Max Brauneck und Lion Baur haben sich in Stuttgart bei Chimperator kennengelernt. Kurze Zeit später hatten sie ihre eigene erfolgreiche Partyreihe gegründet: Attico. Foto: Petra Xayaphoum
Das Duo Attico hält das Stuttgarter Ausgehpublikum seit 2023 mit seinen Day Partys an wechselnden Off-Locations in Atem. Wir haben sie anlässlich ihrer nahenden Party getroffen.
Sie stecken hinter den Stuttgarter Day Raves mit Giraffe, von denen dieses Wochenende wieder einer an den Wagenhallen stattfinden wird: Max und Lion, die Erfinder der Attico-Partyreihe. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Max Brauneck und Lion Baur sich kennengelernt haben, vier Jahre um genau zu sein. „Lion war Prakti und ich Azubi bei Chimperator“, erinnert sich Max ans Jahr 2021 zurück.
Der Anfang der Attico-Day-Partys
Schon damals haben sie als DJs aufgelegt, doch die Suche nach den passenden Locations gestaltete sich nicht einfach. „Man möchte am Anfang zwar möglichst oft stattfinden und so viel spielen, wie es geht“, sagt Max. Doch Clubs hätten durch ihren eigens kuratierten Sound und ihre regelmäßigen Partyreihen eben schon eine Art Stempel, der als Aushängeschild für sie funktioniert, erklärt der gebürtige Darmstädter. Das ergibt marketingtechnisch mit Blick aufs Stammpublikum natürlich Sinn, das sich auf eine bestimmte Gangart in Club XY einstellen kann. „Wir wollten uns aber nicht in Genre-Grenzen packen lassen“, sagt das Duo, das sich am Anfang seiner DJ-Karriere vor allem musikalisch ausprobieren und austoben wollte – und hat kurzerhand seine eigene Partyreihe gegründet, die an wechselnden Locations in Stuttgart stattfindet. Kommendes Wochenende zum Beispiel Open Air vor den Wagenhallen in Stuttgart-Nord. Dort veranstalten sie nach einem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal das Attico-Fest.
Die allererste Party fand im Dachgeschoss von Max‘ damaliger Bude statt, daher rührt auch der Name ihrer Reihe, Attico. Danach folgten zwei Day Raves auf der berüchtigten Dachterrasse des Max-Kade-Wohnheims, gefolgt von damals noch uneingezäunten Day Raves auf der Freitreppe vorm Stadtpalais und mehr. Von da an immer dabei: die aufblasbare Riesen-Giraffe.
„Wir haben mal bei Chimperator fürs Hip Hop Open aufblasbare Hände machen lassen. Mit dem Produzenten war ich dann länger in Kontakt und habe regelmäßig geschaut, was die so treiben“, berichtet Max. Besagter Produzent betrieb auch einen Mietpark für aufblasbare Dinge: Rundbögen, Hüpfburgen, so was. „Da war aber auch diese Giraffe drin“, erinnert er sich zurück. „Das war gerade 2024, als wir unsere Attico-Party auf der Freitreppe vor dem Stadtpalais geplant haben und ich dachte: ‚Eigentlich cool, wenn die hinterm DJ-Pult stehen und über die Tanzfläche wachen würde.‘“
Spirit Animal: Giraffe
Gesagt, getan. Ein spontaner Marketing-Geniestreich, der sich ausbezahlt hat; der Wiedererkennungswert liegt bei unendlich. Seitdem ist die Giraffe sozusagen das Maskottchen der Attico-Partys und nicht mehr wegzudenken. „Giraffen sind besonders cool: Sie sind elegant, haben ein tolles Muster, machen keinen Stress, essen nur Pflanzen, leben im Warmen … das passt gut zu uns“, findet Max und Lion ergänzt: „Sie ist perfekt für das, wie wir sie einsetzen: Kein anderes Tier kann man so gut in Szene setzen.“
Letzten Herbst ist Max in seine Heimatstadt Darmstadt zurückgezogen, arbeitet dort im Veranstaltungs-Marketing. Zu den Attico-Partys, von denen abseits des kommenden Wochenendes – Spoiler-Alert – auch noch einige weitere dieses Jahr stattfinden werden, kommt er regelmäßig nach Stuttgart. Beim gemeinsamen Interview auf dem ITS Infoturm, wo vor zwei Wochen eine Attico-Party stattgefunden hat, lassen wir das Duo uns ihre schrägsten Gute-Nacht-Geschichten aus der Attico-Historie verraten. Lasst hören!
