Gymnastin aus Leonberg Wie Varfolomeev: Viktoria Steinfeld will zu Olympia

Viktoria Steinfeld zeigt eine Choreographie mit dem Band. Foto: IMAGO/Eibner

Die 17-Jährige aus Leonberg trainiert am Olympiastützpunkt rhythmische Sportgymnastik und verfolgt ein hohes Ziel, welches ihre Vereinskameradin bereits erreicht hat.

Leonberg: Flemming Nave (nave)

Ein besonderes Erlebnis für die Grundschüler der Ferdinand-Porsche-Schule in Weissach. Weil die Zweit- und Drittklässler einen von Jugend trainiert für Olympia ausgeschriebenen Wettbewerb gewannen, erhielten sie eine Fragerunde mit einer professionellen Athletin. Zu Gast war die 17 Jahre alte Rhythmische Sportgymnastin Viktoria Steinfeld, die beim Olympiastützpunkt in Fellbach-Schmiden aktiv ist.

 

Vor etwa 100 Kindern stellte sich Steinfeld in der Heckengäusporthalle mit einer Kür am Band vor – dann löcherten die Schüler sie mit neugierigen Fragen. Aus welchem Verein sie komme, wie oft sie trainiere und ob sie denn vor Wettkämpfen aufgeregt sei.

Die Kinder stehen Schlange, Viktoria Steinfeld nimmt sich Zeit. Foto: Flemming Nave

Geduldig antwortete die junge Sportlerin, stets mit einem breiten Lächeln. Damit nicht genug: Bei einer anschließenden Sportstunde mit mehreren Stationen betreute Steinfeld die Jungen und Mädchen und führte sie in den Umgang mit Ball, Band und Reifen ein. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, zum Abschluss musste Viktoria Steinfeld etliche Schüler umarmen.

Vor acht Jahren begonnen, vor fünf Jahren entdeckt

Sie selbst war im Alter von neun Jahren zur Rhythmischen Sportgymnastik gekommen, eine damalige Mitschülerin begeisterte sie von der kunstvollen Disziplin und lud sie in ein Probetraining ein. „Die Kombination aus Ballett und Akrobatik in Verbindung mit Musik hat mir sehr viel Spaß gemacht“, erzählt Steinfeld, die dem Sport treu blieb. Bei den Gaumeisterschaften in Tübingen 2020 wurde die gebürtige Leonbergerin von Trainerin Natalya Raskina entdeckt, die sie zum Probetraining beim Bundesstützpunkt einlud. Nach einem halben Jahr wurde sie im September beim TSV Schmiden angenommen, der Ritterschlag in dieser Sportart. Steinfeld wechselte den Verein und bezog das Sportinternat am Olympiastützpunkt.

Auch mit den Keulen weiß Steinfeld zu glänzen. Foto: IMAGO/Beautiful Sports/IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/U. Fassbender

Ihr Tagesablauf ist eng getaktet. Aufstehen, meistens Frühtraining, Unterricht an einer Stuttgarter Sport-Eliteschule bis mittags, anschließend Training bis abends um acht, dann Physiotherapie und Schularbeiten. Jeden Tag, außer sonntags. Die wenige freie Zeit nutzt Steinfeld gern, um Freunde zu treffen oder zur Regeneration eine Therme zu besuchen.

Steinfelds prominente Mitstreiterin

Rhythmische Sportgymnastik, TSV Schmiden, Olympia – da denkt man schnell an einen Namen: Darja Varfolomeev. Die 19-jährige Olympiasiegerin sowie mehrfache Welt- und Europameisterin gilt derzeit als weltweite Nummer eins des Sports. Steinfeld trainiert täglich mit ihr. „Ich finde es toll, dass wir die Ehre haben, mit ihr die Halle zu teilen. Sie ist eine große Unterstützung“, schwärmt die Leonbergerin ehrfürchtig. Varfolomeev sei eine sehr hilfsbereite und lustige Person. Natürlich ist sie auch ein großes Vorbild der jungen Athletin mit kasachischen Wurzeln, darüber hinaus schätzt sie ihre Trainerinnen Natalya und Julija Raskina, zudem die Belarussin Alina Harnasko und die Italienerin Sofia Raffaeli.

Steinfeld (re.) bei der Olympiaqualifikation mit Varfolomeev (Mi) Foto: Eva Herschmann

Steinfeld trat, anders als Varfolomeev, bislang nicht bei den Olympischen Spielen an, war jedoch als Ersatzathletin 2024 in Paris dabei. Ihr großes Ziel: 2028 will sie bei den Spielen in Los Angeles antreten. „Das ist eines der größten Ziele als Sportlerin“, sagt Steinfeld mit leuchtenden Augen. Internationale Erfahrung sammelte sie in Italien und Griechenland, ihre weiteste Reise führte sie nach Aserbaidschan. In der Saison sei es manchmal stressig, gesteht sie, im Stützpunkt und in der Schule erhalte sie jedoch viel Unterstützung, zudem wird sie von der Deutschen Sporthilfe finanziell gefördert.

„Für mich ist es sehr schön, vor vielen Menschen aufzutreten, das macht mir sehr viel Spaß“, erzählt Steinfeld. Sie ist eine Performerin, wie man ihren energiegeladenen Auftritten, die auch auf YouTube zu sehen sind, unschwer entnehmen kann.

Ehrung für die Erfolge des Vorjahres

Nach dem Termin an der Grundschule geht Viktoria Steinfelds straffer Zeitplan gleich weiter, sie fährt nach Stuttgart zur Meisterehrung des Schwäbischen Turnerbundes, wo sie für ihre Erfolge des Jahres 2025, unter anderem drei Medaillen bei den deutschen Meisterschaften, ausgezeichnet wird. Die junge Sportlerin hat schon einiges erreicht, aber das große Ziel weiterhin vor Augen: die Olympischen Spiele 2028.

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