Boiler-Room-Vibes im Zubrovka – nicht nur, aber vor allem auch wenn Téodoro auflegt. Foto: /privat
Theo Fringelis, besser bekannt als Téodoro, ist DJ und Fellbacher aus Leidenschaft. Seine „What you say“-Events, ob im Kowalski, auf dem Wasen oder Boot, sind jetzt schon legendär. Kein Wunder kommen seine Gute-Nacht-Geschichten ohne Einschlafgarantie daher.
Téodoro hat ein Problem: „Ich kann nicht für eine Sitz- oder Stehgesellschaft Musik auflegen. So ein DJ will ich nicht sein!“ Er habe Respekt für seine Kolleg:innen, die das machen, können und wollen. „Aber ich brauche Leute, die abgehen wollen, dafür bin ich gemacht, alles andere ist mir zu langweilig, da habe ich keinen Spaß.“
Warum der 41-Jährige aus Fellbach die Läden füllt, kann er selbst schwer in Worte fassen. „Vielleicht muss man mich einfach mal live gesehen und den Sound, den ich spiele, gehört haben“, schlägt der leidenschaftliche DJ vor, der mittlerweile seit rund 20 Jahren auflegt – mit Pausen oder auch mal mehr oder weniger aktiv.
Zum Studium nach Nürnberg
Denn dazwischen ging es unter anderem für sein Lehramtsstudium nach Nürnberg, wo Theo sieben Jahre verbrachte, sich ein Leben mit neuen Freundschaften aufbaute und dort eigentlich nicht mehr wegwollte. „Ich habe dort und von Nürnberg aus auch richtig viel aufgelegt und mir ging’s da auch sehr gut.“ Aber als Fellbacher durch und durch zog es ihn irgendwann einfach wieder in heimische Gefilde – aus Gründen.
Und im Kessel angekommen, arbeitete der House-Music-Lover zwar zunächst als Lehrer, merkte aber schnell: „Ich muss wieder in die Selbstständigkeit.“ Das war 2016, als ihn als DJ in Stuttgart erstmal niemand auflegen lassen wollte. „Das ist ja normal, das muss man sich alles wieder erarbeiten.“
Sich als DJ rar machen
Ach und apropos Arbeit, seine Brötchen verdient sich der gut gelaunte Zeitgenosse übrigens mit Erste-Hilfe-Kursen unter der Woche. „Das läuft super und ist sehr gefragt.“ Und auch am Wochenende ist der DJ mittlerweile wieder heiß begehrt. Doch Téodoro macht sich lieber rar. „Ich lege im Kowa und Zubrovka auf, alles andere in Stuttgart sage ich ab!“
Téodoro macht sich als DJ im Stuttgarter Nightlife gern rar. Foto: privat/privat
Es sei seine Philosophie. „Ich möchte nicht jedes Wochenende spielen. Und habe mit meinen 41 Jahren schon genug gesehen und erlebt im Nachtleben – das Skurrilste übrigens in Stuttgart.“ Dazu später mehr.
Legendäre Bootspartys
Bleibt neben „Was ist eigentlich mit dem DJ-Nachwuchs los?“ nur noch eine Frage zu klären: What you say steht für was? Ganz easy: Theos eigene Event-Reihe! Seit vier Jahren sind die Events auch auf einem Boot der Neckar-Käpt’n-Flotte beheimatet und heizen dort den Party-Peeps ordentlich ein, mit Afro-House, dem neuen Commercial Shit. Boom. „Das war der Ober-Gamechanger“, betont der Vollblut-Fellbacher, der auch beim SV Fellbach ehrenamtlich sehr aktiv ist. Stichwort: Teammanager.
Jetzt aber mal zum skurrilen Shit, der sich im Stuttgarter Nightlife abspielt – viel Spaß!
