Wenn der Wein leer getrunken ist, schließt Thomas Röck seinen Besenkeller im Stuttgarter Stadtteil Möhringen. Bei ihm gibt es noch Maultaschen für acht Euro und Gsälzbrot.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Dass Thomas Röck Winzer und Besenwirt wurde, nennt er selbst „eine Schnapsidee“. Schließlich war er Kaufmann von Beruf, seine Eltern betrieben einen Lebensmittelladen im Stuttgarter Stadtteil Möhringen. Aber das Geschäft lohnte sich in den 1990er Jahren nicht mehr – und er suchte nach einem neuen Beruf. „Ich hatte weder von Weinbau noch von Gastronomie eine Ahnung“, sagt er und lacht. Ein Viertel Jahrhundert ist seither vergangen und für Thomas Röck die Zeit gekommen, seinen Besenkeller zu schließen – und es werden noch einige folgen, ist sich der 65-Jährige sicher. „Die guten alten Zeiten waren immer die besten“, findet er. Zwar geht es bei ihm schlichtweg aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Doch der Klimawandel machte ihm gleichermaßen im Weinberg zu schaffen sowie immer vernünftiger werdende Gäste.

 

Wöchentliche Konzerte im Besenkeller

„Die ersten Jahre wurden wir regelrecht überrannt“, erzählt Thomas Röck, „damals ist keiner unter fünf Viertele nach Hause gegangen.“ Ein befreundeter Winzer führte ihn in seinen neuen Job ein, in Degerloch und Feuerbach pachtete er sich Weinberge, erst sechs Ar, später war es sogar ein Hektar. Im elterlichen Haus, Baujahr 1926, richtete er mit viel Aufwand den Keller für seinen neuen Betrieb her. Bis zur Corona-Pandemie spielten jede Woche internationale Musiker in dem Besen in Möhringen auf. An Gregory L. May, der „only you“ von den Platters sang, und die Band „Steffi unter Strom“ denkt Bettina Röck gerne zurück. „Es ist schade, aber es lohnt sich nicht mehr“, sagt auch die 59-Jährige.

Tatsächlich im Keller: der Besen von Thomas Röck Foto: Kathrin Haasis

Mit Schweinshaxe, Schweinebraten und Ochsenbrust mit Meerrettich begeistern Thomas und Bettina Röck ihre Gäste und mit Preisen von höchstens 13 Euro pro Portion. Maultaschen (8 Euro), Schlachtplatte (12 Euro) und Salzfleisch mit Kraut (9 Euro) stehen noch auf der Speisekarte. Leber- und Griebenwurst oder das Schmalzbrot werden zu seinem Bedauern immer weniger bestellt. „Die jungen Leute mögen es nicht“, sagt er. Gut besucht ist sein Lokal nach wie vor, nur die neuen Gewohnheiten machen ihm zu schaffen: „An den Getränken ist das Geld verdient“, erklärt Thomas Röck – mit mittlerweile nur einem oder höchstens zwei Viertele pro Person also viel weniger.

Den Weinbau hat Thomas Röck bereits vor drei Jahren aufgegeben. Mit dem Klimawandel, der Kirschessigfliege, Frost und Hagel wurde die Arbeit zunehmend mühsamer. Lemberger, Trollinger, Dornfelder und Riesling sowie die pilzresistente Sorte Monarch hatte er im Programm, „weitgehend traditionell“ baute er seine Weine aus. Eine ordentlich gemachte Cuvée schenkt er momentan noch im Besenkeller aus, ein klassischer Schwabe: fruchtig, nicht zu schwer, süffig, etwas säuerlich und mit leichten Tanninen. Der passt gut zum Essen und zum Ambiente!

Der Besenkeller bleibt offen, bis die Fässer leer sind

Sollten die Fässer bis 1. März nicht geleert sein, hängt der Besenwirt noch eine zweite Öffnung im Herbst an. Besenwirtschaften sind für ihn eine aussterbende Gattung. Solche kleinen Familienbetriebe würden die folgenden Generationen nicht übernehmen. Auch seine Tochter würde „sich hüten“, sie ist stattdessen Lehrerin geworden. „Ich werde meine Gäste vermissen“, weiß Thomas Röck schon jetzt.