Im Hof vor der großen Scheune des Heimatmuseums Rankbachtal in Malmsheim tummeln sich zahlreiche kleine Gespenster, Hexen und Skelette. So wie der kleine Aaron aus Schafhausen, der sich als Sensenmann verkleidet hat, natürlich mit Schädelmaske, klirrender Fußfessel und obligatorischer Sense bewaffnet. Sicherheitshalber hält er trotzdem Papas Hand in der abgedunkelten Scheune. Nur wenige Lichter erhellen die Finsternis. Türen knarren, Schritte hallen vom Dachboden. Von rechts und links rufen die Gespenster ihr schauriges „Huhu“. „Ich seh da was“, ruft eines der Kinder weiter vorne in der Scheune und schreckt kurz zurück vor dem Gespenst im Fass. „Der Ritter hat mich festgehalten“, ruft ein anderes Kind. Es ist der Ritter mit der eisernen Maske, der nach den Kindern greift.
Insgesamt haben sich in der Scheune zwölf Geister des Heimatmuseums versammelt, um den Kindern zu Halloween ein paar gruselige Momente zu verschaffen, darunter auch der Pestarzt Doktor Schnabel, der Henker und die schwarze Witwe. Für zwei Stunden haben die Vereinsmitglieder das Museum in ein Geisterhaus verwandelt.
Rübengeister statt Halloweenkürbisse
Seit 1991 betreibt der Heimatverein Rankbachtal in einer umgebauten ehemaligen Scheuer aus dem 18. Jahrhundert ein Heimatmuseum. Im Dunkeln nicht zu erkennen, werden hier bei Tage alte Gewerke des Steinhauers, des Schlossers, des Schmieds und Geräte aus der Landwirtschaft gezeigt. Aber auch Kuriositäten wie alte Nudelmaschinen, Radios und Schreibmaschinen sind zu entdecken.
Der Eingang des Museums ist an diesem Abend mit einem schwarzen Vorhang verhängt. Davor sorgt die Vereinsvorsitzende Verena Weidmann-Reisser in historischem Kostüm für einen geregelten Einlass in das Gruselmuseum. Beleuchtete Kürbisse wie bei Halloween heute üblich, sucht man hier vergebens. Stattdessen wird der Eingang von furchterregenden Rübengeistern, den „Angerschen“, bewacht. Verena Weidmann-Reisser war es wichtig, bei der Aktion den Ursprung der Gruselnacht vor Allerheiligen zu zeigen. Bevor der Halloweenkürbis hierzulande Einzug hielt, schnitzten die Kinder Rübengeister in der dunklen Jahreszeit. Die Rübe wird ausgehöhlt und bekommt ein möglichst gruseliges Gesicht, was sehr mühselig ist, da die Rüben extrem hart sind. In die Rübe wird dann ein Kerzenlicht gestellt. „Heute ist es allerdings schwierig, überhaupt an Futterrüben heranzukommen“, sagt die Vereinsvorsitzende.
Gruselnacht mit großem Ansturm
Schon zum zweiten Mal gibt es die Gruselnacht im Museum, bei der Premiere im Vorjahr hat Verena Weidmann-Reisser 170 kleine Besucherinnen und Besucher gezählt. Die beiden sechsjährigen Lena und Max aus Renningen sind schon zum zweiten Mal mit ihren Großeltern dabei. „Es ist eine schöne Idee, das sieht man am Ansturm.“ Von links und rechts aus den Gassen kommen immer mehr Kinder. Erschrocken hat sich die kleine Lena bei dem Rundgang nicht, im Gegenteil, sie will gleich noch mal durch das Gruselmuseum laufen. Klar ist, den Kindern macht es jede Menge Spaß und so wirklich beängstigend ist die kleine Tour auch nicht. Einerseits ängstigt das Gruseln, aber andererseits bringt es auch Freude. Der Schrecken verfliegt nach einem kurzen Moment, und eigentlich ist klar, dass nichts passieren kann.
Vor und nach der Gruseltour spuken die Kinder in Malmsheim so wie in vielen anderen Orten in ihren Kostümen durch die Nachbarschaft und sammeln Süßigkeiten.
Der Ursprung von Halloween
Schon die Kelten begingen am 31. Oktober Samhain, eines ihrer wichtigsten Feste. Sie feierten damit ihre Ernte, den Beginn der kalten Jahreszeit und den Start in ein neues Kalenderjahr. Die Kelten glaubten außerdem, dass es an diesem Tag Kontakte in das Reich der Toten geben kann. Zur Abschreckung der bösen Geister verkleideten sich die Menschen mit furchterregenden Kostümen und spukten bei Nacht durch die Straßen. Vor den Häusern standen kleine Gaben, die die Geister besänftigen sollten.
Das Wort Halloween entstand mit der Christianisierung. Die Kirche bezeichnete das heidnische Fest im 9. Jahrhundert als „All Hallows Eve“, also den Abend vor Allerheiligen. Der Brauch kam mit den Iren im 19. Jahrhundert in die USA. Und da die Rübe in Nordamerika nicht heimisch war, stießen die Neuankömmlinge als Ersatz auf den Kürbis.