Gymnasien in Baden-Württemberg Eisenmann bekennt sich zu G8

Von  

Der Streit um die Dauer der gymnasialen Schulzeit hält an. Etliche Bundesländer kehren zu G9 zurück oder bieten zumindest Wahlfreiheit. Doch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann hält nichts davon, dass allgemein bildende Gymnasien beide Varianten anbieten.

Wenn sie die Wahl haben, stimmen Eltern und Schüler mit den Füßen ab, und bevorzugen G9. Foto: dpa
Wenn sie die Wahl haben, stimmen Eltern und Schüler mit den Füßen ab, und bevorzugen G9. Foto: dpa

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hält nichts davon, dass allgemein bildende Gymnasien in Baden-Württemberg sowohl acht- als auch neunjährige Züge zum Abitur anbieten. „Die Parallelität der Angebote ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll“, sagt Eisenmann im Interview mit dieser Zeitung. Damit steht sie im scharfen Gegensatz zum Philologenverband (PhV). Die Gymnasiallehrer wollen die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 und fordern „eine bedarfsgerechte flächendeckende Parallelität der Angebote“. Der PhV-Landesvorsitzende Bernd Saur erinnert daran, dass der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf vor der Landtagswahl „mit unserer Position Wahlkampf betrieben“ habe.

Eisenmann schließt Erweiterung aus

Gegenwärtig gibt es neunjährige Züge an 44 Gymnasien in Baden-Württemberg. Eisenmann hat diesen Schulversuch um fünf Jahre verlängert. Damit können die neunjährigen Gymnasien bis 2023 beziehungsweise 2024 neue Fünftklässler aufnehmen. Das gebe den Schulen Bestandsschutz. Dem Philologenverband ist das nicht genug. Doch Eisenmann schließt eine Erweiterung in dieser Legislaturperiode aus: „Dafür gibt es momentan überhaupt keine Tendenzen“. Angesichts der Pläne in einigen Bundesländern, zumindest mehr Parallelangebote zu machen, bekennt sich Eisenmann zu G8 als Regelangebot: „Im internationalen Vergleich ist G8 Standard.“ Als Stuttgarter Schulbürgermeisterin hatte sie mehr G9-Schulen verlangt.

Mannheim steigt aus

Wo Eltern wählen könnten, entschieden sich 92 Prozent für die neunjährigen Züge, sagt der PhV. Allerdings will das humanistische Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim den Versuch nicht verlängern. Das empört die Eltern und den Gemeinderat. Der Schulleiter Alexander Sauter sagt auf Anfrage, aus räumlichen Gründen habe sich das Gymnasium entscheiden müssen, ob es eine reine G-9- oder eine reine G-8- Schule werden wolle: „Dem Schulprofil entspricht eher eine reine G-8-Schule“.

Philologenverband hält Streit am Köcheln

Die Debatte um G8 oder G9 findet kein Ende. Eltern klagen über Stress der Kinder, Vereine darüber, dass die Schüler keine Zeit für Sport oder Musik hätten. Arbeitgeber und Hochschulen finden Abiturienten zu schlecht vorbereitet auf Ausbildung und Studium. Der Philologenverband hält den Streit am Köcheln. „Wir schließen nicht aus, dass wir neuerliche Aktionen unternehmen“, sagt Bernd Saur. Pädagogische Gründe sieht Saur für G8 nicht. Eher finanzielle und politische. Er wirft den Grünen vor, sie wollten neben den beruflichen Gymnasien die Gemeinschaftsschulen als neunjährige Alternativen zum allgemeinen Gymnasium aufbauen. Dass es dort vor allem achtjährige Züge geben soll, sei nicht gerecht: „G8 benachteiligt Jungs.“

„Dumme Frage“

„Die Frage G8 oder G9 ist eine dumme Frage“, sagt Carsten Rees, der Chef des Landeselternbeirats (LEB). Dem Gremium geht es vorwiegend darum, das Gymnasium pädagogisch weiter zu entwickeln. Eine einfache Rückkehr zu G9 könne nur im Chaos enden, meint Rees . „Reine G8-Modelle greifen auch zu kurz“. Der LEB tritt für das „Abitur im eigenen Takt“ ein und will „die Option einer zeitlichen Entzerrung anbieten“. Die Kursstufe könnte dann zwei, zweieinhalb oder drei Jahre dauern.

Lesermeinung gefragt

Das Thema in seinen vielfältigen Facetten wird die Stuttgarter Zeitung in den nächsten zwei Wochen in einer Serie mit dem Titel „Generation Turbo“ beleuchten. Zu Wort kommen Eltern, Arbeitgeber, Lehrer, Vereinsvertreter und natürlich die Schüler. Wir wollen auch wissen, welche Erfahrungen unsere Leser mit dem Turbogymnasium gemacht haben. Schreiben Sie uns, machen Sie Vorschläge, was anders werden muss und lassen Sie uns auch wissen, wenn alles bleiben kann, wie es ist.