Haager Strafgerichtshof Verwüstungen in Timbuktu hart bestraft

Von Johannes Dieterich 

Es ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Der Strafgerichtshof in Den Haag verurteilt einen Extremisten aus Mali zu neun Jahren Haft, weil er mitverantwortlich ist für die Zerstörung wertvoller Kulturgüter in der Wüstenstadt Timbuktu. Zudem zeigte sich der Tuareg reuig.

Der Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi wird in Den Haag schuldig gesprochen. Foto: AP
Der Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi wird in Den Haag schuldig gesprochen. Foto: AP

Den Haag - In einem beispiellosen Verfahren hat der Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) den 45-jährigen Islamisten Ahmad al-Faqi al-Mahdi wegen der Zerstörung religiöser Stätten in Timbuktu zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Die drei Richter befanden den aus der Nähe der nordmalischen Wüstenstadt stammenden Tuareg einstimmig für schuldig, die Verwüstung jahrhundertealter Mausoleen und der kunstvoll geschnitzten Tür einer Moschee im Juli 2012 angeordnet und zumindest teilweise mit ausgeführt zu haben.

Es ist das erste Mal, dass das Gericht über den Tatbestand der Zerstörung religiöser Einrichtungen als ein Kriegsverbrechen befand, und das erste Mal, dass ein extremistischer Islamist vor dem Strafgerichtshof stand. Der schlanke Nordafrikaner war außerdem der erste Angeklagte in der Geschichte des seit 14 Jahren existierenden Gerichts, der für schuldig im Sinne der Anklage plädiert hatte.   Zum Auftakt des nur dreitägigen Verfahrens hatte al-Mahdi Ende August eine öffentliche Entschuldigung abgegeben. Er sei in den Strudel einer von al-Kaida und der malischen Islamistengruppe Ansar Dine ausgelösten „bösen Welle“ geraten und bereue seine Tat „zutiefst und mit großem Schmerz“, sagte der Angeklagte. Er riet außerdem „allen Muslimen dieser Welt“, sich nicht zu ähnlichen Taten wie er selbst hinreißen zu lassen, weil diese „zu nichts Gutem für die Menschheit“ führen würden.

700 Jahre alte Begräbnisstätte vernichtet

Anklage und Verteidigung plädierten nach al-Mahdis Reueerklärung gemeinsam für eine Strafe zwischen neun und elf Jahren – dennoch hätten die Richter eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren verhängen können. Sie einigten sich indessen auf das niedrigste zur Verfügung stehende Strafmaß.   Als Chef der islamischen Sittenpolizei hatte al-Mahdi während der Besetzung des malischen Nordens durch extremistische Islamisten im Juni 2012 die Zerstörung der rund 700 Jahre alten Begräbnisstätten aus der Blütezeit der damaligen Universitätsstadt Timbuktu angeordnet.

Unter den vom saudi-arabischen Wahabismus beeinflussten extremen Islamisten gilt die Verehrung von Toten als Sünde, während die in Mali bislang vorherrschenden Sufis herausragende Geistliche wie Heilige verehren. Die Mausoleen standen gemeinsam mit der gesamten Stadt Timbuktu als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Die meisten Grabstätten wurden inzwischen wiederhergestellt.  

Amnesty fordert Verfolgung von Mord und Folter

Nach dem Willen des Internationalen Strafgerichtshofs soll die Verurteilung al-Mahdis auch ein Signal für andere Extremisten sein, die in Afghanistan, dem Irak und Syrien religiöse Stätten beschädigt oder gar vernichtet haben. In derselben Weise, wie man keinen Menschen ungestraft töten könne, dürfe man auch kein Weltkulturerbe ungestraft zerstören, kommentierte al-Boukhari Ben Essayouti nach dem Urteil, der von der Unesco mit der Wiederherstellung der Mausoleen beauftragt worden war.   Unterdessen mahnte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an, dass diesem Verfahren nun auch Ermittlungen und Prozesse wegen Mordes, Vergewaltigungen und Folter folgen müssten. Während der Besetzung Nordmalis waren Hunderte von Menschen getötet oder misshandelt worden: In diesem Zusammenhang kam es bisher allerdings noch zu keinem Verfahren.