Haigerloch - Ein gut 40-köpfiges Team arbeitet mit Hochdruck daran, eine Kettenreaktion zu vermeiden und die Situation zu sichern. Denn würde der Mast am Butzengraben umfallen, dann werden sehr wahrscheinlich weitere Masten in Richtung Bittelbronn aufgrund der auftretenden Zugkräfte mit umgerissen.
Die sind nämlich nicht so robust wie es für einen Laien aussieht: weil sie als so genannte Tragmasten nur die Funktion haben, die Leitungsseile zu tragen, stehen sie nicht auf besonders tiefen Fundamenten und sind auch nicht sonderlich torsionssteif. Auch ein Mast der in die andere Richtung nach Trillfingen führt, wäre in Gefahr. Mit im Boden verankerten Spannseilen werden die Masten jetzt sukzessive gesichert.
Abgang von Felsstreifen im Steinbruch
Ausgelöst wurde die Misere übers Wochenende durch den Abgang eines Felsstreifens im Steinbruch, der etliche Tonnen Muschelkalkgestein nach unten stürzen ließ. Entdeckt wurde dies nach dem Allerheiligen-Wochenende von der Firma Schneider selbst – und auch gleich der Netze BW gemeldet.
Der Felsabbruch, so schildern es Richard Huber, Leiter des Netzbetriebes Baden-Württemberg, und Andreas Mannchen, zuständig für den Netzbetrieb im Zollernalbkreis, hat dafür gesorgt, dass der Strommast jetzt nicht mehr 20 Meter von der Felskante entfernt steht, sondern nur noch zwölf. Und ob und wie der Fels weiter in sich arbeitet, das ist im Moment schwer abschätzbar. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass die Kräfte der Natur am Ende so stark sind, dass der Stahlmast trotz seiner 50 Tonnen Eigengewicht und trotz der Verankerung im Boden auf einem 120-Tonnen-Betonfundament entweder in den Steinbruch hinabstürzt oder auf die andere Seite Richtung Wald umfällt.
Um das zu verhindern, arbeiten seit Wochenbeginn, Ingenieure, Geologen und Statiker für die Netze BW mit Hochdruck an einer Lageeinschätzung und vor allem an Lösungen. Zu allererst hat man die mit 20 kV- und 110 kV-Leitungen ausgestattete Stromversorgung – die Trasse führt von Horb über Empfingen und den Steinbruch nach Trillfingen und Engstlatt – vom Netz genommen und am Umspannwerk Trillfingen und bei Bittelbronn sozusagen Umleitungen eingerichtet. Der Endverbraucher bemerkt davon übrigens nichts. Was aber passiert mit dem Sorgenkind direkt über dem Steinbruch? Dass der Mast dort nicht stehen bleiben kann, darin sind sich die Experten einig. Um ihn aber langfristig weiter weg vom Steinbruch auf sicheren Grund zu verlegen, dazu sind wahrscheinlich Verhandlungen nötig, weil sich die in Frage kommenden Flächen wohl in Privatbesitz befinden.
Straßensperrung sorgt für Irritationen
Doch das ist erst der zweite Schritt. Um die Stromversorgung kurzfristig über diese Trasse wieder sicherstellen zu können, wird man zunächst einmal ein oder zwei Behelfsmasten auf dem landwirtschaftlichen Weg errichten müssen, der oben an der Steinbruchkante vorbeiführt. Mit diesen, so schätzt Richard Huber, wird man über den Winter kommen müssen.
Weil gestern aus Sicherheitsgründen und ohne viel Vorwarnzeit die Kreisstraße 7120 zwischen Bittelbronn und Weildorf und die L 360 durchs Karlstal sowie etliche Feldwege gesperrt werden mussten, hat dies für Irritationen gesorgt. Vor allem die Bittelbronner sind quasi von der Außenwelt abgeschnitten, weil die andere Ortsausfahrt in Richtung B 463 derzeit eine Baustelle ist. Sie müssen nun über Henstetten und Wiesenstetten, oder über Feldwege fahren. Richard Huber geht aber davon aus, dass die Sperrungen bis zum Wochenende aufgehoben werden können.