Mehr als 25 Jahre lang hat Hagen von Ortloff die beliebte Fernsehsendung „Eisenbahn-Romantik“ betreut und moderiert. 880 Sendungen, die noch immer meist in den dritten Programmen zu sehen sind, sind mit seinem Namen und Gesicht verbunden. An diesem Mittwoch feiert der gebürtige Dresdner, der seit 1989 in Kernen-Rommelshausen lebt, seinen 75. Geburtstag – auf einem Klassenausflug in Budapest mit ehemaligen Schulkameraden vom Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn. Angereist ist die Männerrunde natürlich standesgemäß mit der Eisenbahn.
„Das Leben ist großartig“, sagt Hagen von Ortloff mit einem strahlenden Lächeln. Auch in einem Alter, in dem man gemeinhin als Senior gilt, steht er noch immer unter Volldampf und ist im Eiltempo auf Schienen unterwegs. „Alte Menschen waren für mich schon immer zehn, 15 Jahre älter als ich selbst. Mein Kalender ist mittlerweile sogar noch voller als früher“, sagt er grinsend. Und er nutzt begeistert die neuen Medien.
„Ich bin jetzt Influencer, oder, wie manche mich nennen, Trainfluencer“, sagt von Ortloff. Sein Youtube-Kanal „Ortloff’s Frei-Noon“, den er vor drei Jahren angefangen hat, hat inzwischen fast 18 000 Follower. Natürlich dreht sich auch dort alles um Lokomotiven und Eisenbahnen in Originalgröße oder Miniatur. Seine Fans feiern ihn. „’Frei-Noon’ ist für mich immer der beste Beginn fürs Wochenende“, „großartig wie immer“ oder „wie immer ein großartiges ‚Frei-Noon’ mit großartigen Beiträgen“ lauten die Kommentare unter seinen wöchentlichen Beiträgen, die meist zwischen zehn und 15 Minuten lang sind. „Ich bin jetzt Regisseur, Tontechniker, Kameramann sowie Schnittmeister in einem, und es macht mir viel Spaß.“
Kein Freund von Schlagzeilen-Storys
Das Geburtstagskind ist mit sich im Reinen. „Meine Oma hat immer gesagt, wer weiß, wofür es gut ist. Und mein Glück ist, dass ich immer ein bescheidener und einfacher Mensch war und mit wenig zufrieden.“ Und er hat viel bekommen. Auch Popularität. „Ich muss noch immer Autogramme geben“, sagt der Ingenieur für Wirtschaft- und Werbetechnik, Journalist und studierte Politikwissenschaftler. Bevor Hagen von Ortloff, der schon als Kind ein leidenschaftlicher Hobby-Eisenbahner war, auch beruflich zu den Zügen kam, arbeitete er für das Kinderfernsehen. „Ich liebe den Journalistenberuf, aber ich mochte die Schlagzeilen-Storys, die zu Beginn der Nachrichten kommen, immer weniger als die kleinen Geschichten, die ich liebevoll Hunsel-Dunsel nenne. Und dazu gehören auch Eisenbahnen und Modelleisenbahnen“, hat er unserer Zeitung vor Jahren in einem Interview erzählt.
Hagen von Ortloff hat „Eisenbahn-Romantik“, das eigentlich als kleiner Pausenfüller gedacht war und sich zum Publikumsliebling gemausert hat, von der ersten Sendung an am 7. April 1991 geprägt, als Redaktionsleiter organisiert und verantwortet. „Sogar der Titel stammt von mir“, sagt er. Leicht ist ihm der Abschied vom Fernsehen nicht gefallen. Doch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten führen die Weichen pünktlich mit 65 Jahren auf das Altersabstellgleis. Ein bisschen Verspätung wurde Hagen von Ortloff aber gewährt, weil der Sender wollte, dass er bis zum 25-Jahr-Jubiläum von „Eisenbahn-Romantik“ im Jahr 2016 an Bord ist.
Dass es die Sendung noch immer gibt, freut Hagen von Ortloff. „Es ist immer noch mein Kind, und ich hatte eine wunderbare Zeit beim Fernsehen.“ Einmal im Monat gehe er mit Harald Kirchner, dem jetzigen „Eisenbahn-Romantik“-Chef, essen, erzählt er. Der Neue taucht allerdings vor der Kamera nicht auf. Seitdem von Ortloff vor acht Jahren aufgehört hat, laufen die neuen Beiträge über alte Lokomotiven und schöne Strecken ohne einen Moderator. Hagen von Ortloff wird für alle Zeiten das Gesicht der „Eisenbahn-Romantik“ bleiben.