Hallenfußball in Jettingen „Uns hatten wenige auf der Rechnung“ – SG Gäufelden holt den Henkelpott

Finalisten unter sich: Die SG Gäufelden (in Dunkelblau) besiegte den TV Nebringen (in blau-schwarz-gestreiften Trikots) nach Verlängerung mit 2:1. Foto: Harald Rommel

Die SG Gäufelden hat das 46. Jettinger Hallenfußballturnier gewonnen. Durch den 2:1-Finalsieg gegen den TV Nebringen gelang dem Team Historisches. Auch der neue Modus überzeugte alle.

Neuer Modus, neuer Sieger. Eine Uraufführung mit einem völlig neuen Format in der Vorrunde sowie mit einem kessen Gewinner, der Titelverteidiger FC Unterjettingen ablöste, erlebte die 46. Auflage des Jettinger Hallenfußballturniers.

 

Zum ersten Mal überhaupt konnte sich die erst 2022 gegründete SG Gäufelden nach dem hauchdünnen 2:1-Finalsieg nach Verlängerung über Nachbar TV Nebringen in der Siegerliste eines Aktiventurniers verewigen. „Uns hatten nicht viele auf der Rechnung“, strahlte Anton Schuster, der normalerweise die SG-Reserve coacht, über den Meilenstein in der kurzen Geschichte der Spielgemeinschaft. „Darauf dürfen alle stolz sein.“

Mit Modus wird bei Hallenturnier in Jettingen aus Not eine Tugend gemacht

Seit 1979 hingegen gibt es schon das Jettinger Turnier, bei dem diesmal aus der Not eine Tugend gemacht wurde. Nachdem die rührigen Macher um Mesut Yavuzel, Abteilungsleiter beim FC Unterjettingen, von nur 16 Mannschaften eine Zusage erhalten hatten, gingen sie in der Gruppenphase völlig neue Wege. „Um die Spannung über die drei Tage dennoch hoch zu halten, haben wir uns entschieden, die Vorrunde an den neuen Ligamodus der europäischen Wettbewerbe anzulehnen“, erklärte das Organisationsteam.

Gespielt wurde an beiden Qualitagen mit je acht Teams. Dabei traten alle jeweils gegen fünf Gegner an, die im Zuge einer Auslosung ermittelt wurden. Am Ende der Vorrunde wurde eine Gesamttabelle gebildet, aus der sich die ersten zwölf Mannschaften für die Zwischenrunde qualifizierten. Ein Format, das sowohl bei den Zuschauern, die dafür sorgten, dass die Willy Dieterle Halle drei Tage lang rappelvoll war, als auch bei den meisten Teilnehmern bestens ankam. Dieser Modus hat sicherlich Zukunft.

Viertelfinale: Nachdem in der Zwischenrunde nochmals gesiebt worden war, standen die spannungsgeladenen K.o.-Runden auf dem Programm. Mit dem einzigen Treffer gegen die SF Kayh während der zwölfminütigen Spielzeit sicherte Tim Luca Widmann dem klassenhöheren TV Nebringen das erste Halbfinalticket. Das nächste ging an Titelverteidiger FC Unterjettingen. Für das 1:0 im Kräftemessen mit dem TV Gültstein war Keeper Florian Sandner verantwortlich.

Dagegen wurde im dritten Viertelfinale nicht mit Toren gegeizt. Der VfL Oberjettingen lag nach den Buden von Pascal Till und Lucas Flister zwar schnell mit 2:0 vorne, doch die VfL Herrenberg U19 steckte nicht auf und knüpfte nun an ihre bärenstarke Vorstellung zuvor mit sieben Siegen in sieben Spielen bei 32:4 Toren an. Jonathan Kurrle und Tom Böttinger sorgten für den Ausgleich zum 2:2. Oberjettingen musste sich nun mächtig strecken, um durch Lucas Flister und Marc Baur zum 4:2-Sieg zu kommen.

