Hallennot in Stuttgart-Plieningen/Birkach Sportler fühlen sich abgehängt

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Viele Sporthallen in Stuttgart-Plieningen und Stuttgart-Birkach sind marode und werden von Vereinen aus der ganzen Stadt belegt. Das frustriert die ansässigen Vereine und Schulen. Der Wunsch nach einer Mehrzweckhalle ist nun auch bei OB Fritz Kuhn angelangt.

Sie kämpfen gemeinsam gegen die Hallennot: die Sportler aus Plieningen und Birkach. Auf dem Foto sind Handballerinnen des TV Plieningen zu sehen sowie deren Co-Trainer Markus Daigel (links) und  Folker Baur, der Vereinsvorsitzende (rechts). Foto: Yavuz Dural
Sie kämpfen gemeinsam gegen die Hallennot: die Sportler aus Plieningen und Birkach. Auf dem Foto sind Handballerinnen des TV Plieningen zu sehen sowie deren Co-Trainer Markus Daigel (links) und Folker Baur, der Vereinsvorsitzende (rechts). Foto: Yavuz Dural

Plieningen/Birkach - Es scheint wie eine Never-Ending-Story, eine niemals enden wollende Geschichte: der Wunsch der Plieninger und Birkacher nach einer Mehrzweckhalle. Bereits im Februar 2015, vor mehr als drei Jahren, haben die beiden Elternbeiratsvorsitzenden des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim und der Körschtalschule einen Runden Tisch einberufen, um über den Mangel an Sportstätten in den beiden Stadtbezirken zu sprechen. Seitdem haben sich zwar viele Sportler, Lokalpolitiker und Schüler für dieses Ziel engagiert, doch eine Mehrzweckhalle gibt es noch immer nicht, nicht einmal eine Planung.

Folker Baur, der Vorsitzende des Turnvereins (TV) Plieningen, spricht von einer „totalen Unterversorgung“: Da zusätzlich zu den rund 6000 Vereins-, Breiten-, Hochleistungs, Universitäts- und Schulsportlern aus Plieningen und Birkach auch mehrere Vereine aus dem gesamten Stadgebiet die Sporthallen dort nutzen, gibt es für die ansässigen Vereine und Schulen nicht genügend Platz, sagt Baur. Dazu kommt: Abgesehen von der Wolferhalle sind die Sporthallen in Plieningen und Birkach zum einen schlicht zu klein für Ballsportarten, zum anderen an mehreren Stellen marode. Da ist die Rede von losen Dachplatten, Splittern, die aus der Hallenverkleidung ragen, undichten Decken und Sportlern, die vor ihrem Training zunächst Dreck wegputzen müssen, bevor sie mit dem Training beginnen können.

Hallenversorgung liegt unter dem Durchschnitt

Sabine Witzke, die Schulleiterin des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim, bestätigt: „Ja, die Schüler und Lehrer klagen über den Zustand ihrer Sporthalle. Die massiven Steinmauern haben keinen Prellschutz, das Spielfeld ist zu klein für Ballsportarten, Tore sind nicht einmal vorhanden. Außerdem sind die Materialgaragen zu klein und immer wieder ist das Hallendach undicht.“ Für den Schulbetrieb sei die zu geringe Hallengröße jedoch das größte Problem: „Wir pendeln zwischen vier Sportstätten.“

Folker Baur vom TV Plieningen hat sich mit dem Sportbürgermeister Martin Schairer über die Situation unterhalten und berichtet: „Plieningen hat eine schlechtere Hallenversorgung als der Großteil Stuttgarts.“ Rudi Müller, der zweite Vorsitzende des Kraftsportvereins (KV) Plieningen, ergänzt: „Es ist ein riesiges Problem, dass die Stadt alle möglichen Vereine in der Wolferhalle unterbringt. Wir bekommen dadurch nicht genügend Zeit in den Hallen und die Plieninger Sportler hängen hinterher.“ In der Vergangenheit hörte etwa das Training der Fußballer auch einfach mal auf, wenn im Winter der Rasen gefroren war. In den Hallen gab es keinen Platz.

Auch ein Raum für Veranstaltungen fehlt

Doch den Menschen aus Plieningen und Birkach fehlt es nicht nur an einer Sportstätte, sondern auch an einem Raum für Veranstaltungen. Am Paracelsus-Gymnasium wird beispielsweise die Einschulung und der Abiball jedes Jahr im kleinen Eingangsbereich der Schule gefeiert – was nicht unbedingt zu einer feierlichen Stimmung beiträgt. Auch für andere Veranstaltungen wie große Konzerte oder Versammlungen von Ehrenamtlichen fehlt es an Platz. Aus diesem Grund kämpfen viele Plieninger und Birkacher seit Jahren dafür, dass nicht nur eine Sport-, sondern eben eine Mehrzweckhalle entsteht.

In der Bürgerversammlung in Plieningen vor wenigen Tagen wurde das wieder deutlich. Michael Mattig-Gerlach, der Elternbeiratsvorsitzende des Paracelsus-Gymnasiums, rief Oberbürgermeister Fritz Kuhn und den anderen Stuttgarter Bürgermeistern in Erinnerung: „Bereits 2015 landete unser Wunsch nach einer Mehrzweckhalle auf Platz drei des Bürgerhaushalts, im vergangenen Jahr erneut auf Platz zehn.“ Mattig-Gerlach mahnte: „Wie oft muss diese Mehrzweckhalle noch im Bürgerhaushalt auftauchen, bis etwas passiert?“. Der Plieninger Thorsten Häberlein bestärkte ihn: „Jede andere Gemeinde mit 13 400 Einwohnern (so viele Einwohner hat Plieningen) würde sich schämen angesichts unserer Turnhallen.“

Könnte der Platz hinter dem Hallenbad in Frage kommen?

Folker Baur machte einen ganz konkreten Vorschlag an die Bürgermeister: „Ich bitte Sie, zu überprüfen, ob die Fläche hinter dem Gartenhallenbad in Plieningen frei ist. Dort war früher mal eine Liegefläche, heute ist dort nichts mehr. Und wir brauchen diese Halle ganz, ganz dringend hier und nicht erst in fünf oder sieben Jahren.“ Damit sprach er vielen Plieningern aus der Seele, was auch Fritz Kuhn etwas scherzhaft bemerkte: „Mein inneres Applausmessgerät sagt mir, dass die Mehrzweckhalle die größte Zustimmung in dieser Einwohnerversammlung erfährt.“

Generell sind Sporthallen in Stuttgart ein rares Gut. Für die etwa 78 000 Schüler und 179 000 Vereinsmitglieder in der Stadt gibt es 35 große Sporthallen, die mindestens 44 Meter lang und 22 Meter breit sind und somit ein Handballfeld aufnehmen können. Dazu kommen 167 Indoor-Sportstätten; von der kleinen Gymnastikhalle mit 18 mal zehn Metern Fläche bis zur sogenannten Großturnhalle mit 33 mal 18 Metern. Von den insgesamt 202 überdachten Sportstätten sind 173 im städtischen Besitz, 29 werden von Vereinen betrieben. Das reicht aber in der Praxis oft nicht aus. Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit fünf Sportstätten im Stadtgebiet wegen Sanierungsarbeiten geschlossen sind.

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