Gymnasien in Stuttgart Gut in Logik, schlecht in Deutsch – so lief der Potenzialtest für Viertklässler

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Viertklässler, die keine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen hatten, konnten am Dienstag den Potenzialtest schreiben. Drei Rektoren erzählen, wie dieser an ihrer Schule gelaufen ist.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Für Viertklässler ist es die letzte Chance, um den Sprung aufs Gymnasium doch noch zu schaffen. Wer im Halbjahreszeugnis keine ausreichend guten Noten hatte und auch im Kompass-4-Test nicht auf das erweiterte Niveau gekommen ist, konnte am Dienstag dieser Woche am Potenzialtest teilnehmen.

 

Am Dillmann-Gymnasium in Stuttgart-West waren dafür fünf Mädchen und Jungen angemeldet, vier sind erschienen. „Die Kinder waren etwas angespannt, aber nicht übermäßig. Bei den Eltern war die Nervosität größer“, sagt Manfred Birk, der Rektor des Dillmann-Gymnasiums. So habe es ihm sein Kollegium berichtet. Am Dillmann-Gymnasium sind die Tests bereits ausgewertet. Ein Kind hat darüber den Sprung aufs Gymnasium doch noch geschafft.

Als geschäftsführender Rektor der Stuttgarter Gymnasien hat Manfred Birk auch an anderen Schulen nachgefragt, wie die Tests bei ihnen verlaufen sind. Einige Rückmeldungen hat er schon bekommen. Bei diesen zeige sich der Trend, dass es in diesem Jahr wohl weniger Anmeldungen gegeben habe als 2025, und dass die Quote derjenigen, die den Potenzialtest bestanden haben, etwas geringer gewesen sei.

Dies könne als Beleg dafür gewertet werden, dass die Kompass-4-Tests, die im November nahezu alle Viertklässler im Land absolviert haben, passgenauer waren als 2025. Also dass man an den Ergebnissen der beiden Kompetenzmessungen in Mathe und Deutsch gut ablesen konnte, welches Kind wohl fürs Gymnasium geeignet ist. Landesweit haben in diesem Jahr deutlich mehr Kinder in den Kompass-4-Tests das gymnasiale Niveau erreicht als 2025, sodass der Bedarf am Potenzialtest teilzunehmen, geringer gewesen sein dürfte.

Grundschulempfehlung bleibt wichtiger Indikator

Auch Peter Hoffman betont die Wichtigkeit der Grundschulempfehlung, in die sowohl der Kompass-4-Test als auch die pädagogische Gesamtwürdigung der Lehrkräfte in Form der Halbjahresnoten eingeht. Für den Rektor des Wilhelms-Gymnasiums in Degerloch ist diese „ein wichtiger Indikator“, auf welche Schulart ein Kind nach der vierten Klasse gehen sollte. Der Potenzialtest sei eine zusätzliche Chance. Aber wenn den jetzt jeder bestehen würde, „würde das die Grundschulempfehlung konterkarieren“. Das sei nicht der Sinn des Tests – „so bitter das auch ist, für jeden, der sich Hoffnung gemacht hat“, sagt Peter Hoffmann.

Am Wilhelms-Gymnasium haben 16 Kinder den Potenzialtest geschrieben, darunter waren aber auch diejenigen, die dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch zugeordnet waren. Die Ergebnisse seien gemischt, etwa ein Viertel habe den Test bestanden, sagt Peter Hoffmann.

Bei einigen Kindern habe es „gewaltige Unterschiede“ zwischen den einzelnen Bereichen gegeben. Der Test setzt sich zusammen aus einem Mathematik-, einem Deutsch- und einem Logikteil. In allen drei Bereichen müssen die Kinder eine bestimmte Punktzahl erzielen. Manche Kinder hätten nur bei einem Teil schlecht abgeschnitten, den Test damit insgesamt aber nicht bestanden. Auffällig sei auch gewesen, dass der Mathematikteil eine gewisse Textlastigkeit gehabt habe. „Das finde ich aber in Ordnung. Am Gymnasium muss man in allen Fächern mit Text umgehen können“, sagt Peter Hoffmann.

Manche Kinder haben in den Ferien für den Potenzialtest geübt. Foto: imago/Jochen Tack

Am Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Zuffenhausen waren neun Kinder zum Potenzialtest angemeldet, sieben haben ihn geschrieben. Der Rektor Ulrich Göser hat sie selbst begrüßt und am Anfang ein bisschen mit ihnen geredet, um sie zu beruhigen. Dabei habe er auch erfahren, dass manche von ihnen in den Ferien viel für den Potenzialtest geübt hatten. Viel aufgeregter als die Kinder seien aber ohnehin die Eltern gewesen.

Auch am Ferdinand-Porsche-Gymnasium sind die Tests gemischt ausgefallen. „Im Logikteil waren die Kinder richtig gut, den habe alle bestanden, obwohl der gar nicht so einfach war“ sagt Ulrich Göser. In Mathe seien die Ergebnisse unterschiedlich gewesen. Die meisten Probleme hätten die Kinder in Deutsch gehabt. Das aber auch, weil es im Einzugsgebiet des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums viele Kinder gebe, deren Muttersprache nicht Deutsch sei.

Sprung aufs Gymnasium

Grundschulempfehlung
Seit dem vergangenen Schuljahr ist die Grundschulempfehlung fürs Gymnasium wieder verbindlich. Sie besteht aus der pädagogischen Gesamtwürdigung der Lehrkräfte in Form der Halbjahresnoten und den Ergebnissen der Kompass-4-Tests. Nur wenn mindestens eine Komponente für den direkten Weg zum Abitur spricht, bekommt das Kind eine entsprechende Empfehlung.

Nachschreibetermin
Wer für den Potenzialtest angemeldet war, ihn aber beispielsweise wegen Krankheit nicht absolvieren konnte, darf am Dienstag, 3. März, nachschreiben.

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