Härterer Ton gegenüber Türkei Vorführung der Folterwerkzeuge

Berlins Geduld mit Erdogan scheint erschöpft – und zeigt ihm die ökonomische Verwundbarkeit auf. Unser Berliner Korrespondent Christopher Ziedler meint, dies könnte die Sprache sein, die der türkische Staatspräsident versteht.

Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwoch das Regierungskabinett umgebildet – und aus Deutschland von einer möglichen wirtschaftlichen Gegenreaktion gehört. Foto: AP
Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwoch das Regierungskabinett umgebildet – und aus Deutschland von einer möglichen wirtschaftlichen Gegenreaktion gehört. Foto: AP

Berlin - Was über Jahre hinweg aufgebaut wurde, zerbricht in rasanter Geschwindigkeit: Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan klar auf Eskalationskurs getrimmt, gleichen inzwischen einem Scherbenhaufen. Die Bundesregierung, die um die strategische Bedeutung des Landes am Bosporus in Fragen der Terrorbekämpfung und der Migration weiß, ist in den vergangenen Monaten von einer kooperativen hin zu einer zumindest verbal konfrontativen Haltung gedrängt worden. Nun, da erneut ein Bundesbürger unter fragwürdigen Umständen in Untersuchungshaft genommen wurde, sieht sie sich an einer Schwelle, an der Worten Taten folgen müssen. Außenminister Sigmar Gabriel will sich an diesem Donnerstag entsprechend äußern.

Ob er aufgrund der willkürlich wirkenden Verhaftungen deutscher Staatsbürger im Namen des Auswärtigen Amtes tatsächlich eine Reisewarnung ausspricht, ist offen. Sicher aber ist, dass die Bundesregierung Interesse daran hat, wenn Erdogan ihre ökonomischen Folterwerkzeuge vorgeführt bekommt. Die deutschen Urlauber sind immer noch ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor im Land – ein Konjunktureinbruch ohne sie könnte Erdogan politisch in Bedrängnis bringen. Vielleicht ist das die Sprache, die er versteht.




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