Die U19-Fußballer vom VfB Stuttgart waren nah dran, erneut den Mercedes-Benz Junior-Cup im Sindelfinger Glaspalast zu gewinnen. Doch im Finale war der FC Basel stärker und krönte sich.
Sascha Berger
11.01.2026 - 19:01 Uhr
Der Gewinner des Mercedes-Benz Junior-Cups kommt zum ersten Mal aus der Schweiz. Der FC Basel bezwang im Endspiel den VfB Stuttgart mit 4:1 und verhinderte damit nach den Erfolgen von 2024 und von 2025 dessen Titel-Hattrick. Den dritten Platz belegte Rapid Wien, das sich im kleinen Finale gegen das Überraschungsteam von Odense BK aus Dänemark durchsetzen konnte.
Kleiner Trost für den VfB Stuttgart: Kapitän Matheos Tsigkas wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Torschützenkönig wurde mit fünf Treffern Simone Cannizzaro von Bayer Leverkusen, als bester Torhüter des Junior-Cups 2026 wurde Julian Schmutz von Gewinner FC Basel ausgezeichnet.
VfB Stuttgart schlägt in Zwischenrunde 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen
Zwischenrunde: Exaouse Vunguidica vom 1. FC Köln war erster Torschütze am Finaltag. Sein 1:0 gegen den VfB Stuttgart reichte aber nicht, denn die Schwaben bestätigten nach einer kurzen Anlaufphase ihre Form vom Vortag und gewannen mit 4:2. Dabei zeigte vor allem Stuttgarts Kapitän Matheos Tsigkas, wie Hallenfußball mit Bande funktioniert. Zweimal war er bei einem Abpraller von der Bande zur Stelle und brachte seine Farben mit zwei Treffern auf die Siegerstraße. Karl Kempf und Mykola Petrovskyi waren die weiteren VfB-Torschützen.
Auch im zweiten Spiel ließen die Roten aus Cannstatt keine Zweifel aufkommen. Mit dem 5:1 gegen Bayer 04 Leverkusen feierten sie den fünften Sieg in ihrer insgesamt fünften Partie und zogen als Sieger der Gruppe I souverän in das Halbfinale ein. Als Zweiter hinter den Schwaben lief dahinter Rapid Wien ins Zwischenrundenziel ein. Die Österreicher konnten sowohl gegen Leverkusen als auch gegen Köln ebenfalls gewinnen.
In der Gruppe II kam der FC Basel mit einem 2:2 gegen den FC Sao Paulo und einem 3:2-Sieg gegen Bayern München als Gruppensieger ins Halbfinale. Die Vorschlussrunde komplettierte Junior-Cup-Debütant Odense BK. Die Brasilianer aus Sao Paulo holten immerhin ihre ersten beiden Unentschieden – gegen die Dänen reichte es zu einem 1:1 –, schlossen das Turnier aber ohne Sieg ab.
Halbfinale: Vom frischen Angriffsfußball zuvor schaltete der VfB Stuttgart gegen Odense BK zunächst auf kontrollierte Offensive um. Beide Mannschaften begannen eher vorsichtig, ohne zu viel zu riskieren. Ein genialer Moment reichte den Brustringkickern zur Führung. Nach einem Pass über die Bande war Colin Kroll-Thiel frei und traf kurz vor dem Seitenwechsel zum 1:0. Warum Stuttgarts bis dahin souveräne Nummer 1 Ioannis Kechlimparis in der zweiten Hälfte zweimal unnötig ins Dribbling ging wird sein Geheimnis bleiben, doch die beiden Ausflüge machte er mit einer Rettungstat gegen Mads Larsen wieder gut. Die Dänen bemühten sich zwar, konnten den VfB aber mit Distanzschüssen nicht mehr ernsthaft in Bedrängnis bringen. Mit dem 2:0 durch Neno Zezelj war der Drops gelutscht.
