Sein „Werdegang als DJ“, wie er es gerne nennt, begann während eines längeren Aufenhalts in Südafrika, gefolgt von ersten Gigs in Paris, wo der heute 26-Jährige sein Auslandssemester verbracht und die richtigen Connections geknüft hat. Zurück in Stuttgart legte er zunächst unter dem Künstlernamen Christian Ronald – angelehnt an den berühmten Fußballer, jedoch ohne das „O“ – auf. Als sich die Gigs häuften, benannte er sich in DJ Floppy Disk um. Aber wie kam es zu diesem Namen? „Während meiner Bachelor-Arbeit zur Renaissance der Vinyl habe ich über verschiedene Speichermedien geschrieben, die als Tonträger verwendet werden – und eines davon war die Diskette. Ich fand den Namen Floppy Disk ganz cool, konnte mich sogar noch an die Disketten meines Papis erinnern und mir gefiel der Retro-Vintage-Charme, da ich ja auch alte Tracks spiele“, erklärt er. Und in seiner Zeit als DJ Floppy Disk hat er inzwischen einiges im Kessel erlebt. Uns erzählt er ein paar seiner Lieblingsgeschichten aus dem Stuttgarter Nightlife.
Afterhour und ein Tablett voller Früchte
Eine der ersten Partys, die DJ Floppy Disk in Stuttgart mitorganisiert hat, war die Bon Voyager in der Rakete im Theater Rampe. „Wir mussten in der Rakete immer recht früh, also gegen 4 oder 5 Uhr, aufhören. Also dachten wir uns: Hey, die Party darf nicht einfach enden – und haben uns nach Afterhour-Locations umgeschaut. Und da kamen wir auf die Idee, eine Off-Location zu suchen – irgendeinen Ort, wo es niemand erwartet“, erzählt der DJ. „Ich habe früher in der Tübinger Straße gewohnt und im Haus nebenan war unten das Café Prime drin, das immer offen hatte. Also haben wir dort angefragt, ob wir nach unserer Party in der Rakete mit 40 bis 50 Leuten und unserer Soundanlage vorbeikommen könnten. Und die Besitzerin meinte nur: Let’s do it! Es war ein krasser Abend. Schon in der Rakete war ordentlich was los. Zum Beispiel ist irgendwann dieser eine Typ, der immer mit einer Querflöte durch Stuttgart läuft, am DJ-Pult aufgetaucht und wollte etwas spielen. Also habe ich den Track 'Benztown' von Jacques Torrance aufgelegt und der Flötenmann hat mich dazu begleitet“, lacht der 26-jährige.
„Nachdem die Party in der Rakete vorbei war, gingen wir also weiter in die Tübinger Straße ins Prime. Es gab eine Nebelmaschine, Leute haben geraucht, an den Spielautomaten gespielt, der Laden war komplett voll. Und irgendwann lief ein Freund von mir mit einem Silbertablett voller aufgeschnittener Früchte rum, von denen wir bis heute nicht wissen, wo sie herkamen. Unsere Afterhour ging dann echt lang. Zum Sonnenaufgang waren zwischen dem Prime und meiner Wohnung überall Leute verteilt, saßen auf der Treppe, haben auf dem Boden geschlafen, irgendwer hat Gitarre gespielt. Natürlich kam auch zweimal die Polizei und wir mussten ein bisschen leiser sein. Irgendwann war die Nachtruhe aber offiziell vorbei und die Party ging nochmal so richtig weiter.“
Partys über den Dächern Stuttgarts
Die nächste Story führt uns hoch hinaus über die Dächer Stuttgarts – ins Max-Kade-Wohnheim. „Im Kade ist damals die Shockwerk-Crew entstanden, von der ich auch ein Teil bin. Zusammen haben wir immer unsere Afterhours im legendären 10. Stockwerk gemacht, hatten dafür immer krasses Equipment am Start. Wir waren nicht oben im Dachcafé oder so, sondern einfach in einer WG im Wohnzimmer. Zu den Partys kamen teilweise DJs, die schon im Berghain und weltweit aufgelegt haben. Jetzt spielten sie hier im Kade, tausende Schallplatten lagen im ganzen Zimmer verteilt rum. Und wenn dann die Sonne über Stuttgart aufging, während die Leute hier im 10. Stock zu unserer Musik getanzt haben, war das einfach immer ein magischer Moment. Und: Aus dem Kade hat sich tatsächlich niemals irgendwer über die laute Musik beschwert.“
Water on the Dancefloor
Eine weitere Party, die DJ Floppy Disk wohl nie vergessen wird, war zu Halloween im White Noise, für das er eine Weile als Booker gearbeitet hat. „Gerade im Zentrum rund um das Rathaus passiert so viel, aber eine Nacht, an die ich mich immer erinnern werde, war eine der legendären Halloween-Partys von Basement im White Noise, was für mich der schönste Club der Stadt war. Die Stimmung war super, die Leute waren krass verkleidet, die Party hatte einen guten Vibe, die Musik war großartig – und irgendwann lief Wasser in den Club! Es gab an dem Abend nämlich eine Art Wasserrohrbruch und die Toiletten und das Wasser an der Bar sind über- und auf die Tanzfläche gelaufen. Ich stand also, verkleidet mit meinem lustigen Hut, komplett im Wasser und habe es zusammen mit dem Team eimerweise raus auf den Vorplatz vorm Club befördert. Das Lustige ist, das es meisten Besucher:innen gar nicht bemerkt haben. Es war einfach ein crazy Abend, die Party ging also weiter und wir haben halt nebenbei weiter das Wasser aus dem Club gekippt. Was für eine Action!“
Nur Amore für das Studio Amore
Aktuell ist DJ Floppy Disk einer der Residents im Studio Amore. „Ich habe dem Laden sehr viel zu verdanken. Leif Müller hat mir da direkt zu Beginn viele Gigs gegeben und auch heute lege ich mindestens einmal im Monat dort auf. Besonders gerne erinnere ich mich an die erste Studio Amore di Notte, wo ich den Floor im Café eröffnen durfte. Die Türen gingen auf, die Leute stürmten in das Café, es war unglaublich heiß und eine unvergessliche Nacht. Und auch die Sunday Roasts waren natürlich immer legendär. Meine DJ-Freund:innen, die nicht aus Stuttgart kamen, waren immer komplett begeistert vom Vibe der Partys und total überrascht, dass es so etwas hier in unserer Stadt gibt.“