Eine Girlande aus Papierherzchen ist quer durch den Raum gespannt. Sie ist ein Geschenk, das Nicole Reed zum Einstand erhalten hat. Eine achte Klasse hat sie gebastelt, jedes Kind hat auf einem Herz handschriftlich einen kleinen Gruß hinterlassen. „Tatsächlich fühle ich mich hier sehr willkommen“, sagt sie. Nicole Reed ist die neue Schulleiterin des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) in Sielmingen. Am 23. Februar hatte sie ihren ersten Arbeitstag, und die Woche ging direkt turbulent los: Elterninformationstag, Tag der offenen Tür, Podiumsdiskussion zur Landtagswahl. Viel Action für die Neue, „aber im Nachhinein hat sich das als großartig herausgestellt, weil ich so gleich die ganze Schulgemeinschaft kennen gelernt habe“.
Nicole Reed ist 56, verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Esslingen. Den englischen Nachnamen hat sie ihrem Schwiegervater, einem US-Amerikaner, zu verdanken. „Mit Nicole Reed erhält das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Filderstadt eine langjährig und vielfältig im Bildungswesen erfahrene Schulleiterin“, teilt das Regierungspräsidium mit. Und in der Tat, die Vita ist lang. Sie war Lehrerin an der Kaufmännischen Schule in Göppingen und am Königin-Katharina-Stift in Stuttgart, zudem war sie am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Esslingen tätig, zuletzt als Bereichsleiterin.
Das Gymnasium in Sielmingen ist der Neuen gut bekannt
Bis zum jüngsten Jobwechsel war Nicole Reed auch Dozentin für Sprach- und Literaturdidaktik an der Uni Stuttgart, zudem engagierte sie sich im Bereich des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung für die Weiterentwicklung des Fachs Deutsch. „Durch diese Tätigkeit lernt man wahnsinnig viele Schulen kennen“, sagt sie. Auch das DBG sei ihr gut bekannt gewesen – ebenso ihr Vorgänger Peter Bizer. „Mit dem habe ich auch viel geprüft.“
Nun ist sie in seine großen Fußstapfen getreten. Peter Bizer hatte die Schule seit ihrer Gründung 2003 als Rektor geprägt und stets im Sinne ihres prominenten Namensgebers geführt, bevor er sich im Sommer 2025 in den Ruhestand verabschiedete. Nicole Reed will seinen Stil beibehalten. Vertrauen, Verantwortung und Kultur der Wertschätzung sind Stichwörter, die sie spontan nennt. „Was ich auf jeden Fall beibehalten will, ist die Open-Door-Policy“, sagt sie. Eine offene Bürotür sei ihr wichtig, sowohl fürs Kollegium als auch für die Schülerschaft. Und überhaupt, die Jugendlichen wolle sie auch künftig möglichst viel einbeziehen, „damit sie eine Selbstwirksamkeit spüren“. Eigene Duftmarken wolle sie freilich auch setzen. Durch die Umstellung auf G9 stehen viele Veränderungen an, und auch die Themen KI und Digitalisierung hat Nicole Reed als Schwerpunkte der kommenden Jahre ausgemacht. „Ich bin gern daran beteiligt“, sagt sie.
Nicole Reed sagt, dass sie schon lang Schulleiterin werden wollte. Es mache ihr Freude, Verantwortung zu übernehmen und eine Umgebung zu schaffen, in der andere sich entfalten könnten. Wie zum Beweis hängt in ihrem Büro ein Plakat des Stummfilms „The Kid“ von 1921. Charlie Chaplin spielt darin einen armen Vagabunden, der sich ohne zu Zögern eines verwaisten Kindes annimmt. „Das hat mich wirklich berührt und an Bonhoeffer erinnert“, sagt sie. In diesem Pflichtbewusstsein wolle sie auch ihren Job angehen. Bevor es richtig losgeht, hat sie aber noch viele Hände zu schütteln. Termine bei anderen Schulleitungen stehen an, auch bei der Stadt. Dann will sie möglichst bald ins Unterrichten – Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Ethik – einsteigen. Viel zu tun, doch sie sagt: „Dieser Anfangszauber setzt sehr viel Energie frei.“