Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte Anekdoten aus zehn Jahren Kap

Von Laura Müller-Sixer 

Im Jahr 2006 öffnete das Kap Tormentoso erstmals seine Türen. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Für uns hat sich Geschäftsführer, Booker, Techniker und „Mädchen für alles“ Tobias Messerle zurückerinnert – ein kleines „Best Of“ aus zehn Jahren Kap.

Tobias Messerle oder auch Tobi plaudert für Stadtkind aus dem Nähkästchen. Foto: privat 2 Bilder
Tobias Messerle oder auch "Tobi" plaudert für Stadtkind aus dem Nähkästchen. Foto: privat

Stuttgart – Globuslampen und Graffiti an der Wand: Das Kap Tormentoso, kurz „Kap“ ist in Stuttgart der Treffpunkt für Studenten, Balletttänzer, Skater, Familien, Jung und Alt. Seit 10 Jahren schon ist die Kombüse warm und das Kap eine Bühne für handgemachte Musik regionaler Bands. Tobi (40), der bis 1999 mit der Bundeswehr zur See fuhr, nennt sich selbst einen „multiflexiblen Betriebsklimaforscher“. Egal ob als Zapfer oder Kellner im Amadeus, Mata Hari und Co.: Sein Herz schlägt nicht nur für die See, sondern vor allem für die Gastro – und sein Kap. Zum Jubiläum wird jetzt ein Wochenende lang gefeiert und Piratenbrause (Rum-Cola) ausgeschenkt. Wir konnten dem Captain Tobi aber vorher noch einige Anekdoten entlocken:

Von der Seefahrt inspiriert

Zu Mata-Hari-Zeiten kam Uwe damals als Chef auf mich zu und fragte, ob ich denn nicht die Geschäftsführung seines neuen Ladens übernehmen will. Dann saßen wir zusammen, Uwe hatte gerade „Moby Dick“ fertig gelesen und dabei entstand die Idee für den Namen vom Kap. Wir ließen uns sozusagen von dem Buch und der Geschichte des portugiesischen Seefahrers Bartolomeu Dias inspirieren. Der entdeckte ja das Kap der Guten Hoffnung und nannte es Cabo Tormentoso (Sturmkap). Wir haben dann ein bisschen herumexperimentiert und sind irgendwie auf Kap Tormentoso gekommen. Ich meinte zu Uwe: „Ey, das checkt doch niemand!“ Genau so, wie wir es wollten.

Kap Tormentoso oder doch Bermudadreieck?

Es kann schon öfters mal vorkommen, dass unser Inventar erneuert werden muss. Da fällt mir ein: Einmal wurde uns mitten in der Nacht um zwei Uhr im absoluten Hochbetrieb ein Segelschiff-Modell gestohlen. Das muss man sich mal vorstellen. Irgendjemand hat es wohl von der Wand abgenommen, unter die Jacke gesteckt und ist damit abgehauen. Das war die Santa Maria von Kolumbus. Für uns ein wahnsinnig wertvoller Gegenstand, weil wir damit viel verbinden. Zurückbekommen haben wir es leider bis heute nicht.

Beste Anmachsprüche

In zehn Jahren begegnen dir schon einige Idioten. Ob es jetzt der DJ ist, der sich auf der Kühltruhe mal ein Nickerchen gönnt oder ein betrunkener Typ, der vor anderen Gästen einfach so untenrum blank zieht. Klar, wenn dann ohne Vorwarnung ein Einkaufswagen mit zwei Leuten die Treppe runtergefahren kommt, muss man auch mal kurz schmunzeln. Wir hatten aber auch schon ein altes Ehepärchen hier, die betrunken gespielt haben. Plötzlich spürte ein Typ an der Bar eine Hand in seiner Jackentasche. Da wollten die richtig frech einfach seinen Geldbeutel klauen. Aber an der Bar bekommt man sowieso so einiges mit. Auch die schlechtesten Anmachsprüche der Welt, wie zum Beispiel: „Hey, bist du alleinerziehende Mutter? Wenn nicht, willst du eine werden?“

Karma

Wir haben zum Glück super coole Stammgäste. Die machen uns dann auch darauf aufmerksam, wenn sich jemand daneben benimmt oder zu viel getrunken hat. Einmal wurde ein Kerl von mir an der Bar abgewiesen, weil er einfach schon zu viel intus hatte. Dann kam ein Mädel zu mir, bestellte zwei Longdrinks und als sie sich umdrehte, sah ich noch aus dem Augenwinkel heraus, wie sie dem gleichen Typen das Glas hinhielt. Tja, dumm nur, dass er es nicht mehr greifen konnte. Der Drink landete auf dem Boden und die sieben Euro waren eben umsonst. Das nennt man dann wohl Karma.

