Mann, ein Bart, viele Pseudonyme: Andres Klein ist Stuttgarts Bass-Prediger. Foto: Andres Klein

Stuttgart - Wer braucht schon Hassprediger, wenn es Bass-Prediger gibt? Ein besonders besessener Angehöriger dieses Berufsstandes ist Andres Klein, rekordverdächtig umtriebiger Verfechter der bassigen Tiefenmassage. Als DJ treibt er unter den Pseudonymen aUtOdiDakT und Ackermann sein dröhnendes Unwesen, mit Music To Make Babies To lebt er seine Indie-Pop-Leidenschaft aus, auf seinen Labels Mähtrasher und Traktor veröffentlicht er zünftig hartes oder lässig deepes Zeug. Alles im Namen von Bass, Bass und Bass, versteht sich. Gilt auch für seine Partyreihen Stuttgart Kaputtraven und Stuttgart Kaupttdubben, letztere feiert dieser Tage ihren sechsten Geburtstag.

Seit 2011 dubben Bass-Süchtige in wechselnden Locations kaputt, was sie kaputt macht, los ging alles im Januar 2011 mit Borgore. Der lieferte einen solchen Abriss, dass sich der Name der Reihe wie ein Lauffeuer verbreitete und sofort zum neuen Fixstern am Bass-Himmel wurde. Wenn man bedenkt, dass der große Dubstep-Hype, in dem kaum eine Werbung und schon gar kein Soundtrack, ohne fies dröhnendes, schleppendes Gewobbel auskam, ist es eigentlich erstaunlich, dass Stuttgarts druckvollste Partyreihe auch zu ihrem sechsten Geburtstag mächtig angesagt ist. „Dadurch, dass Dubstep so viele verschiedene Spielarten hat, wachsen da auch in jeder Generation wieder neue Producer und Fans nach“, begründet Klein das anhaltende Verlangen nach fetter Bass-Massage, bei der man aufpassen muss, nicht vom Subwoofer inhaliert zu werden.

Dick gefeiert wird am 27. – mit Spag Heddy, aUtOdiDakT, Depend On und Nosq, alles abgerundet von einem Trappers-Delight-Floor, auf dem Derbe Cojones die Sau rauslassen dürfen. Happy Bassday, sagen wir da wohl am besten – und blicken mit Andres Klein genüsslich auf die denkwürdigsten Momente der ersten sechs Jahre zurück.

Pinkelpause

In all den Jahren waren ausnahmslos alle DJs extrem nett, zuvorkommend und ausgeglichen. Bis auf einen, dessen Namen ich jetzt aber nicht nennen will. Der hatte Starallüren en masse, hat im Restaurant ohne in die Karte zu schauen das teuerste Hauptgericht verlangt – auf unsere Rechnung natürlich – und wollte auch im Club jede Menge Sperenzchen. Zum Beispiel einen Eimer unterm DJ-Pult, falls er während seines einstündigen (!) DJ-Sets pinkeln muss. Ich versuche wirklich immer, zu jedem Gast-DJ nett zu sein und ihm den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten, aber bei der Ansage ist mir die Hutschnur geplatzt und ich glaube, ich habe ihm tatsächlich gesagt, dass er natürlich keinen Eimer bekommt und ich ihn eigenhändig von der Bühne werfe, wenn er auf selbiger sein Ding rausholt.

Finger Kaupttdubben

Am eindrucksvollsten haben wir wahrscheinlich das Motto unserer Party vermittelt bekommen, als sich ein Gast an einem Strand-Liegestuhl im Rocker-33-Innenhof quasi einen Finger abgeknipst hat. Er hat wohl im Liegestuhl mit der Hand an der Mechanik rumgespielt hat und dadurch den Stuhl eingeklappt. Mit dem Finger im Scharnier. Der war aber im Gegensatz zu uns sehr tapfer und hat es mit Humor genommen. Als er mit dem Notarzt rausging, hat er nur bedauert, dass er jetzt den Hauptact verpasst. Keine zwei Stunden später kam er mit einem riesigen Verband und dem frisch angenähten Finger aus dem Krankenhaus wieder und stand beim Act nach dem Hauptact in der ersten Reihe.

Eigentlich für‘n Arsch

Überhaupt haben einige Leute das „kaputt“ in unserem Namen zur Anfangszeit immer mal wieder etwas zu ernst genommen. Es kam mehr als einmal vor, dass morgens nach Anschalten der Beleuchtung noch Gäste auf der Tanzfläche standen, die eine Klobrille, die sie auf der Toilette abgeschraubt haben, um den Hals hängen hatten.

Kurze Hosen und Flugangst

Es gab aber natürlich auch lustige DJ-Anekdoten wie die von einem 100-Kilo-Hünen aus London, der im tiefsten Winter und Schneechaos in kurzer Hose aus dem Flieger kam und felsenfest behauptete, dass er nicht eine lange Hose besitzt und ausnahmslos immer so rumläuft! Ah, oder den Headliner, der zweimal hintereinander einfach nicht kam. Das erste Mal hatte er angeblich den Flieger verpasst, beim Nachholtermin erschien er wieder nicht. Erst später habe ich herausgefunden, dass er eine Flugphobie hat.

Abschiedstränen

Unvergesslich waren die jeweils letzten Kaputtdubben-Partys im alten und im neuen Rocker 33. Beide Male habe ich mit den Tränen gekämpft. Selbst als das Licht anging, standen wir beide Male noch in einem richtig vollen Laden, weil niemand heimgehen wollte. Da hat sogar der Main-Act doppelt so lang gespielt wie vorgesehen. Natürlich gab es auch im Lehmann und im Zollamt nach dem Rocker sehr tolle Momente und Abende, an denen einfach alles gepasst hat, die Hauptacts gar nicht mehr aufhören wollten und auch von den Gästen keiner ein Ende finden wollte. Und besonders spaßig ist es eh immer gewesen, wenn die DJs so betrunken sind, dass sie auf einmal MCs sind und zum Mikrofon greifen…

Stuttgart Kaupttdubben feiert am 27.1. seinen sechsten Geburtstag im Club Lehmann, los geht‘s um 23 Uhr.