Gute-Nacht-Geschichte vom STR.711 Kollektiv Elyas M’Barek auf dem Klo und der heilige Kaugummi von DJ Rush

Dan Ostendorf (li.) und Georg Hagmeier vor der Dinkelacker Brauerei, wo sie Ende April einen Day Rave veranstalten. Foto: Petra Xayaphoum

Das STR.711.Kollektiv gibt zum Fünfjährigen Gas: Unter anderem auf dem Dinkelacker-Gelände und im Rosensteinmuseum stehen Raves an. Wir haben mit Dan und Georg über Day Partys und ihre denkwürdigsten Nightlife-Storys gesprochen.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Das STR.711.Kollektiv lässt sich dieses Jahr nicht lumpen: Kaum geht dieses Wochenende die Residency beim Punschwald auf dem ehemaligen W&W Areal mit einem Knall zu Ende, schon stehen die nächsten Raves auf dem Plan der Stuttgarter Partymacher an: Am 29. März findet die nächste Tanzveranstaltung im Naturkundemuseum Schloss Rosenstein statt, am 26. April gibt’s eine Brewery Session auf dem Brauereigelände von Dinkelacker, am 30. April wird im Salemer Pflegehof gefeiert, am 31. Mai findet auf dem Franck-Areal in Ludwigsburg ein Open Air statt, am 5. Juli geht’s zum Partymachen nach Kernen zur Winery Session auf dem Kellereigelände des Weinguts Wilhelm Kern – und da hört die Liste fürs Jahr 2025 noch lange nicht auf.

 

Dem vollen Terminplan mag zugrunde liegen, dass es dieses Jahr das fünfjährige Bestehen des Kollektivs zu feiern gibt. Sicherlich spielt aber auch die Tatsache mit rein, dass eben jene Day Partys, die das Stuttgarter Kollektiv seit seiner Gründung in immer größerem Stil veranstaltet, genau in die Kerbe schlagen, die den Zeitgeist der Partyszene der zwischen Mitte-20- und Mitte-50-Jährigen trifft. Und die wiederum gehören zum Zielpublikum der Kollektiv-Events zählen. „Das ist unser Steckenpferd“, erklärt Dan Ostendorf, der das STR.711.Kollektiv mitgegründet hat. „Wir beide zum Beispiel“, fährt er fort und weist in Richtung seines Kollegen und DJs Georg Hagmeier aka D George. „Wir legen schon seit über 20 Jahren als DJs auf. Wir haben viel Clubleben hinter uns und keinen Bock mehr auf das Nightlife als solches, sondern uns machen mittlerweile diese Tagesveranstaltungen einfach viel mehr Spaß.“

Der Vorteil besagter Day Partys ist nicht nur, dass sie problemlos an außergewöhnlichen Orten stattfinden können, weil man unter anderem die Nachtruhe umgeht, sondern auch, dass das Publikum mit einer ganz anderen Einstellung an die Partys rangeht. „Die Leute feiern durchaus ausgelassen und geben Gas. Aber ein komplettes Abschießen findet nicht statt“, sagt Georg. „Und sind wir mal ehrlich: Wir werden auch nicht jünger“, ergänzt Dan schmunzelnd die Vorteile vom Feiern bei Tageslicht. „Aber wenn die Party um 22 Uhr vorbei ist, dann ist man am nächsten Tag auch wieder fit.“

Weil bei Partys aber nicht immer alles glatt läuft und in zusammengenommen mehr als vierzig Jahren DJ-Geschichte den beiden Kollektiv-Mitgliedern so einiges Denkwürdiges passiert ist, geben sie uns hier nun ihre erstaunlichsten Gute-Nacht-Geschichten preis.

Sorry, nicht gehört

„Ich war früher ganz lange Fahrer für die DJs, die wir gebucht hatten, weil ich einen Führerschein hatte und gut Englisch spreche – das waren schon mal gute Voraussetzungen, um internationale Acts herumzukutschieren“, erinnert sich Georg, der mit 18 von Tübingen nach Stuttgart gezogen ist. „Da sind ein paar witzige Sachen passiert: Etwa, als ich den Künstler am Tag nach der Party im Hotel abholen sollte, um ihn zum Flughafen zum nächsten Gig zu fahren, er aber auf Teufel komm raus die Türe nicht geöffnet hat. Die Rezeption hat sich geweigert, die Türe aufzubrechen, um die Privatsphäre des Gastes zu schützen. Und so habe ich zwei Stunden lang an die Hoteltür gehämmert und währenddessen schon schwitzend mit dem Promoter in Madrid telefoniert, um ihn darauf vorzubereiten, dass der Künstler sich zum Folgetermin vermutlich verspäten wird. Irgendwann hat er dann endlich die Türe aufgemacht, mit zig weiblichen Partygästen vom Vorabend im Hintergrund, und sich schnell angezogen.“

