Händler in Stuttgart-Weilimdorf Petition gegen Parkplatzschwund

Kris Dujmic (links) und Marcus Mannsdörfer, das Vorstandsduo der Aktionsgemeinschaft Weilimdorf, wollen die Kurzzeit-Parkplätze erhalten, da ein Großteil der Kunden mit dem Auto zum Einkaufen kommen. Foto: Georg Friedel

Die Pforzheimer Straße soll aufgewertet werden: „Da sind wir dafür“, sagen Gewerbetreibende in Weilimdorf. Was sie aber strikt ablehnen: dass dafür Kurzzeitparkplätze geopfert werden sollen.

Wer im Zentrum Weilimdorfs Besorgungen macht oder zum Arzt muss, der stößt momentan überall in den Geschäften und Schaufenstern auf gelbe Plakate und Postkarten mit der Aufschrift „# Parkplätze in Weilimdorf erhalten“.

 

Braut sich da in Weilimdorf ein Hashtag-Gewitter zusammen? Geht es um eine Kampfansage der Bürgerinnen und Bürger gegen alternative Verkehrskonzepte und Pläne, die die Zentren in den Stuttgarter Vororten peu à peu Richtung autofreie Einkaufsmeilen verändern wollen?

Kommentare zeigen Pro und Kontra auf

Schwer zu sagen: Wer jedenfalls in die seit einigen Wochen freigeschaltete Onlinepetition von „WeilAktiv – Aktionsgemeinschaft Weilimdorf“ klickt, der hat den Eindruck, es geht um weit mehr als um die 47 Kurzzeit-Parkplätze, von denen laut Stadtverwaltung 15 an der Pforzheimer Straße wegfallen sollen.

„Es gibt eh schon so wenig Parkplätze dort, deshalb ist die Idee einfach nicht sinnvoll. Lieber eine Begrenzung auf 30 Stundenkilometer anstatt so ein Quatsch“, meldet sich eine anonyme Stimme auf der Plattform zu Wort. An anderer Stelle heißt es kategorisch: „Ich komme aus Leonberg und kaufe kurz beim Metzger, Bäcker und auf dem Wochenmarkt und sonstigen Geschäften ein – fallen die Parkplätze weg, würde ich nicht mehr in Weilimdorf einkaufen!“ So reiht sich seitenweise Meinung an Meinung.

Auf der anderen Seite wird aber auch scharfe Kritik an dieser Aktion und der damit verbundenen Intention geübt: „Der Bezirksbeirat Weilimdorf hat am 17.9.2024 mehrheitlich einen Antrag beschlossen, nach dem lediglich 5 Parkplätze wegfallen sollen. Und anschließend startet WeilAktiv diese Petition: Wo bleibt da die Akzeptanz für schwer errungene Kompromisse?“, fragt jemand aus dem kommunalpolitischen Spektrum. Andere argumentieren so: „Durch den Wegfall von Autoverkehr und Parkplätzen werden Innenstädte und Ortskerne aufgewertet. Dies beweisen jetzt schon viele Klein- und Großstädte. Diese Angst der Geschäftsleute ist völlig unbegründet.“

Löwen-Markt-Parkticket ist in Arbeit

Aber wird mit der Petition wirklich nur ein Popanz des Schreckens aufgebaut? Die Gewerbetreibenden Marcus Mannsdörfer und Kris Dujmic vom Vorstand der Aktionsgemeinschaft „WeilAktiv“ wehren sich gegen diese Interpretation: „Wir brauchen die Kurzzeit-Parkplätze, um unseren Branchenmix zu erhalten. Es geht uns ausdrücklich nicht darum, dass wir das eine Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen“, betonen beide.

Kris Dujmic sagt, dass man wirklich konstruktive Absichten hege: „Wir wollen auch die Tiefgarage am Löwen-Markt besser beschildern lassen und dort ein System einführen, damit Kunden die erste Stunde kostenfrei parken können.“ Die Grundidee sei, dass alle, die in Weilimdorfer Geschäften einkaufen und bei den Gewerbetreibenden ein Löwen-Markt-Parkticket oder auch einen ÖPNV-Fahrschein vorlegen, direkt eine Vergütung bekommen können: „Da sind wir allerdings noch dran, alle unsere Mitgliedsfirmen an Bord zu bekommen“, schränkt der Geschäftsführer des Sportshops Anton ein.

Das Auto wird zum Einkaufen gebraucht

Für Einzelhändler Marcus Mannsdörfer vom gleichnamigen Betten- und Wäschegeschäft an der Solitudestraße spiegelt sich in Weilimdorf im Grunde genau das wider, was auch der Handelsverband Baden-Württemberg auf breiterer Ebene abgefragt und herausgefunden hat: „Der Handelsverband hat bei mehr als 8000 Kundinnen und Kunden nachgefragt, wie sie in den Einzelhandel kommen. Das Ergebnis war, dass allein in Stuttgart 70 Prozent mit dem Auto dorthin fahren“, sagt Mannsdörfer. Den ÖPNV würden gerade mal acht Prozent der Befragten bei ihren Einkäufen in Anspruch nehmen. Der Rest komme zu Fuß oder mit dem Rad. Das sei nun mal die Realität.

Für Mannsdörfer steht außer Frage: „Hätten wir einen engmaschigeren ÖPNV-Betrieb, könnte man ja über vieles reden. Aber den gibt es leider nicht. Wir haben Ortsteile, die sind wirklich schlecht angebunden.“ Zudem lebten in Weilimdorf viele ältere Menschen, die aufs Auto oder auf medizinische Fahrdienste angewiesen seien. Und noch etwas anderes gelte es zu bedenken: „Weilimdorf ist der Stadtbezirk mit den meisten jungen Familien“, sagt Mannsdörfer. Auch da sei manche kinderreiche Familie beim Großeinkauf einfach überfordert, wenn sie alles mit dem Rad, zu Fuß oder ÖPNV erledigen müsse. Mannsdörfers Fazit: „Wir können in Stuttgart nicht überall in den Außenbezirken wie bei einer Blaupause das gleiche Konzept anwenden.“

Außengastro und Bäume statt Parkplätze?

Der Idee, Außengastronomie-Betriebe direkt an der Pforzheimer Straße anzusiedeln und dafür Kurzzeit-Parkplätze zu opfern, können Mannsdörfer und Dujmic genauso wenig abgewinnen, wie dort nahe der Auspuffabgase Bäume zu pflanzen. „Bei der Begrünung schlagen wir schon lange vor, auf den Löwenplatz, den Löwen-Markt oder auf die Fläche vor der BW-Bank zurückzugreifen.“

Bis Jahresende soll die Petition noch laufen – unter: https://www.openpetition.de/petition/online/parkplaetze-in-stuttgart-weilimdorf-erhalten?

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