Die Vintage Winery ist Geschichte! Sebastian Schiller hat seinem Betrieb in Stuttgart-Rohracker einen neuen Namen gegeben, um seine Weiterentwicklung widerzuspiegeln.
Stuttgart Zwei Hauen über Kreuz, ein englischer Name: Was Sebastian Schiller vor mehr als zehn Jahren ziemlich cool fand, hat er mittlerweile hinter sich gelassen: Die Vintage Winery, die er 2013 mittels Crowd Funding in dem Jahr gründete, als er auch zum Jungwinzer des Jahres gekürt wurde, gibt es in dieser Form nicht mehr. „Ich habe mich weiterentwickelt“, lautet seine Erklärung. Am englischen Namen stieß er sich, an den martialischen Symbolen außerdem. Statt modern oder trendig soll sein Betrieb vielmehr nach Tradition klingen. Stuttgart
Sebastian Schiller ist in die Vergangenheit abgetaucht – und unter anderem bei der Burg Rohreck gelandet, die die Herren von Neuhausen im 13. Jahrhundert beim Stuttgarter Stadtteil Rohracker erbaut haben. Sie ist zwar längst verfallen, aber Steine von ihr sollen noch in den alten Weinbergsmauern stecken. Außerdem betreibt er „Weinbau wie vor 100 Jahren“, da mit Maschinen in den Mauerterrasse wenig anzufangen ist und auf chemische Mittel verzichtet wird. Seine drei Hektar beweidet er mit einer Schafherde. Entdeckt hat er außerdem die Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommende Elektrokultur in der Landwirtschaft, die allein mit Hilfe von Physik die erdmagnetischen Felder um die Wurzeln der Pflanze optimiert und dadurch ihr Wachstum verbessert. Und als Finanzierungsmodell setzt Sebastian Schiller seit einem Jahr auf eine Form der solidarischen Landwirtschaft, „um aus dem Hamsterrad herauszukommen“ – mittels Schafpatenschaften oder einer Art Abonnement für seinen Wein.
Mit dem Konzept Vincent Klink überzeugt
Eine Flasche seiner neuen Weißweincuvée schickte er an Vincent Klink, woraus sich eine weitreichende Kooperation entwickelt hat. Im Garten der Wielandshöhe grasen nun auch die kleinen Quessantschafe, fürs Etikett zeichnete der Sternekoch eines. Drin steckt eine Mischung, „die so bunt ist wie die Herde“: aus sechs Sorten, darunter Trollinger, Riesling und Sauvignac. Das Ergebnis ist ein facettenreicher Wein mit schönem Duft, Schmelz und lebendiger Säure, mit dem sich gut auf den neuen Namen anstoßen lässt.
Das Urteil der Weinrunde:
Holger Gayer Offen gestanden hätte ich ein bisschen mehr erwartet von dieser Cuvée: Sie hat zwar schöne Noten von gelben Früchten und bleibt lange im Nachhall, allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Frische und Leben gewünscht.
Michael Weier Für so einen Tropfen hat man das Wort Abgang erfunden: Wenn man von dem Wein einen Schluck trinkt, füllen die Aromen den ganzen Mundraum, bleiben dort sehr lang und hinterlassen ein schön wohliges Gefühl.
Edition Vincent Klink Weißweincuvée 2023, 15 Euro, Gut Rohreck, Tiefenbachstraße 7, Stuttgart. www.vintage-winery-stuttgart.de