Only available at German Gas Stations

„Einmal habe ich auch DJ Rush herumgefahren, dem war es auf der Fahrt plötzlich super wichtig, dass wir an einer Tankstelle halten“, erzählt Georg. „Dabei war das Auto vollgetankt, ich hatte ein Snackpaket für ihn vorbereitet und Wasser dabei. Aber er ließ sich nicht davon abbringen und wollte unbedingt an eine ‚German Gas Station‘. Als ich mich dann habe breitschlagen lassen, von der Autobahn abzufahren, stieg er aus und kam nach kurzer Zeit mit einem breiten Lächeln im Gesicht wieder. Als ich ihn daraufhin fragte, was er denn jetzt gekauft habe, hat er mir ein Päckchen Waldbeerkaugummis gezeigt. Die Sorte gab’s wohl in Holland nicht, wo er damals gewohnt hat. Aber damit war sein Wochenende dann perfekt.“

Du bist meine Nummer eins

„Ein anderes Mal habe ich auch Marc Houle vom Flughafen abgeholt“, beginnt Georg seine letzte Story. „Als wir gerade die Weinsteige herunterfahren, ruft er plötzlich laut ‚Stopp! Stopp!‘ und ich musste rechts ranfahren. Er ist dann ausgestiegen, hat sich intensiv ein Haus angeschaut, auf dem die Hausnummer ganz groß draufgeschrieben war und ein Handyfoto davon gemacht mit der Begründung, er würde Zahlen sammeln. Als ich ihn dann gefragt habe, wie groß seine Sammlung ist, sagte er ganz trocken ‚This is the first one.‘ (‚Das ist die erste.‘). Und dann sind wir weitergefahren.“

Eskalation im Ritter Butzke

„Zu meinen Berliner Zeiten hatte ich einen Gig im Ritter Butzke im Ölfasslager. Da haben zwei DJs schon vor mir gespielt gehabt und die Stimmung war dementsprechend schon mega gut, als ich anfing“, berichtet Dan, „und sie hat sich immer weiter aufgeheizt. Die Leute haben irgendwann angefangen, Crowdsurfing zu machen – bis der fette Kronleuchter im Raum runtergeknallt ist. Ich wusste in dem Moment gar nicht, was ich machen sollte. Aber das Publikum hat sich selbst drum gekümmert und die Party ging weiter. Verletzt hat sich zum Glück niemand.“

Promitreff Toilette

„Die nächste Geschichte spielte sich auch in Berlin ab, als ich bei der Aftershow Party der Berlinale im Soho House aufgelegt habe. Es müsste 2015 gewesen sein“, sagt Dan. „Ich musste ganz dringend auf die Toilette und hatte einen vierminütigen Track lang Zeit. Leider waren alle Pissoirs besetzt, also habe ich an die Toilettentür geklopft und wer kommt raus? Elyas M’Barek. Ich habe ihm meine Zeitnot geschildert und er meinte nur ‚Kein Problem, cooler Sound, bis später!‘“

Man muss die Partys auflegen wie sie fallen

„Als ich ganz frisch von Dortmund nach Stuttgart gezogen bin, war ich eines Abends privat in der Marshall Bar, die damals noch in der Bolzstraße gewesen ist.“ Dan erinnert sich zurück an die Zeit, als er aus dem Ruhrpott in die schwäbische Landeshauptstadt kam. „Ich habe mitbekommen, dass der DJ, der an dem Abend hätte auflegen sollen, nicht aufgetaucht ist und mich spontan als DJ angeboten. Ich bin dann – das werde ich nie vergessen – nach Hause gelaufen wie ein Irrer, habe mir meine drei Plattentaschen gekrallt und kam dann in der Marshi völlig verschwitzt wieder an (es war auch noch Sommer). Aber der DJ ist nicht mehr aufgetaucht, und ich hatte dann einen ganz coolen Abend. Das war quasi mein erster Kontakt mit dem Stuttgarter Nachtleben!“

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