Gymnasium in Filderstadt Eine Schule will anders heißen

Der erste Artikel der Menschenrechte steht am ESG im Fokus – passend zur vielleicht zukünftigen Namensgeberin. Foto: Eglof
Der erste Artikel der Menschenrechte steht am ESG im Fokus – passend zur vielleicht zukünftigen Namensgeberin. Foto: Eglof

Seit dem Jahr 1973 heißt ein Gymnasium in Filderstadt nach Eduard Spranger. Das soll sich nun ändern. Doch wie tauft man eine Schule um?

Filderstadt - Wenn eine Privatperson ihren Nachnamen ändern will, kann das bis zu 1022 Euro kosten. Für den Vornamen ist man bis zu 255 Euro los. Jedoch muss es für die Namensänderung einen wichtigen Grund geben. Bei einer Schule ist das weniger kompliziert und auch etwas günstiger. Doch schnell vollzogen ist das bei Schulen trotzdem nicht.

Das weiß Ursula Bauer, die Leiterin des Eduard-Spranger-Gymnasiums. „Im Frühling vergangenen Jahres kam die Idee auf, dass unsere Schule umbenannt werden soll.“ Dieser Vorschlag wurde zuerst in der Gesamtlehrerkonferenz diskutiert, dann wurde eine Namensgebungskommission gebildet. „Eduard Spranger wurde nie wirklich an der Schule thematisiert“, erklärt die Schulleiterin. „Er ist keine Person, die viele Menschen kennen. Das sind Gründe, wieso wir einen neuen Namen suchen.“

Eduard Spranger wurde 1882 geboren und trug dazu bei, dass sich die Pädagogik als selbstständige Wissenschaft etablierte. Er beeinflusste darüber hinaus die Lehrerausbildung in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurde Spranger kritisiert. „Er war demokratiefeindlich und elitär eingestellt. Das wurde durch jüngere Forschungen wissenschaftlich belegt. Für unsere Schüler ist das keine Identifikationsfigur“, sagt Bauer. Vor allem sei die Schule seit einigen Jahren in Projekten gegen Rassismus aktiv. „Themen wie Gleichberechtigung, Hausaufgabenbetreuung mit Flüchtlingen und Menschenrechte sind uns an der Schule sehr wichtig. Ein weiterer Grund, wieso Spranger als Namensgeber gar nicht mehr passt.“

Wie soll das Gymnasium bald heißen?

Eine Kommission aus Schülern, Lehrern und Eltern hat sich frühzeitig dafür entschieden, die Abkürzung ESG beizubehalten. „Ich finde, das ESG ist eine Marke, die man nicht ändern sollte. Jeder kennt uns mit diesem Namen und deswegen haben wir versucht, einen Namensgeber zu finden, der die gleichen Initialen wie Spranger hat“, erklärt Bauer. Schnell wurde klar, es soll eine Namensgeberin werden. „Wir haben festgestellt, dass es wenige Schulen im Raum Stuttgart gibt, die nach Frauen benannt sind. Da wir Werte wie Gleichberechtigung vertreten, hat uns die Idee gefallen, einen Frauennamen zu wählen.“ Deswegen kam laut Bauer sehr rasch Elisabeth Selbert ins Spiel. Selbert wurde 1896 geboren und war eine der vier Mütter des Grundgesetzes. Sie kämpfte dafür, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz verankert wurde. „Diese Frau steht für uns für Demokratie, Rechtsstaat und Zivilcourage. Sie hat Qualitäten, die ich jedem Schüler an meiner Schule wünsche“, sagt Ursula Bauer.

Wie läuft eine Namensänderung ab?

Nach Artikel 24 des Schulgesetzes tauft der Schulträger eine Schule. Das gilt für öffentliche Schulen, also jene, die von einer Gemeinde oder einem Landkreis getragen werden. Dieser Name kann die Schulart und den Schulort benennen, und sollte sich von anderen Schulen im Umfeld unterscheiden. Wenn der Namen für eine Schule geändert werden soll, müssen sich das Regierungspräsidium und das Schulverwaltungsamt abstimmen und schließlich ihr Okay geben. Falls nichts gegen den vorgeschlagenen Namen spricht, wird er an den zuständigen Gemeinderat übermittelt.

In Filderstadt wird über die Namensänderung des ESG am 8. April im Gemeinderat abgestimmt. Kosten einer Namensänderung entstehen grundsätzlich nur für den Austausch von Flyern und Schildern.

Wieso kommt die Änderung jetzt?

Die Schule hat seit 1973 ihren Namen. Bauer ist bereits seit 2000 Schulleiterin am ESG. „Eine Namensänderung ist nicht das Erste, was man als neue Rektorin anpackt. Viele halten auch an einem Namen fest, da wollte ich nicht gleich anecken und alles neu machen. Über die Jahre ist das dann in Vergessenheit geraten“, sagt Ursula Bauer. „Der letzte Anstoß waren dann die politischen Veränderungen. Antidemokratische Stimmen werden lauter, und das sahen wir als Anlass.“

Wenn der Gemeinderat Anfang April grünes Licht für die Umtaufe gibt, soll Elisabeth Selbert an der Schule zum großen Thema werden. „Wir möchten den Schülern natürlich zeigen wofür diese Frau steht, und sie sollen selber erarbeiten, was sie von ihr übernehmen können und welche Werte unsere Schule vertritt, die auch ihr wichtig waren“, sagt Bauer.




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