H7-Mieter wehren sich "Wir sind keine Hausbesetzer"

Von Katharina Sorg 

Die Mieter des H7 wollen gehen, die Frage ist nur: Wohin? SPD und Grüne halten sich bisher aus der Debatte um die alte Bahndirektion heraus.

 Foto: Achim Zweygarth 9 Bilder
Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Immer klarer wird im Fall des H7, dass die Kommunikation zwischen Mietern und Vermieter zu wünschen übrig ließ. Während der Vermieter, die Raum auf Zeit GmbH, viele Mieter mit einem genauen Umzugstermin immer wieder vertröstete, wurden vor zwei Wochen sogar noch neue Mietverträge unterschrieben ­- wie alle Verträge mit einer offiziellen Laufzeit bis zum 31. März 2012. Das ärgert nun vor allem jene, die sich auf den 31. März verlassen mussten. „Ich habe hier ein Architekturbüro, wir haben ab 1. April neue Räume, aber was wir in der Zwischenzeit machen weiß ich nicht“, sagt Angela Lempelius vom Architektenbüro Lava.

Was allen Mietern wichtig ist, sie wollen keinesfalls den Anschein erwecken, als wollten sie bleiben. Allen war klar, dass es ein Wohnen auf Zeit sein wird, lautet der Tenor, aber man habe mit einer „anständigen Kündigungsfrist“ gerechnet. „Wir wollen und wir werden ausziehen, aber wir brauchen dafür eine vernünftige Zeit“, sagt Lempelius. Nicht einmal vier Wochen Zeit sei gerade für Mieter, die laufende Projekte betreuen, kaum einzuhalten. Die Kreativen treibt nun die Sorge um, dass ihnen der Stempel der Hausbesetzer aufgedrückt werden könnte. „Wir sind keine Hausbesetzer, wird sind mittelständische Unternehmen“, sagt Lempelius. 

Keine Hausbesetzer sondern mittelständische Unternehmen

Dass sie bereit sind umzuziehen signalisieren alle. Christine Voshagel und Sandra Kübler von Typolade machen Buchstaben aus Schokolade. Sie machen in der Weihnachtszeit den stärksten Umsatz des Jahres. Gerade bekommen sie viele Anfragen aus Dänemark, nachdem ein dänisches Designmagazin über sie berichtet hatte. Neue Aufträge können sie erst wieder im Janaur annehmen, sie sind komplett ausgelastet. Kübler und Voshagel hatten sich bereits für Räume in der Goethestraße entschieden, doch die stehen seit Montag nicht mehr zur Verfügung. Der Vermieter war am Montagnachmittag kurzfristig abgesprungen. Nachdem die Alternative in der Goethestraße weggebrochen ist, wird die Zeit noch knapper.

Ines Aufrecht von der Wirtschaftsförderung Stuttgart hat den Mietern Unterstützung bei der Suche nach Alternativen zugesichert. Sie befürchtet allerdings, dass die momentane Öffentlichkeitsarbeit der H7-Mieter etwaige Vermieter abschrecken könnte. Auf Facebook haben die Kreativen bereits mehr als 4000 Unterstützer. "Sobald die scheinbare Gefahr besteht, dass Büros nicht rechtzeitig geräumt werden, wird die Verhandlung mit anderen Anbietern schwierig", sagt Aufrecht. Doch gehen wollen sie alle, die Frage für viele ist nur: Wohin auf die Schnelle?

Grüne und SPD halten sich in Debatte zurück

Grüne und SPD halten sich in der Debatte weiter zurück. Man wolle sich in dieser Woche bei der Bahn für die Mieter des H7 einsetzen, sagt Michael Kienzle, Stadtrat der Grünen. Bisher habe man noch keine Gespräche aufgenommen. Andreas Reißig von der SPD bezeichnet die Situation als "unbefriedigend", doch es sei schwierig eine kurzfristige Lösung zu finden. Die einzige Rückmeldung gab es bisher von Stefan Kaufmann. Der CDU-Politiker hatte bei einem Treffen mit den Mietern am Montagnachmittag versprochen, als Vermittler zwischen Bahn und Mietern zu fungieren.

"Wir wollen anständig gehen", sagt Thorsten Neumann, einer der Geschäftsführer des Clubs Rocker 33. Er habe Verständnis für die Bahn, die vom 1. Januar an für fünf Jahre als Eigentümer der alten Bahndirektion fungiert. "Die wollen das Gebäude natürlich am liebsten leer übernehmen", sagt er. Schließlich habe die Bahn AG die Mietverträge auch nicht geschlossen. Daher sei ein Vorwurf in Richtung der Deutschen Bahn überhaupt nicht angebracht. Dennoch hofft er wie viele Mieter auf eine konstruktive Lösung. "Wir können unseren Club nicht in drei Wochen leer räumen, dass geht zeitlich einfach nicht", sagt Neumann.

 

 

 

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