Häfnerhaslach Zoff um Weideland: Naturschutz und Landwirtschaft prallen aufeinander

Landwirt Erich Weiberle vom Kirbachhof möchte, dass seine Rinder auch weiterhin freien Zugang zum Rest ihrer Weide haben. Foto: essigfoto.de

Das Land Baden-Württemberg macht einem Landwirt sein neu gekauftes Grundstück streitig – es geht um den Naturschutz. Doch der Landwirt wehrt sich dagegen.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Wenn im strömenden Regen rund 30 Menschen auf einer Viehweide im beschaulichen Sachsenheimer Teilort Häfnerhaslach stehen und sich die Köpfe heiß reden, dann muss es um etwas Wichtiges gehen. Mit dabei waren Landtagsmitglieder, Vertreter des Landratsamts, des Finanzministeriums, des Landwirtschaftsministeriums und des Regierungspräsidiums Stuttgart sowie eine Handvoll Landwirte.

 

Tatsächlich ging es bei dem Termin am Montagvormittag um nichts weniger als den Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, um fehlendes Vertrauen zwischen Landwirten und der Unteren Naturschutzbehörde – und um die Frage, ob Landwirt Erich Weiberle vom Kirbachhof ein Grundstück, das er vor drei Jahren von der betagten Eigentümerin erworben und bereits bezahlt hat, behalten darf. Eine Gemengelage mit jeder Menge Potenzial für hochkochende Emotionen.

Zwei Seiten, ein Konflikt

Etwa 15 Ar umfasst die umstrittene Parzelle, die zu einer rund vier Hektar großen Weide gehört. Land, auf dem Weiberles Jungrinder grasen. Land, das aus Sicht der Behörden aber nicht einfach eine x-beliebige Wiese ist, so Rolf Gastel von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Das Grundstück oder vielmehr die gesamte Weide befinde sich im Naturpark Stromberg, außerdem sei der gesamte Hang ein Naturdenkmal. Und schließlich befinde sich dort ein kleines Niedrigmoor. Wegen dieser Besonderheiten der Wiese, so die Auffassung der Behörden, hätte der Landwirt das Land gar nicht erwerben dürfen.

Bislang hatte er das Teilstück der Gesamtweide gepachtet, außerdem besitzt er dort einige andere Flächen. Die umstrittene Parzelle ist für ihn deshalb wichtig, weil nur über sie seine Rinder von einem Teil der Weide zum anderen gelangen können. Und deshalb möchte er zumindest eine Art Korridor für die Tiere behalten.

Auf den Rest, also das eingezäunte Biotop, wäre er bereit zu verzichten – zumal er es ohnehin nicht nutzen kann. Das Land Baden-Württemberg jedoch möchte alles kaufen, um sicherzustellen, dass auch in späteren Generationen dem Naturschutz dort Rechnung getragen wird.  

Weil keine Einigung zwischen den beiden Parteien zustande kam, rief Weiberle den Petitionsausschuss an. Ein Vorschlag, der dem Landesparlament zur Abstimmung vorgelegt werden könnte, kam bei der Besichtigung und Diskussion vor Ort jedoch nicht heraus. „Wir waren in unseren Verhandlungen schon viel weiter“, warf Gastel dem Landwirt vor. So bietet das Land ihm an, das umstrittene Grundstück zum Nulltarif pachten zu können. Auch habe man die Wünsche Weiberles im Pachtvertrag berücksichtigt. Das sieht er allerdings anders.

Landwirt hält Vorschriften in Pachtvertrag für inakzeptabel

Einige Punkte im Pachtvertrag hält er für nicht akzeptabel. So etwa den Passus, dass das Land den Vertrag jährlich kündigen könne, der sich in seiner Version des Vertrags findet – in der des Landes hingegen ist die Rede von 20 Jahren Pachtdauer. Auch wehrt sich Weiberle dagegen, dass laut Vertrag Beauftragte des Landes das Grundstück jederzeit begehen dürften. „Das hatte ich schon mal, und hinterher waren die Rinder ausgebrochen und der Zaun war kaputt“, erboste er sich.

Generell verstehe er nicht, warum das Land die Parzelle überhaupt haben wolle. Einerseits heiße es, für ihn solle sich an der Bewirtschaftung dadurch nichts ändern, andererseits sieht er sich durch verschiedene Vorschriften in seiner unternehmerischen Freiheit gegängelt. So soll es etwa verboten sein, die Rinder zusätzlich zu füttern oder die Weide zu düngen. Außerdem beschränkt das Land die Zahl der Tiere, die dort gehalten werden dürfen. Ein weiterer Knackpunkt: Das Land möchte dieselben Vorschriften auf die gesamte Weidefläche ausdehnen, obwohl die in Privatbesitz ist.

Auch andere sind über das Vorgehen des Landes erbost

Das brachte Roland Fazler auf die Palme, der den größten Teil der übrigen Weidefläche sein Eigen nennt: „Für mein Land gibt es keine solche Beschränkung, und es kann nicht sein, dass das schwächste Glied in der Kette mit einer kleinen Parzelle alles andere bestimmt. Dagegen werde ich mich wehren.“

Auch andere anwesende Landwirte empörten sich. „Es gibt hier nur noch drei Vollerwerbsbetriebe. Eine extensive Beweidung muss möglich sein, sonst verbuscht alles. Und dann wird es für das Land richtig teuer“, rief einer. Und Weiberles 23-jähriger Sohn Kaleb brachte es auf den Punkt: „Hier treffen zwei Welten aufeinander: Landwirtschaft und Naturschutz. Wir können euch nicht vertrauen, und ihr vertraut uns nicht. Ich denke manchmal, ich will weit weg auswandern.“

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