Hakenkreuze auf Moschee in Welzheim Stadt setzt Zeichen gegen Rechts

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Die Welzheimer Bilai-i-Habesi-Moschee ist bald wieder frei von Hakenkreuzen: Viele Menschen helfen, die Nazischmierereien auf dem Gebäude zu überstreichen.

Die Helfer stehen Schlange, um die Hakenkreuze zu beseitigen. Foto: Gottfried Stoppel
Die Helfer stehen Schlange, um die Hakenkreuze zu beseitigen. Foto: Gottfried Stoppel

Welzheim - Als Tucay Cetin, Reinhold Kasian, und Markus Frasch gemeinsam eine Rolle in die Hand nehmen und einem Hakenkreuz mit weißer Farbe den Garaus machen, brandet Applaus auf. Mehrere Dutzend Menschen haben sich am Mittwochnachmittag vor der Welzheimer Bilai-i-Habesi-Moschee eingefunden, um das verschandelte Gotteshaus wieder ins rechte Licht zu rücken. Aus einem „spontanen Gefühl“ des evangelischen Pfarrers Frasch heraus, „ein gemeinsames Zeichen setzen zu müssen“, ist eine konzertierte Streichaktion geworden, der sich nicht nur der Bauhof der Stadt um den Beigeordneten Kasian angeschlossen hat. Der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Cetin erhält so viel Unterstützung von verschiedenen christlichen Gruppen, Mitgliedern des Gemeinderats, jungen und älteren Welzheimer Bürgern, dass die Pinsel und Rollen, die ein örtlicher Malerbetrieb gestiftet hat, im Nu vergriffen sind.

Moschee während des Farbanschlags gut besucht

Wie berichtet, war die Welzheimer Moschee in der Nacht auf Freitag von Unbekannten mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen besprüht worden. Das Gotteshaus war zu der Zeit gut besucht, doch die Gläubigen, die in das Gebet nach dem Fastenbrechen vertieft waren, hatten von dem Geschehen draußen zunächst nichts mitbekommen. Die Polizei war gegen 23.20 Uhr von einem Augenzeugen alarmiert worden, der zwei junge Männer beim Sprühen an der Fassade ertappt hatte. Eine noch in der Nacht eingeleitete Fahndung mit mehreren Streifenwagen blieb ohne Erfolg.

Tucay Cetin ist froh, dass der Anschlag „Gott sei Dank nur Farbe“ gewesen ist. Natürlich sei die Provokation ziemlich heftig, schließlich hätten sich in der Nacht 50 bis 60 Menschen in der Moschee befunden. Von dem guten Dialog, den man seit vielen Jahren mit allen Glaubensrichtungen in Welzheim pflege, habe sich dadurch jedoch niemand abbringen lassen. Im Gegenteil: durch die gemeinsame Aktion in der vor 14 Jahren gebauten Moschee sei man jetzt vielleicht sogar noch enger zusammengerückt, sagt Markus Frasch. Und beide betonen unisono: „Das Ganze war kein Angriff auf die Muslime, sondern ein Angriff auf ganz Welzheim.“

Auch sechs Tage nach der Tat hat die Polizei noch keine heiße Spur. Zwar hätten die Kollegen einige Vernehmungen durchgeführt, dabei habe sich jedoch keine Verbindung zu der dreisten Farbattacke ergeben, sagt der Polizeisprecher Klaus Hinderer. Die Ermittler hätten leider bisher nur wenigen Hinweisen nachgehen können.

Täter auf Überwachungsvideo zu sehen

Erkenntnisse erhofft man sich jetzt von einem Überwachungsvideo, das vom Haupteingang der Moschee aus aufgenommen wurde. Darauf sind zwei mit Kapuzenpullis bekleidete Sprayer zu sehen, ihre Gesichter sind jedoch kaum zu erkennen. Man werde versuchen, den Film in einzelne Sequenzen zu zerlegen, doch die Arbeit sei aufwendig und benötige Zeit, sagt der Polizeisprecher. Im Übrigen sei man von der Tat ähnlich überrascht worden wie die Betroffenen selbst. Weder seien in jüngster Zeit ähnliche Aktionen noch Drohungen gegen den Moscheeverein bekannt geworden. Zwar habe es früher durchaus eine rechtsorientierte Szene im Welzheimer Wald gegeben, doch die Polizei sei eigentlich davon ausgegangen, dass sich diese zerschlagen habe und keine neue herangewachsen sei. Nun werde man aber alles daran setzen, die Täter zu ermitteln.

Darauf hofft auch Markus Frasch. „Es wäre wichtig zu wissen, was und wer dahinter steckt.“ Sollten die Schmierereien tatsächlich einen rechtsextremen Hintergrund haben, müsse man darauf reagieren. Möglich sei freilich auch eine vergleichsweise harmlose, wenn auch äußerst geschmacklose Provokation. „Wir müssen wachsam bleiben, sollten aber weder Angst schüren noch bagatellisieren.“

Die konzertierte Malaktion ist unterdessen in vollem Gange. Yasemin Dagdeviren hat weiße Spritzer im Gesicht, die 18-jährige angehende Bankkauffrau will den Pinsel denn auch demnächst an einen ihrer Arbeitskollegen weitergeben. Auch andere Helfer stehen schon Schlange. Dass bis zum Seker Bayrami, dem Zuckerfest, das am kommenden Freitag das Ende der Fastenzeit markiert, alle Spuren beseitigt sind, daran hat keiner auch nur einen Zweifel.




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