Gewöhnlicher Schualltag sieht anders aus. Doch in der Corona-Krise ist auch in der Glemsaue wieder ein Anfang gemacht: Die Kursstufenschüler des Gymnasiums sind seit Montag wieder in der Schule. Die Digitalisierung ist eine Hilfe, ein Lehrerersatz ist sie nicht.

Ditzingen - Es sei eher verhalten still gewesen am Morgen, die Stimmung gedrückt, die Vorsicht groß, berichtet der Schulleiter Felix Stadtfeld. Die ersten Schüler sind am Montag nach Wochen wieder ins Gymnasium in der Glemsaue zurückgekehrt – so wie viele andere Schüler im Land auch. Wenigstens für die Ältesten, die 120 Schüler der Abschlussklassen, ist trotz der Coronakrise ein Stück Normalität eingekehrt. Jene, die dieses und nächstes Jahr ihr Abitur machen, haben in den für sie wesentlichen Fächern wieder Präsenzunterricht. Auf dem Stundenplan stehen die Prüfungsfächer beziehungsweise die Leistungskurse nebst den Fächern Deutsch und Mathe – alles andere folgt nach den Pfingstferien.

 

Blick in die Familien

„Äußerlich ist es ruhig“, beobachtet Stadtfeld. „In den Familien wird viel aufgefangen.“ Seine Lehrerkollegen haben Kontakte in die Familien, bekommen mit, wenn Vater oder Mutter als Lernbegleiter überfordert sind. „Videokonferenzen sind gut“, betont Stadtfeld die Bedeutung der technischen Hilfsmittel, „aber Lernen ist personenbezogen“. Das Engagement seines Kollegiums sei „super“ – auch die über 60-Jährigen seien alle dabei.

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Was zudem Jan Köster leiste sei „phänomenal“. Der Lehrer für Chemie, Mathe und NwT ist zugleich der IT-Beauftragte der Schule. Er schuf die Basis für einen digitalen Austausch der Schulgemeinschaft. Das allein reiche nicht aus, vor allem nicht bei den Jüngeren. „Bei ihnen sind die Klassenlehrer ganz stark eingebunden.“ Etwa dann, wenn der Pädagoge zum Seelsorger werde. Aber auch der Präsenzunterricht für die kleine Gruppe der Abschlussjahrgänge – 120 von 670 Schülern – zwingt zu Kompromissen. Die Abstandsregelung erlaubt nur etwa halb so große Klassen. Weil ein Teil der Lehrerkollegen durch die Abivorbereitung besonders gefordert ist, lässt Stadtfeld die kleinen Gruppen nur parallel, nicht zeitlich nacheinander unterrichten. 12 bis maximal 15 Schüler sitzen in einem Klassenzimmer. „Die Lehrkraft bekommt zwei nebeneinanderliegende Räume“, erklärt Stadtfeld. So kann der Kurs über 90 Minuten weitgehend parallel unterrichtet werden.

Kompromisse prägen den Tag

Der Lehrer muss nicht zweimal hintereinander unterrichten, was ja auch den übrigen Stundenplan obsolet machen würde. „120 Schüler bekommen wir gut unter“ – unklar ist, was wird, wenn nach Pfingsten die anderen Klassen dazukommen. Drei Schüler sind zudem vom Präsenzunterricht abgemeldet. Sie müssen sich selbst kümmern. „Chancengleichheit ist derzeit nicht gegeben“, konstatiert der Schulleiter. Er kann im Moment keine andere Lösung anbieten.

„Lehrer, Schüler, Eltern schließen derzeit ganz viele Kompromisse.“ Sie haben zu entscheiden, was die Behörden bisher nicht geregelt haben – zumal sich die Bildungseinrichtungen am Ende der Informationskette befänden, wie Stadtfeld beobachtet. Er informiert sich auf dem Facebookaccount des Kultusministeriums. „Regierungspräsidium und Schulen hecheln etwas hinterher.“ Die Schulgemeinschaft muss deshalb bisweilen selbst über den für sie besten Weg befinden. „Die Krise ist auch eine Chance“, meint Stadtfeld. „eine Chance für Eigenverantwortung und Kreativität.“