Stuttgart - Plus 17 Prozent. Der Bosch-Konzern kann sich über einen gewaltigen Umsatzsprung im ersten Quartal freuen. Die Geschäfte laufen gut. Auch das gesamte Jahr soll sich erfreulich entwickeln, heißt es. Der Technologiekonzern kann also optimistisch in die Zukunft blicken. Oder doch nicht?
Eine Sorge treibt nicht nur Bosch und die gesamte Autoindustrie, sondern viele Unternehmen in ganz unterschiedlichen Branchen um: der Mangel an Halbleitern. Zwei von drei Firmen in Deutschland sind auf Importe von elektronischen Bauelementen angewiesen. Es sind die Chemie- und Pharmaindustrie genauso wie die Finanzbranche und der Maschinenbau. Wegen fehlender Halbleiter hat Daimler jetzt Kurzarbeit in zwei Mercedes-Werken angekündigt. Wie viele Fahrzeuge nun nicht produziert werden, ist unklar.
Wie beim Domino
Solche Entwicklungen können voll auf einen Zulieferer wie Bosch durchschlagen und jegliche Prognose alt aussehen lassen. Denn im Endeffekt dreht es sich ja nicht nur um Halbleiter. Wenn Autos nicht mehr produziert werden können, ruft der Hersteller bei seinem Zulieferer überhaupt keine Komponenten für diese Fahrzeuge ab. Die Gefahr eines Dominoeffekts besteht – und die möglichen Auswirkungen mag man sich lieber nicht ausmalen.
Natürlich ist es gut, dass Bosch nun seine Kapazitäten bei elektronischen Bauelementen steigert. In Reutlingen soll investiert werden, um den Output des dortigen Halbleiterwerks um zehn Prozent zu erhöhen. Und die Chipfabrik in Dresden soll drei Monate früher als bisher geplant die Produktion aufnehmen. Das hilft, natürlich. Doch es löst nur einen Teil der Probleme. Denn auch Bosch hat beileibe nicht alle benötigten Chips im Angebot. Wie gesagt: Ein Auto kann erst vom Band laufen, wenn alle Teile verbaut sind.
Schnell über Konsequenzen reden
Natürlich muss jetzt alles getan werden, um die Krise zu meistern. Doch schon parallel dazu muss über Konsequenzen geredet werden. Eine größere Lagerhaltung der Unternehmen ist dabei eine Lösung. Zusätzliche Produktionskapazitäten in Europa, was ja auch die EU auf den Weg bringen will, sind ein anderer Weg. Das ist nur längerfristig realisierbar. Beide Wege sind also nötig – sie dürften im Endeffekt allemal billiger sein als das, was die Branche derzeit stemmen muss.