Der Betrieb hat unter Experten Kultstatus: Jetzt übernimmt ein Schwabe! Jochen Heigoldt, Weinhändler aus Backnang, steigt an der Mosel ein. Weil er sich in das Weingut verliebt hat.

Die Weinwelt war für mich immer eine echte Bastion der Beständigkeit. Nicht selten werben die Weinbaubetriebe mit dem Hinweis, dass in der Familie nun schon in der vierzehnten Generation die Rebstöcke gepflegt werden. Tradition als Qualitätsmerkmal. Was natürlich kompletter Unsinn ist, letztlich lebt auch der Wein vom steten Wandel. Die Sorten ändern sich, die Betriebe ändern sich, die Bearbeitungsmethoden ändern sich, das Rad dreht sich. Dennoch gibt es die Momente, an denen der Weinliebhaber erst einmal tief Luft holen muss. Mir zumindest ist es jüngst so gegangen bei der Lektüre in einer Fachzeitschrift. Da stand: Das Weingut Heymann-Löwenstein ist verkauft, der Chef, Reinhard Löwenstein, geht in Rente. einen Nachfolger gibt’s nicht.

 

Für mich eine echt traurige Geschichte, ich liebe die Rieslinge von diesem Weingut. Schon lange. Reinhard Löwenstein ist ein Pionier, mit seinen trockenen Weinen von der Mosel hat er Geschichte geschrieben, mit seiner Konsequenz im Stil, im ökologischen Anbau, mit seiner Haltung. Für mich war das immer ein besonderes Vergnügen, dessen Rieslinge zu trinken.

Ein Schwabe übernimmt das Weingut

Doch genug gejammert, nun die positive Seite der Geschichte: Es geht weiter an der Mosel, Jochen Heigoldt, Weinhändler aus Backnang, steigt bei dem VdP-Betrieb ein, zwei stille Teilhaber ebenfalls. Der 48-Jährige war viele Jahre für Lidl unterwegs, unter anderem sieben Jahre in Irland. Mit guten Know how zum Handel an sich gründete er die Weinhandlung Vioneers in Backnang. Jochen Heigoldt ist ein Schwabe, der auf der einen Seite die nötigen Verbindungen hat und sich auf der anderen Seite wie ich einfach in die Rieslinge von Heymann-Löwenstein verliebt hat – und in das Boutique-Weingut. „Ich war von Anfang an begeistert“, sagt er. So ein Betrieb sei extrem erhaltenswert.

Das unterschreibe ich. Als wir am Telefon über den Riesling Röttgen GG geredet haben, kam nämlich der Geschmack dieses genialen Rieslings wieder direkt in meinen Kopf, als hätte ich gerade einen Schluck getrunken. Der geschmackliche Wahnsinn im Glas war das. Subtil. Extrem vielschichtig. Zum Verlieben. Ein Monument der Beständigkeit.

Das Urteil der Weinrunde  

Holger Gayer Dieser Wein ist ein Fest für alle wahren Riesling-Fans. Ein in Würde gereiftes Großes Gewächs ist das, das mit einer ungeheuren Vielschichtigkeit und tollen Balance überzeugt. Und dann der Abgang! Bleibt und bleibt und bleibt . . .

Kathrin Haasis Was ist ein Wein wert? Dieser hier jeden Cent! Weil er so opulent ist, nach Pfirsich, Aprikose und Kräuter duftet, typisch Mosel einfach und gleichzeitig besticht er mit Mineralität sowie trotz des Alters einer frische Säure.

Der Wein

Riesling Röttgen GG 2015, 49 Euro, Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen an der Mosel, erhältlich bei www.vioneers.com