Hallenbad Sindelfingen Aus für das 50-Meter-Becken?
Es ist eines der Aushängeschilder Sindelfingens: das Hallenbad mit seiner 50-Meter-Bahn. Nach Plänen der Stadtverwaltung könnte es zu Gunsten eines Familienbads verschwinden.
Es ist eines der Aushängeschilder Sindelfingens: das Hallenbad mit seiner 50-Meter-Bahn. Nach Plänen der Stadtverwaltung könnte es zu Gunsten eines Familienbads verschwinden.
Mal wieder liegen neue Pläne für die Neugestaltung des Sindelfinger Badezentrums auf dem Tisch. Diese präsentierte die Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag dem Gemeinderat.
Zwei Varianten stehen zur Disposition: Variante eins sieht die Sanierung und den Umbau des bestehenden Gebäudes vor. Um das Bad, das regional und überregional vor allem als Trainingsstätte für Schwimmer bekannt ist, auch für Familien attraktiver zu machen, soll es zu einem modernen Badezentrum umgebaut werden: mit einem Variobecken und Rutschen. Dafür müsste aber das 50-Meter-Becken geopfert werden.
Als Alternative für die Leistungssportler schlägt die Stadtverwaltung bei Umsetzung dieser Variante eine längere Öffnung des 50-Meter-Beckens im Freibad vor. So könnten die Sportler von März bis November dort trainieren und müssten nur drei Monate im Jahr auf andere Sportstätten in der Region ausweichen.
Variante zwei sieht einen Neubau vor. In diesem fände auch ein 52,5-Meter-Becken Platz. Der Clou: Durch eine Wendebrücke könnte dieses Becken in zwei Becken geteilt werden. Damit wäre man flexibel: Leistungssportler könnten hier weiter trainieren und Wettkämpfe stattfinden, Familien kämen mit einem Spaßbereich und Rutschen zu ihrem Recht. An der einen Seite des Beckens ist zudem ein Sprungturm vorgesehen.
Die Kosten für beide Varianten sind etwa gleich und liegen aktuell bei um die 90 Millionen Euro - und damit rund 30 Millionen unter den Kosten für die bisherigen Pläne. Mit einem Unterschied: Für Variante eins rechnet die Stadtverwaltung fest mit einem Förderzuschuss von fünf Millionen Euro. Ob dieses Geld auch bei Variante zwei fließt, ist unsicher.
Andererseits könnte der Neubau die städtischen Finanzen entlasten. Denn durch die größeren Kapazitäten des trennbaren Beckens kann dann auf die Sanierung des Klostergartenbads verzichtet werden. Auf 30 Millionen Euro schätzt die Verwaltung die Kosten. Der schulische Schwimmunterricht, der bisher im Klosterbad stattfindet, könnte dann ins Badezentrum verlegt werden. Ein Nachteil des Neubaus: Dieser würde länger dauern als die Sanierung im Bestand. Das würde eine längere Schließung des Bads bedeuten.
Im kommenden Jahr wird das Hallenbad 50 Jahre alt. Bei seiner Eröffnung war es weit und breit das modernste Bad und das einzige in der Region mit einem 50-Meter-Becken für Sportschwimmer. Deshalb gibt es in Sindelfingen immer wieder auch nationale und internationale Schwimmwettkämpfe. Die Gewerbesteuer floss in den 1970er-Jahren so reichlich, dass sich die Stadt ein Prestigeobjekt nach dem anderen leistete. Doch im Laufe der Jahre und mit sinkenden Steuereinnahmen erwiesen sich diese Objekte als teuer im Unterhalt. Zu teuer für eine Stadt von der Größe Sindelfingens.
Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt steht fest, dass das Bad saniert werden muss. 2016 hatte die Stadtverwaltung bei einer Bürgerinfo drei verschiedene Varianten zur Neugestaltung präsentiert: Eine ausschließliche Sanierung des Bestands sowie zwei Varianten zur Neugestaltung zu einem Spaßbad mit Attraktionen für Kinder und Jugendliche.
2019 hatte der Gemeinderat beschlossen, kräftig zu investieren: Das Bad sollte zu einem modern Familienbad ausgebaut werden. Doch Geld für die Umsetzung dieser Pläne gab und gibt es nicht. Und die Kritik an diesem Projekt, dessen Kosten zuletzt auf knapp 120 Millionen Euro geschätzt wurden, wurde immer lauter. Deshalb sollte ein Bürgerentscheid über die Zukunft des Bads entscheiden: nur Sanierung oder Umbau zu einem Spaßbad. Der Bürgerentscheid war für März vorgesehen.
Doch nun wurde er abgesagt. „Wir haben wegen der neuen Pläne keine Frage, die wir formulieren könnten“, sagte der Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU) im Gremium. Denn eine reine Sanierung des Hallenbads sei unwirtschaftlich und käme nicht in Frage. Deshalb hatte der neue OB alles wieder auf Null gesetzt und neue Pläne beauftragt. In den kommenden Monaten sollen diese konkretisiert werden. Dann beginnt eine neue Debatte.