Hajek-Villa in Stuttgart Streit über Denkmalschutz vor Gericht

Von  

Der Unternehmer Markus Benz hat vor Jahren die Hajek-Villa erworben. Jetzt klagt er gegen Denkmalschutzauflagen der Stadt. Die Verhandlung ist am Freitag, 21. April. Dabei geht es letztlich um die Frage: Sanierung oder Abriss?

Außenansicht der Villa Hajek, einer „einmaligen Farbschachtel“, wie der Architekt Roland Ostertag sagt.  Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 13 Bilder
Außenansicht der Villa Hajek, einer „einmaligen Farbschachtel“, wie der Architekt Roland Ostertag sagt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Streit zwischen der Stadt Stuttgart und dem Unternehmer Markus Benz über denkmalschutzrechtliche Auflagen für die Villa des 2005 verstorbenen Künstlers Otto Herbert Hajek geht am Freitag, 21. April, in die nächste Runde. Dann beschäftigt sich von 11 Uhr an die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Stuttgart in einer mündliche Verhandlung mit der Klage des Eigentümers Benz, der die von der Denkmalschutzbehörde der Stadt erlassene Rückbau- und Erhaltungsverfügung für rechtswidrig hält und ihre Aufhebung beantragt.

Markus Benz, Chef des Möbelherstellers Walter Knoll (Herrenberg), hatte das Grundstück an der Hasenbergsteige mit dem Wohn- und Ateliergebäude und einem parkähnlichen, 27 Hektar großen Garten vor sieben Jahren erworben. Als unbestätigter Preis waren damals rund 2,3 Millionen Euro aufgerufen. Der Atelieranbau sollte zu einer Denkwerkstatt für Benz und Geschäftspartner werden, die Villa zu einem Wohn- und Arbeitshaus für seine Familie. In einer Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts heißt es: „Im Zuge dessen begann er, am Gebäudebestand Umbaumaßnahmen vorzunehmen.“

Sachgesamtheit unter Denkmalschutz

Dagegen ging die Denkmalschutzbehörde vor. Das Wohnhaus samt Atelier und Freifläche mit Plastiken steht seit 2008 „aus künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen als Sachgesamtheit“ unter Denkmalschutz. In der Verfügung vom November 2014 verlangte die Behörde, „zwei nach Auffassung der Stadt ohne Genehmigung abgebrochene Wände im Innenbereich wieder zu errichten sowie die von Hajek gestaltete Eingangstür restaurieren zu lassen“. Das Erscheinungsbild müsse wieder hergestellt werden.

Dagegen hatte Benz erfolglos beim Regierungspräsidium Widerspruch eingelegt und dann im Juni 2016 Klage eingereicht. Benz wiederum betont, dass es möglich sein müsse, das Haus zu modernisieren (Heizung, Fenster) und für seine Zwecke umzugestalten. Eine museale Erhaltung sei nicht zumutbar, zumal das 1921 erbaute Gebäude in einem schlechten Zustand sei. Eine Sanierung der Villa würde „zu einem Fehlbetrag von 21 000 Euro jährlich führen“, zitiert das Gericht aus einer von Benz eingereichten Wirtschaftlichkeitsberechnung. Die Stadt widerspricht dem: Die von Benz angegebenen Sanierungskosten seien aus der Luft gegriffen, vor den Umbaumaßnahmen wäre das Haus „mit überschaubaren Mitteln zu sanieren gewesen“, heißt es. Die ausgebeinten Räume des Hauses stehen schon seit Jahren leer. Deshalb befürchten Urban Hajek, der Sohn des Künstlers, und der Architekt Roland Ostertag, der die Villa als „einmalige Farbschachtel“ bezeichnet, dass es zum Abriss kommen könnte, weil eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr zumutbar wäre. Urban Hajek fordert auch deshalb den Erhalt des Gebäudes als Künstlertreff, weil die Stadt auch der Familie gegenüber immer auf die Denkmalschutzauflagen gepocht habe. Sie dürften jetzt nicht aufgegeben werden. Um den Zerfall des Gebäudes zu verhindern, verlangt die Fraktionsgemeinschaft Linke/SÖS-plus, dass die Stadt das Haus kauft.

Foto:

Sohn Hajeks befürchtet Abriss




7 Kommentare Kommentar schreiben

Aufklärung: Das wichtigste wäre hier erstmal Aufklärung: wann gilt in Stuttgart der Denkmalschutz und wann gilt er nicht? Damit häuserkaufende Millionäre und bahnhofsliebende Demonstranten in Zukunft wissen, woran sie sind.

Und jetzt würde ich gerne von den Usern Gärtner und Weiner wissen: Wie definieren Sie "Scheußlichkeit" in diesem Zusammenhang ? Ich meine, worauf gründen Sie bei der Beurteilung dieser Werke das Wort Scheußlichkeit ? Ich hätte gerne ein kleine Abhandlung hierfür zum Lesen. Aus dieser Abhandlung sollte aber ersichtlich sein, dass Sie die nötige Kompetenz zur Beurteilung von solchen Werken besitzen.

Einerseits...: ...wenn man ein denkmalgeschütztes Objekt kauft, sollte man wissen, worauf man sich einläßt. Andererseits - die Vorredner deuteten es ja bereits an: Seit dem Bahnhofsbariß nimmt wohl niemand mehr im Land baden-württembergische Denkmal"schützer" für voll...

Wenn man: außen und innen die ganzen Hajek Scheußlichkeiten entfernt, ist das sicher ein schönes und erhaltenswertes Gebäude. Wenn man schon dabei ist, sollte man auch den Hajek Park entrümpeln, der ja leider auch von Hajeks " Meisterwerken " verunstaltet wird.

Pseudobehörde: Soso, die Denkmalbehörde spricht von Sachgesamtheit. Bei Privatpersonen ist diese Behörde kompromislos - bis zu letzen Nagel. Bei der Sachgesamheit des stadtprägenden Hauptbahnhofs haben die die biegsamen Beamten hingegen untertänig gekuscht.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.

Liebe Nutzer des Kommentar-Bereichs,
zum 15. Dezember 2017 werden wir den Kommentar-Bereich in unserem Angebots einstellen. Auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/stuttgarterzeitung/ können Sie weiterhin Artikel kommentieren und sich mit anderen Usern austauschen.
Vielen Dank für Ihr Verständnis
Ihre Redaktion

Artikel kommentieren

Dieser Artikel kann nur werktags kommentiert werden.
Kommentarregeln