Halbzeit für den Abgeordneten Matthias Gastel (Grüne) Der Bahnpolitiker von den Fildern ist ständig auf Achse

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Die Hälfte der aktuellen Legislaturperiode im Deutschen Bundestag ist bereits um. Der Filderstädter Abgeordnete Matthias Gastel (Grüne) zieht eine Zwischenbilanz.

„Im Bundestag zu sein, hat sehr viel mit Unterwegssein zu tun“, beschreibt der Abgeordnete Matthias Gastel von den Grünen, wie sich sein Leben „kolossal verändert“ hat. Foto: Norbert J. Leven
„Im Bundestag zu sein, hat sehr viel mit Unterwegssein zu tun“, beschreibt der Abgeordnete Matthias Gastel von den Grünen, wie sich sein Leben „kolossal verändert“ hat. Foto: Norbert J. Leven

Filder - Der Frustfaktor, könnte man denken, muss hoch sein: hier die Regierungskoalition, die 80 Prozent aller Abgeordneten im Deutschen Bundestag stellt. Dort der kleine Rest an Volksvertretern, der zwar Oppositionsarbeit macht, dem aber Erfolgserlebnisse verwehrt bleiben. Doch Matthias Gastel, Abgeordneter der Grünen aus Filderstadt, will nicht über Gepflogenheiten der Berliner Politik jammern. „Ich kenne es ja nicht anders“, sagt er am Donnerstag auf Nachfrage bei seiner Halbzeitbilanz. Schnell hat er gelernt, dass es für den Erfolg nicht darauf ankommt, ob ein Antrag gut oder schlecht ist, „sondern von wem er kommt“.

Der Einzug in den Bundestag hat Konsequenzen gehabt für den erfahrenen Kommunalpolitiker. „Das Leben verändert sich kolossal“, sagt Gastel. „Im Bundestag zu sein, hat sehr viel mit Unterwegssein zu tun.“ Zumal für einen Abgeordneten einer relativ kleinen Fraktion. Gastel ist nicht nur zuständig für seinen Wahlkreis Nürtingen/Filder, sondern für die Landkreise Esslingen, Böblingen, Göppingen und Heidenheim. Als Mitglied im Verkehrsausschuss und bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion ist Gastel ständig quer durch die Republik auf Achse. „Freiräume für Privates zu finden, ist schwierig“, räumt er ein. „Bis Jahresende sind Abende und Wochenenden belegt.“

Buchführung übers Reisen

Weil Gastel penibel Buch führt, kann er seine Reisetätigkeit nun auch einer breiten Öffentlichkeit plakativ belegen: im Fernverkehr ist er 218 mal mit dem Zug gefahren, er hat viermal den Fernbus genommen und ist sogar zweimal in ein Flugzeug gestiegen. In Berlin erledigt er 67 Prozent seiner Termine mit dem Fahrrad, 15 Prozent mit U-Bahn und Bus, zehn Prozent mit dem Auto und in acht Prozent der Fälle geht er zu Fuß.

Gastels Leib- und Magenthemen rund um seinen Einsatz für einen attraktiveren Bahnverkehr werden zurzeit allerdings an den Rand gedrängt. Auch bei ihm „überlagert die Flüchtlingspolitik zurzeit alles andere, was auch wichtig wäre wahrgenommen zu werden“. Gastel sieht „dringenden Handlungsbedarf“ bei der Beschleunigung und Vereinfachung der Anerkennungsverfahren. Eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in Europa hält er für geboten. „Ich vermisse ein Europa, das solidarisch und als Wertegemeinschaft erkennbar ist“, sagt Gastel. Einfache Lösungen gebe es nicht. „Stacheldraht und Mauern sind Vergangenheit. Sie können kein Mittel der Zukunft sein“, wendet er sich gegen Abschottungstendenzen.

Viel Papierkram

Die Arbeit als Abgeordneter hat auch viel mit Papierkram zu tun. Exakt 81 schriftliche oder mündliche Anfragen hat er in den zurückliegenden Jahren an die Bundesregierung gerichtet und 37 sogenannte Kleine Anfragen federführend initiiert. Insbesondere mit diesen Mitteln setzt er seine „kritische Begleitung“ des Bahnprojekts Stuttgart 21 um oder versucht Verbesserungen für die S-Bahn in der Region zu erreichen. Aber auch bei den Fragen kommt es darauf an, wer sie stellt.




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