Outfitwechsel vor dem Kap

Unsere Gäste scheinen verdammt gerne im Kap zu sein. Vor kurzem erst mussten wir einen Typ rausschmeißen lassen. Zwei Stunden später stand er mit neuen Klamotten und Cap vor der Tür. Blöd für ihn, dass es uns trotzdem aufgefallen ist. Auch zur Wasenzeit beobachten wir am Kap den ein- oder anderen Outfitwechsel. Vor allem die Ladies sind bestens vorbereitet: Sie wissen, dass sie mit Tracht nicht in den Laden dürfen. Also haben sie eben einen Beutel mit Jeans und Oberteil dabei. Was man nicht alles so macht für seine Lieblingskneipe.

Kameradschaftlichkeit

Worauf ich sehr stolz bin ist, dass wir kaum Fluktuation haben. Unsere Mitarbeiter bleiben teilweise noch nach dem Studium bei uns, weil es zum Leben dazugehört. Das ist super schön und zeigt, wie wichtig Kameradschaftlichkeit ist. Wenn jemand Neues dazukommt, ist es auch nicht so, dass die alten Hasen von oben herabsehen oder keine Fehler gemacht werden dürfen. Ich sag dann immer gerne: „Mach es richtig vor, dann wird es auch nicht falsch nachgemacht.“ Generell lautet unser Credo: Mehr Vorbild sein, als Vorschriften machen.

„Kunst“ an der Wand

Wir hatten schon mehrere Renovierungen im Kap, vor allem im Raucherbereich unten. Unsere Gäste verewigen sich gerne, manchmal auch mit Edding auf der Wand. Vor der letzten Tapezierung habe ich extra Bilder gemacht, als Andenken. Da sind teilweise ziemlich coole Sachen dabei, wie verrückte Totenköpfe oder Schriftzüge im Graffiti-Style. Das gehört einfach zu uns. Wir arbeiten auch immer wieder mit neuen, unbekannteren Künstlern zusammen. Egal ob es jetzt das Schwarzlichtbild im Untergeschoss ist oder die Bilder von Elmar "Eumel" Grühn, einem alten Skater aus Stuttgart, der mittlerweile ausgewandert ist.

Lovestory aus dem Kap

Eine romantische Geschichte habe ich auch noch zu bieten: Meine Frau Janina habe ich im Kap kennengelernt, als Mitarbeiterin. Erst wollte ich sie nicht einstellen, weil sie mir schon damals gut gefiel und ich bin ein Typ, der privates und geschäftliches immer trennt. Wie es das Schicksal aber so wollte, hat sie den Job trotzdem bekommen. Das war ganz verrückt, immer wenn sie Barschicht hatte, blieb ich länger im Kap, um mit ihr Zeit zu verbringen. Jetzt sind wir seit sieben Jahren zusammen, seit einem Jahr verheiratet und haben einen dreijährigen Sohn.

Einsatzkommando der anderen Art

Natürlich hat man es im Nachtleben auch öfters mal mit der Polizei zu tun. Eines Nachts habe ich oben an der Bar gearbeitet und konnte beobachten, wie draußen ein riesiges Einsatzkommando vor der Tür geparkt wurde. Da hatte ich echt ein mulmiges Gefühl und dachte, ich geh mal nachfragen, ob man ihnen weiterhelfen kann. Vor dem Kap stand dann eine Gruppe von Polizisten in voller Montur und meinten zu mir, dass sie hier auf jemanden warten würden. Dann kam die Freundin des einen Polizisten aus dem Kap und gab ihm einen Kuss. Die Jungs hatten also Pause und er wollte seine Freundin kurz sehen. Auch ein sehr schöner Moment.




Unsere Empfehlung für Sie