Tanzende Fans auf den Rängen der Halle an der Hohen Eiche in Degerloch, jubelnde und sich in den Armen liegende Akteure auf dem Spielfeld: Der HTC Stuttgarter Kickers hat am Samstag in einem an Dramatik wohl kaum zu überbietenden Spiel mit mehreren Gefühlszuständen das Schlusslicht SC Frankfurt mit 9:7 (1:4) besiegt und damit erneut den Klassenverbleib in der Bundesliga geschafft. „Immerhin, einen Spieltag früher als in der Vorsaison, da war es nämlich erst am letzten“, sagt Kickers-Kapitän Richard Bremges strahlend.
Das Spiel mit Kickers-Happy-End ging gewaltig an die Substanz. Am besten war das an der Reaktion von Coach Tin Matkovic selbst einige Minute nach dem Abpfiff noch abzulesen. Während seine Schützlinge über das gesamte Gesicht strahlten und ihre Freude lautstark gen Hallendecke brüllten, saß er alleine auf der Bank, hatte seine Hände vor dem Gesicht und schüttelte wieder und wieder den Kopf. Als er sich dann wieder gefangen hatte, sagte Matkovic: „Das war 20 Prozent emotionaler und dramatischer als bei der Europameisterschaft.“ Der Kickers-Cheftrainer ist nämlich auch Assistenzcoach der polnischen Nationalmannschaft und wurde in dieser Funktion vor zwei Wochen Vize-Europameister.
Freilich, der gebürtige Kroate Matkovic hat den Glauben an sein Team am vergangenen Samstag „zu keiner Zeit“ – wie er sagt – verloren. Jedoch stand dieses Vertrauen während der 60 Minuten im Spiel gegen die Hessen gleich mehrmals auf dem Prüfstand. Es lief für die „Blauen“ nämlich lange Zeit katastrophal. Nach 33 Minuten erzielte Magnus Hautzel für die Frankfurter nämlich das 5:1. Doch anders als in „vielen Saisonspielen haben wir trotz eines so großen Rückstandes nicht aufgegeben, sondern bis zum Schluss durchgezogen“, konstatiert Kapitän Bremges. Im Hallenhockey gebe es oft viele Rückschläge, aber dennoch könne eine Partie noch gewonnen werden, so Bremges weiter. Und so kämpften die Kickers weiter und fanden tatsächlich ins Spiel zurück. Paul Breuling, Nicolas Vogt und zweimal John-Paul Britz (hatte auch schon auf 1:3 verkürzt) sorgten für den 5:5-Ausgleich zwölf Minuten vor dem Abpfiff. Britz’ Ausgleichstreffer resultierte aus einer der zahlreichen Kurzen Ecken, der Schwäche der Kickers nicht nur gegen Frankfurt. „Schon die ganze Runde über haben wir die große Chance zum Torerfolg über die Ecken selten genutzt, mussten uns die Tore über das Feld hart herausspielen“, weiß Bremges. Ein Remis hätte den Stuttgartern gereicht, um den Gegner auf dem letzten Platz zu halten und es vor dem abschließenden Spiel in Ludwigsburg in Sachen Nichtabstieg noch selbst in der Hand zu haben.
Die Gäste aus Frankfurt entpuppten sich am Samstag indes als wahre Eckenspezialisten, verwerteten drei von vier Optionen. Eine davon zur erneuten, eigenen 6:5-Führung (50.). Drei Minuten später jubelten die Hessen erneut zum 7:5 und schienen nun den Sieg einzutüten. Aufgeben war aber auch weiterhin keine Option für die Kickers. Sieben Minuten blieben noch auf der Uhr, um zumindest das wichtige Remis herzustellen. Matkovic nahm seinen Torhüter Ole Steinbrinck aus dem Kasten, brachte einen weiteren Feldspieler. Die Maßnahme stach. Nicolas Vogt traf binnen einer Minute doppelt und stellte drei Minuten vor dem Abpfiff auf 7:7. Nun beorderten die Hessen ihren Torhüter im Tausch mit einem Feldspieler auf die Bank. Mit wenig Erfolg. Im Gegenteil. Britz erneut nach Kurzer Ecke und Fritz Wüterich ins verwaiste Gästegehäuse stellten den nicht mehr für möglichen 9:7-Erfolg und frühzeitigen Klassenverbleib her.
Die 3:6-Niederlage in der finalen Saisonpartie am Sonntag beim HC Ludwigsburg war für die Kickers dann verkraftbar. Die Tore für die Degerlocher erzielten Florian Bauer (2) und John-Paul Britz.
Nun schickt Matkovic die Seinen für einen Monat in die Pause. Dann geht es „mit Vollgas“, so der Coach, in die Vorbereitung auf die Feldsaison.