Noch bis Freitag lesen jeweils drei Freiwillige bei den Gute-Nacht-Geschichten im Leonberger Leonberger Pomeranzengarten aus ihren Lieblingsbüchern.

Wenn man bedenkt, dass es in der Nacht zum Sonntag noch ordentlich geregnet hat, können die Organisatoren der Gute-Nacht-Geschichten im Leonberger Pomeranzengarten mit dem Wetter zum Auftakt der Veranstaltung mehr als zufrieden sein. Es war sonnig, nicht zu warm, ab und zu ging ein Lüftchen. Und so machten es sich zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer in den Liegestühlen vor dem Brunnen, auf Stühlen unter dem Laubengang oder in der Sonne sowie auf mitgebrachten Sitzgelegenheiten bequem und lauschten den unterschiedlichen Vorträgen an diesem Abend.

 

Pünktlich um 19 Uhr ertönte aus den Lautsprechern „Guten Abend, gute Nacht“. „Es ist ein Gemeinschaftsprojekt“, sagte Florian Streib, Leiter beim Amt für Kultur und Sport, über die Gute-Nacht-Geschichten und hob besonders das Engagement der Ehrenamtlichen hervor, die das Event tragen. Die Werbegemeinschaft Faszination Altstadt und die Stadt würden sich mit einbringen. Neben Lore Molly – die ehemalige Inhaberin der Buchhandlung Bücherwurm in Leonberg hatte die Veranstaltung 1998 ins Leben gerufen – dankte er auch dem Toningenieur, den Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Thalia, die mit einem Büchertisch vor Ort waren, und dem Verpflegungsteam, das in diesem Jahr zum ersten Mal vom Gastronomiebetrieb „Zweitwohnung“ in der Altstadt gestellt wurde. Schließlich sagte Florian Streib: „Sind die Gute-Nacht-Geschichten nicht ein wunderbares Beispiel für gelingendes Miteinander?“

Eine erste Begegnung mit dem deutschen Humor

Von der Moderatorin Elke Meller war dann zu erfahren, dass alle Vortragenden an diesem Abend entweder noch Mitglieder der Amateurtheatergruppe Bühne 16 waren oder sind. Den Anfang machte Matthias Ansel, der aus „Wäre ich du, würde ich mich lieben“ von Horst Evers las. Bevor er sich die drei Auszüge vornahm, erklärte er dem Publikum, warum seine Wahl auf dieses Buch fiel. Für seine Frau, die aus der Dominikanischen Republik stamme, seien die kurzen Geschichten eine erste Begegnung mit dem deutschen Humor gewesen. Sie habe das Buch seiner Mutter geschenkt. Das Ergebnis: Das Haus sei in den folgenden Tagen immer wieder von herzlichem Gelächter angefüllt gewesen. Ansel erzählte dem Publikum im Pomeranzengarten auch, dass er überlege, das Buch auf der Toilette zur Unterhaltung der Besucher auszulegen – wie früher Ausgaben des „Spiegels“. „Werde ich dann ein Lachen von dort hören?“, fragte er. Schon mit seiner Vorrede machte Ansel deutlich, dass es bei der Lesung recht vergnüglich zugehen sollte – obwohl oder gerade weil es sich um Geschichten aus dem Leben handelte.

Ein rundes Bild einer tragischen Beziehung

Nach einer kurzen Pause übernahmen Nicole Bender und Eugen Bässle das Mikrofon unter den Sonnenschirmen. Bässle sprang für Peter Höfer ein, dem es derzeit gesundheitlich nicht gut geht. Gemeinsam lasen Bender und Bässle aus dem erst vor kurzem veröffentlichten Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Bevor es losging, betonte Bässle: „Zeit und Ort spielen keine Rolle und werden deshalb nicht genannt.“ Bender und Bässle gelang es, mit den abwechselnd gelesenen Passagen ein rundes Bild der tragischen Beziehung zwischen den beiden Schriftstellern entstehen zu lassen. Noch vor dem Schluss der Lesung war von Eugen Bässle der Satz Frischs zu hören, der dem Buch den Titel gegeben hat: „Wir haben es nicht gut gemacht.“

Eine Gelegenheit, etwas Ungewöhnliches zu lesen

Die Zuhörerinnen und Zuhörer nutzen die Pause im Anschluss für Gespräche, um sich eine Erfrischung zu besorgen oder ein Buch zu erwerben. Einige verließen den Pomeranzengarten, was möglicherweise daran lag, dass die Sonne langsam unterging und es kühler wurde.

Lucie Neumann hatte für ihren Vortrag das Buch „Rauch und Schall“ des Schweizer Autors Charles Lewinsky ausgesucht. Die Gesellschaftswissenschaftlerin beschäftigt sich auch beruflich mit dem Lesen und Schreiben. „Warum dieses Buch?“, fragte Neumann in die Runde und gab sogleich die Antwort: „Wir sitzen im Pomeranzengarten und lauschen den Worten von Schriftstellern. Ist es nicht die Gelegenheit, mal etwas Ungewöhnliches zu lesen?“ Das zeigte sich dann schon beim ersten Satz des Romans: „Goethe hat Hämorrhoiden“. „Darüber werde ich aber nichts erzählen,“ sagte Neumann. „Aber er hat auch eine Schreibblockade.“ Und darüber erfuhren die Zuhörer im Pomeranzengarten einiges.

Noch bis Freitag, 2. August, können Interessierte den Gute-Nacht-Geschichten im Pomeranzengarten lauschen. Der Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Bei schlechtem Wetter finden sie in der Stadtkirche statt. Das Programm findet sich unter www.leonberg.de/Gute-Nacht-Geschichte