Das 2:0 von Nino Zezelj (re.) gegen Odense BK beseitigte alle Zweifel am erneuten Finaleinzug des VfB Stuttgart. Foto: Eibner/Tobias Baur
Das offene Duell zwischen Rapid Wien und dem FC Basel prägte die Nummer 6 der Schweizer, Gjan Ajdin, der sein Team in Front schoss. Die Österreicher drängten nach dem Seitenwechsel mit mehr Tempo auf den Ausgleich, aber Gjan Ajdin war es, der traf. In die Wiener Drangphase hinein besorgte er das 2:0, und als sich Rapid mit einer Zeitstrafe selbst um alle Chancen brachte, schnürte er mit dem 3:0 seinen Hattrick. Den Schlusspunkt setzte Damjan Coric zum überraschend klaren 4:0-Sieg für Basel.
Spiel um Platz sieben: Ein Sieg beim diesjährigen Junior-Cup war dem FC Sao Paulo nicht vergönnt. Nach den drei Niederlagen in der Vorrunde und den beiden Unentschieden in der Zwischenrunde verloren die Südamerikaner nun mit 0:2 gegen den 1. FC Köln, der damit seinen ersten und einzigen Erfolg feierte.
Spiel um Platz fünf: Im Bundesliga-Duell zwischen Bayern München und Bayer 04 Leverkusen ging es torreich zu. Erst 1:0 für die Rheinländer, dann 2:1 für die U19 des deutschen Rekordmeisters und schließlich 2:2. Im Zehnmeterschießen sicherten sich die Leverkusener dann Rang fünf, das Endergebnis lautete 5:3.
Spiel um Platz drei: Odense BK konnte seine gute Premiere im Sindelfinger Glaspalast nicht mit einem Platz auf dem Treppchen krönen. Die Dänen konnten zwar zunächst einen 0:1 Rückstand gegen Rapid Wien egalisieren, doch auf das 1:2 hatten sie keine Antwort. Somit konnten sich die Österreicher nach der klaren Halbfinalniederlage damit trösten, ein weiteres Mal aufs Podium gekommen zu sein.
„Mir hat gefallen, dass meine Jungs mit großer Lust Fußball gespielt haben.“
Tobias Rathgeb, Trainer VfB Stuttgart, nach der Finalniederlage
Finale: Mit sechs Siegen aus sechs Spielen ging der VfB Stuttgart als Favorit in die letzte Partie des Turniers. Dort traf er aber auf einen vom Anpfiff weg gefährlichen FC Basel, der gleich seine erste Chance zur Führung nutzte, als nach einem Abpraller von der Bande Justin Eglin blitzschnell zur Stelle war. Auch wenn der Ausgleich durch Colin Kroll-Thiel für die Schwaben keine Minute später fiel, blieben die Schweizer die gefährlichere Mannschaft. VfB-Keeper Ioannis Kechlimparis musste gegen Melwane Zaidi retten, Marco Correira verpasste mit seinem Schuss das Gehäuse nur knapp. Für ihre Führung benötigten die Schweizer unfreiwillige Hilfe der Stuttgarter, eine Flanke von Marco Correira glitt Kechlimparis durch die Hände ins eigene Netz.
Hatten die VfB-Fans im Glaspalast in der ersten Halbzeit noch einen Strafstoß gefordert, als Massimo Di Benedetto im Strafraum zu Fall kam, war ihr Unmut noch größer, als der Schiedsrichter nach dem Seitenwechsel einen Zehnmeter für den Gegner pfiff. Basels Ben Huber wurde vermeintlich gefoult, Muhamed Kurtishi erhöhte vom Punkt auf 3:1. Jetzt lief den Roten aus Cannstatt die Zeit weg. Bis auf einige Distanzschüsse brachten sie den FCB-Kasten allerdings nicht mehr in Gefahr. Und als Kechlimparis in der gegnerischen Hälfte den Ball verlor und Melwane Zaidi ins leere Tor zum 4:1 traf, war die Sache entschieden.
Der FC Basel feierte den Turniersieg, Trainer Tobias Rathgeb vom VfB Stuttgart fand trotz der Niederlage tröstende Worte für seine Truppe: „Mir hat gefallen, dass meine Jungs mit großer Lust Fußball gespielt haben. Ich bin stolz auf die Mannschaft, auch wenn es nicht zum Turniersieg gereicht hat.“