In die Turnierauswahl berufen (v. li.): Salvatore Frazetta vom FC Unterjettingen, Adriano Oliveira Pinto von der SG Gäufelden, Keeper Eduard Spät vom TV Nebringen, Nico Flister vom VfL Oberjettingen und Torschützenkönig Tim Luca Widmann vom TV Nebringen. Foto: Harald Rommel

Wenig Federlesen machte der spätere Turniersieger SG Gäufelden mit dem chancenlosen TSV Wildberg. Schlussmann Kevin Weiss, Lenny Medic, Adriano Oliveira Pinto, Kevin Sießer, Claudio Roberto Pintos Gomez und Salvatore Ferro machten das halbe Dutzend voll, ehe Cedric Tatokoua der Ehrentreffer zum 6:1-Endstand gelang.

Halbfinale: Mächtig Leben in der Bude war im ersten Duell der Vorschlussrunde. Salvatore Frazzetta brachte Gastgeber FC Unterjettingen in Front, Louis Egeler egalisierte für den TV Nebringen. Es ging rauf und runter. Hasan Asmadili sorgte für die erneute FCU-Führung, doch Mario Fischer rettete seine Farben mit dem 2:2 ins Zehnmeterschießen. Hier fabrizierten die Unterjettinger jedoch gleich drei Fahrkarten, sodass der TVN letztendlich leichtes Spiel hatte um sich mit 5:3 durchzusetzen.

Einen Blitzstart legte im anderen Halbfinale die SG Gäufelden hin. Adriano Oliveira Pinto und Jano Schickner sorgten für ein schnelles 2:0. Der VfL Oberjettingen kam nicht so recht auf Touren, mehr als der Anschlusstreffer zum 2:1-Endresultat durch Nico Flister war nicht drin.

Spiel um Platz drei: Eigentlich hatten sich die meisten der gut und gerne 500 Zuschauer in der Halle ein reines Jettinger Duell im Finale und nicht im Spiel um den dritten Rang gewünscht. Doch das Derby, in dem es weniger um die 200 Euro für den Bronzerang ging, sondern vielmehr ums Prestige, hielt, was es versprach. Nach dem Treffer von Salvatore Frazzetta für den FC Unterjettingen drehten Marc Baur, Nico Flister und Pascal Till das Blatt zum 3:1 für den VfL Oberjettingen. Doch der Lokalrivale gab nicht klein bei. Torhüter Florian Sandner und Marvin Paul sorgten noch für den 3:3-Ausgleich und das Zehnmeterschießen. Hier bekleckerten sich die Schützen wahrlich nicht mit Ruhm. Von zehn Akteuren traf lediglich ein Trio ins Schwarze, Unterjettingen gewann mit 5:4.

Finale: „Der Knoten ist bei uns nach und nach aufgegangen“, gingen Anton Schuster von der SG Gäufelden und Spielertrainer Marco Werner vom TV Nebringen („wir sind ins Finale ohne Niederlage eingezogen“) beide voller Zuversicht ins sechzigste und letzte Spiel des Turniers. Schnell markierte Mario Fischer für den TVN das 1:0. Die SG bewies jedoch einen langen Atem. 84 Sekunden vor dem Ende sorgte Jano Schickner für den Ausgleich und die Verlängerung. „Da lief es für uns dann nicht rund“, sah Marco Werner, dass seiner Truppe wenig einfiel. Erst recht nicht mehr, nachdem Lenny Medic mit dem 258. Turniertreffer das siegbringende 2:1 gelang.

„Dennoch sind wir zufrieden mit dem Erreichten“, so Marco Werner, der mit einer Kombination aus erster und zweiter Mannschaft angetreten war. Sein Gegenüber Anton Schuster hatte derweil schnell ausgemacht was seinen Schützlingen nicht nur einen historischen Moment bescherte, sondern auch einen mit 750 Euro gefüllten nigelnagelneuen Henkelpott: „Bei uns war im Endspiel der unbedingte Wille da. Jeder war bereit, eine Schippe drauf zu legen“.

Mannschaft des Turniers: Keeper Eduard Spät vom TV Nebringen wurde ebenso in die Turnierauswahl gewählt wie sein Teamkollege Tim Luca Widmann, der mit neun Treffern zugleich Torschützenkönig wurde, sowie Nico Flister (VfL Oberjettingen), Salvatore Frazzetta (FC Unterjettingen) und Adriano Oliveira Pinto (SG Gäufelden).

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