Die Bassbox hat jetzt Urlaub
„Bei unserer letzten großen Party in den Wagenhallen sind ungefähr bei der Hälfte meines Sets die Bassboxen ausgefallen“, sagt Lion. „Dazu muss man wissen, dass meine Musik sehr basslastig ist: UK Garage, UK Bass. Nachdem ich nach fünf Minuten gemerkt habe, dass nichts mehr ankommt, musste ich mir was einfallen lassen und habe die Monitor Boxen, die eigentlich auf den DJ gerichtet sind, aufs DJ Pult gestellt und maximal aufgedreht.“
Manchmal muss man auch spontan eine Box ins Publikum halten, damit die Party weitergeht. Foto: privat
Auch Max hat noch gute Erinnerungen an den Moment: „Wir denken anfangs immer, wir schaffen das Ganze ohne Techniker, bis dann irgendeine Scheiße passiert“, sagt er lachend. „Am Ende habe ich die Box hochgehalten, damit die Leute noch was hören“, lacht Max. „Das hat so dann die letzte halbe Stunde auch noch funktioniert.“ Solche Kleinigkeiten und Unvollkommenheiten machen den Charme ihrer Partys aber auch aus, finden die beiden.
Steak erst am Schluss pfeffern
„Während unserer Events ist noch nie etwas passiert“, fängt Max die nächste Geschichte an. „Aber einmal danach“, vervollständigt Lion den Teaser auf die kommende Story. „Die Party war vorbei, wir waren gerade beim Abbau. Auf einmal hören wir jemanden von außerhalb der Location jammern, extrem jammern. Wir haben uns gewundert, was da passiert sein könnte und haben nachgeschaut. Gefunden haben wir dann einen Typen, komplett allein, der sich jammernd die Augen gerieben hat und immer wieder rief ‚Ich wurde gepfeffert! Ich wurde gepfeffert!‘. Er hat gar nicht mehr aufgehört zu schreien und wurde immer wütender. Jemand hatte ihm voll Pfefferspray in die Augen gesprüht. Wir haben ihn dann ins Bad gelassen, um sich die Augen auszuwaschen. Was genau da passiert war, haben wir aber nicht mehr erfahren.“
„Einmal hat uns ein Kollege beim Einlass geholfen“, erinnert sich Lion an eine Party letzten Sommer am Stadtpalais zurück. „Es war das erste Mal, dass er mitgeholfen hat und er dachte wohl, viel mittrinken ist das Programm, wenn man den Einlass macht. Seine Aufgabe war es, die Leute am Eingang zu stempeln – irgendwann waren statt der Gäste aber seine ganzen Arme und sein Gesicht voll mit Attico-Stempeln. Das Ding ist, dass er das Ganze nicht weitergedacht hatte, denn am Montag danach hatte er sein Übernahmegespräch zur Ausbildung und wie man weiß: Party-Stempel gehen gar nicht so einfach von der Haut weg. Er saß also dann Montagsfrüh mit Attico-Logo im Gesicht vor seinem Ausbilder und es ging darum, ob er bleiben darf oder nicht.“ Nach einer kurzen Kunstpause löst Lion auf: „Er hat die Ausbildung dann bekommen.“
Ungewollter Feuerwehreinsatz
„Wir hatten in unserer kurzen Laufbahn schon mal einen Feuerwehreinsatz, weil wir den Feueralarm ausgelöst haben“, erinnert sich Lion. Bei welcher ihrer Partys das war, möchte er nicht verraten. „Wir hatten Nebeltests gemacht, deren Zeiten wir nicht abgesprochen hatten und die Nebelmaschinen haben dann einen kleinen Einsatz ausgelöst haben.“