Shit happens
Auf den Boot-Partys bin ich gleichzeitig Hoster, begrüße die Gäste, räume auf, mache den Runner, lege zwei Stunden auf oder bin auch mal hinter der Bar. Verantwortung abgeben ist für mich ein riesen Problem. Deshalb mache ich am liebsten alles selbst. Ich will mir das gar nicht vorstellen, wenn irgendwas nicht läuft, das ist mir viel zu riskant. Ich war also auf dem Schiff, stehe gerade an der Bar, die anderen DJs haben aufgelegt, es war eine super Stimmung, kommt ein Gast zu mir und sagt: „Du bist doch der Veranstalter?! Ich weiß nicht, ob das so cool ist, aber vielleicht solltest du mal nach links schauen.“ Ich drehe also meine Kopf nach links und sehe wie ein junger Partygast gerade in den Fluss schei**t. Ich bin dann zu ihm hin und er erklärt mir leicht alkoholisiert, die Toiletten seien besetzt gewesen und er habe dem Druck nicht mehr Stand halten können. Tja, shit happens, aber doch bitte nicht so.
Stolper-Room, statt Boiler-Room
Andere Story, auch auf dem Boot. Die DJ-Technik steht dort ja auf Fässern, was ziemlich cool ist und die Gäste feiern, tanzen, trinken hautnah im Boiler-Room-Style um uns herum, also auch hinter uns zig Leute. Und eine junge Dame ist, während ich aufgelegt habe, von hinten nach vorne gestolpert, hat auf dem Weg alles abgeräumt und umgeschmissen. Es stand nichts mehr da, wo es vorher war und ich unter Schock. Sie fällt also auf unser Zeug drauf, dreht sich um und fragt leicht geniert mit einer gewissen Röte im Gesicht: „Hab ich was kaputt gemacht?“ Großes Gelächter bricht aus. Denn: Gott sei Dank war nichts kaputt und auch der Lady ist nichts passiert.
Lost in Orientation
An einem anderen Abend im Kowalski. Mir fällt ein Typ auf, der von der Seite ans DJ-Pult kommt, mit den Armen fuchtelt und die ganze Zeit „Hallo“ schreit. Ich denk mir nur: Oh no, ein Betrunkener, ignorier ihn, bleib cool. Ich habe ihn wirklich auflaufen lassen, habe das echt durchgezogen, etwa fünf Minuten lang. Er ist aber dran geblieben, hat geschrien und geschrien, dann ist es auch den anderen Leuten aufgefallen. Ich gehe also zu ihm hin und frage ihn: Was ist denn los, Alter, was schreist du denn so? Und er nur: „Zwei Jägermeister, bitte!“ Das Gelächter war riesig. Und ich nur zu ihm: Hey, siehst du hier irgendwo ’ne Bar? Und er völlig lost, mit richtig hohem Pegel und orientierungslos: „Oh je, wo bin ich denn hier?“ Zur Bar hat er’s dann mit Ach und Krach noch geschafft, aber später ist er dann auch aus dem Club geflogen.
Volksmusik im Nacken
Was ich nur aus Stuttgart kenne, ist diese „Champagner-Gesellschaft“, die keine Volksmusik oder auch Schlager auf dem Volksfest hören will, sondern Electro. Das ist einfach im Trend, Afro-Tunes sind gefragter denn je und dürfen dann eben auch nicht auf dem Wasen fehlen. Was dieses Jahr allerdings cool, aber auch irgendwie schräg war, war das DJ-Pult. Das hatte sich nämlich auf einer Empore befunden, die ins Zelt rein ragte, über den Leuten, die auf Bierbänken saßen. Und als DJ hast du dann im Hintergrund die Zeltbesucher gehört, die zu Volksmusik gefeiert haben und oben hattest du gleichzeitig die Schatzi-Bar, wo der Bass und Electro-Tunes aus den Boxen zum Tanzen antrieb. Super strange. So oder so, es waren geile Donnerstage, es ist aber ganz klar ein Stuttgarter Phänomen, das ich so noch nirgendwo anders erlebt habe.