Hafen in Stuttgart Architekt will Wohnquartier am Neckar bauen

Von Christoph Kutzer 

Er hat bereits das Dorotheen-Quartier in Stuttgart geplant, nun hat Architekt Stefan Behnisch ein neues Ziel: Er würde den Hafen in Stuttgart gerne zum Wohngebiet machen. Doch es gibt Gegenwehr.

Der Hafen ist die größte Logistikfläche in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Kovalenko, Schmidt
Der Hafen ist die größte Logistikfläche in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Kovalenko, Schmidt

Stuttgart - Großformatige Bilder säumen den Zugang zum Waldheim Hedelfingen. Sie dokumentieren die Entwicklung des Stuttgarter Hafens von den Anfängen in den 50er Jahren über die Eröffnung des Containerhafens anno 1996 bis heute. Die Veränderungen sind unübersehbar. Bis dato dienten sie allerdings vorrangig der Verbesserung der Standortqualität aus wirtschaftlicher Perspektive. „Immer, wenn man in Stuttgart Visionen für den Hafen ausspricht, fahren sofort die Mauern hoch“, stellt Architekt Stefan Behnisch fest. Der Mann, der das Dorotheen-Quartier gestaltet hat, klingt ein wenig desillusioniert. „Das Gelände ist ein Tabuthema. Dabei würde es sich anbieten, hier in den nächsten Jahrzehnten ein bisschen aufzuräumen, neu zu ordnen und diesen Ort vielleicht nach und nach zu besiedeln“, meint der hoch dekorierte Architekt.

Am Freitagabend sind die Denkverbote, die Behnisch beklagt, aufgehoben. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Waldheim, zu der der Bezirksbeirat Hedelfingen eingeladen hat, kommt es zu einem kontroversen Austausch über die Entwicklungschancen für das Stuttgarter Hafenviertel. Carsten Strähle, der Geschäftsführer der Hafen Stuttgart GmbH, betont die wachsende Bedeutung als Be- und Entladeplatz als zentralen Punkt. In einer Stadt wie Stuttgart müsse es auch reine Industrie- und Gewerbegebiete geben, ist er sich sicher. Der verfügbare Platz am Hafen mit seiner idealen Anbindung an Eisenbahn und Straße werde dringend benötigt, da die Wasserwege künftig noch stärker genutzt würden. „Ehe wir hier Flächen entwickeln, brauchen wir Ersatzareale“, so Strähle. Andernfalls gefährde man die angestrebte weitere Reduzierung von Lkw-Verkehr, aber auch die Attraktivität des Standorts Stuttgart für produzierende Unternehmen. Steffen Bilger, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, argumentiert ganz ähnlich: „Wenn wir Zukunftsindustrien halten wollen und möchten, dass mehr Unternehmen hier wichtige Entwicklungen vorantreiben, wie es Porsche bei der E-Mobilität tut, dann brauchen wir Flächen.“

Platz am Hafen ist begehrt

Andreas Hofer hält dagegen. Produktion und Logistik seien sehr agilen Wandlungsprozessen unterworfen, gibt der Intendant der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Stuttgart und der Region zu bedenken. Dadurch würden auf Dauer weitere Räume frei, die sich entwickeln ließen. „Es geht nicht darum, das Gelände zu deindustrialisieren“, stellt Hofer klar. „Es geht nicht um postindustrielles Wohnen ohne Arbeitsplätze oder Wirtschaft ohne Lebensqualität. Wir können längst viel weiter denken und viele Probleme architektonisch lösen.“ Holger Gayer, Lokalchef unserer Zeitung, muss als Moderator der lebhaften Debatte kaum inhaltliche Impulse geben. Er konzentriert sich darauf, für ausgewogene Redezeit und eine Gesprächsatmosphäre zu sorgen, die bei allen Differenzen der Kombattanten weitgehend entspannt bleibt.

Am Ende finden Hofer und Strähle sogar einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Das Areal erlebbarer zu machen, darauf kann sich auch der Hafenmanager einlassen. Sein Fazit: „Es wäre schön, wenn wir den Menschen die Logistik näherbringen könnten. Vielleicht auch im Zuge der IBA 2027.“ Andreas Hofer setzt mit Schweizer Gelassenheit auf die Zeit als Garant für Veränderung: „Das Schöne an der Zukunft ist: Wir müssen gar nichts machen“, schließt er. „Sie kommt einfach auf uns zu.“

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