Halloween in Stuttgart Der Tod hat viele Gesichter

Allerheiligen, Halloween und Dia de los Muertos: Stuttgarter gedenken auf unterschiedliche Weise der Toten – die Stadt ist international geprägt. Wir haben uns bei den Bürgern umgehört, was der 1. November für sie bedeutet.

Am Donnerstagabend steht Thorsten Schwämmle als Sänger der Band „Los Skeleteros“ in den Wagenhallen auf der Bühne – die Mariachi-Punker sind Teil einer Kultparty, die seit drei Jahren Stuttgart erobert und immer mehr Fans gewinnt. Foto: Michael Steinert
Am Donnerstagabend steht Thorsten Schwämmle als Sänger der Band „Los Skeleteros“ in den Wagenhallen auf der Bühne – die Mariachi-Punker sind Teil einer Kultparty, die seit drei Jahren Stuttgart erobert und immer mehr Fans gewinnt. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Werner Laub orientiert sich nicht an Monaten, sondern an christlichen Festen. Weihnachten, Ostern, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen – andere sagen: Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Gerade die Zeit um den 1. November ist für den Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth eine besondere Zeit: „Am Ende des Herbstes macht die Natur eine Pause und der Mensch kann zur Ruhe kommen.“ Zum Beispiel bei einem Besuch auf dem Friedhof, was für viele Menschen zu Allerheiligen gehört.

Auch Werner Laub, der beruflich das ganze Jahr über auf Friedhöfen ist, geht in diesen melancho­lischen Tagen gern privat zu den ­Ruhestätten. „Die Gräber sind schön hergerichtet, ich mag diese Atmosphäre.“

Für ihn gehören Allerheiligen und Allerseelen zusammen. Ein Tag nach dem gesetzlichen Feiertag, also immer am 2. November, wird nicht nur der Heiligen, sondern aller Verstorbenen gedacht. Laub nimmt die Definition von Heiligen ohnehin nicht so streng: „Dazu zählen für mich auch Menschen wie die Toten von Lampedusa.“ Einige der offiziellen Heiligen hätten ein ausschweifendes Leben geführt. „Zum Beispiel Augustinus oder Paulus.“ Und von Mutter Teresa, die Werner Laub sehr bewundert, wisse man inzwischen, dass sie zeitweise an der Existenz von Gott gezweifelt hat.

Für Werner Laub sind auch Menschen heilig, die ihm nahestanden und die er bereits verloren hat. Die Familie ist ihm wichtig, deshalb kommt er an Allerheiligen gern mit der Verwandtschaft zusammen: „Kaffee und Kuchen in wohliger Atmosphäre mit Onkel und Tanten.“

„Wir haben Rübengeister gebastelt“

Mit dem Trubel um Halloween kann Werner Laub nichts anfangen, wobei der Pfarrer mit dem Motorrad ein moderner und geselliger Mensch ist. „Wenn am 31. Oktober Kinder klingeln und Süßigkeiten wollen, grüße ich freundlich, aber gebe nichts“, sagt der 42-Jährige, der seit gut einem Jahr neben der Elisabethenkirche lebt.

Heidnische Bräuche an sich findet Werner Laub überhaupt nicht schlimm: „Wir haben früher auf dem Land auch Rübengeister gebastelt.“ Er mag es auch nicht, wenn manche Kirchenleute immer gleich Gefahren wittern. „Aber man sollte akzeptieren, dass ein Großteil der Gesellschaft an Allerheiligen etwas Bedeutendes feiert.“ Die Wertschätzung an sich sei ein hohes Gut, sagt er, „leider geht sie immer mehr verloren“. Als der Kulturschaffende Robin Bauer zum ersten Mal sein Rock-’n’-Roll-Halloween veranstaltete, zählte die Theodor-Heuss-Straße noch dreieinhalb statt 30 Bars. Es gab mehr Liveclubs als Partylocations. Und ein regelrechter Halloween-Hype mit zig Kostüm- und Kürbis-Partys war ebenfalls in weiter Ferne. „Meine Mutter Mary-Anne brachte mich damals auf die Idee“, erzählt Robin Bauer, der das Stuttgarter Subkulturleben als Konzertveranstalter, DJ und Musiker seit 1998 mitgestaltet.




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