Haltepunkt Stuttgart-Feuerbach Die Aufzüge am Bahnhof werden 2019 gebaut

Von Georg Friedel 


Vertreter der Deutschen Bahn berichteten in der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirates über den Stand der Stuttgart-21-Arbeiten am Haltepunkt Feuerbach und über den Zeitplan. Bis Mitte 2021 soll der Rohbau am Bahnhof Feuerbach fertig sein.

Michael Ditandy ist seit Anfang dieses Jahres Teamleiter am Haltepunkt Feuerbach. Der 31-jährige Ingenieur  war zuvor am Umbau des Hauptbahnhofs beteiligt. Foto: Georg Friedel
Michael Ditandy ist seit Anfang dieses Jahres Teamleiter am Haltepunkt Feuerbach. Der 31-jährige Ingenieur war zuvor am Umbau des Hauptbahnhofs beteiligt. Foto: Georg Friedel

Feuerbach - Für Pendler ist der Anblick der Baukräne, Bagger und Absperrgitter am Bahnhof Feuerbach ein alltägliches Bild. Seit Jahren wird hier im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 gebaut und gebuddelt. Etwas vereinfach gesagt, krempelt die Bahn den „Haltepunkt Feuerbach“ komplett um. Der Bezirksbeirat Feuerbach ließ sich nun von den Experten auf den aktuellen Sachstand bringen, nachdem dies alle Fraktionen in einem Antrag gefordert hatten. Außer Florian Bitzer von der DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm waren auch Michael Ditandy, Teamleiter am Haltepunkt Feuerbach und Alice Kaiser, Bürgerbeauftragte für Stuttgart 21 am Dienstagabend in den großen Sitzungssaal des Bezirksrathauses gekommen. Sie erstatten Bericht über geplante Maßnahmen und beantworteten Fragen.

„Mit dem Rohbau werden wir voraussichtlich Mitte 2021 fertig sein“, sagte Michael Ditandy, Teamleiter am Haltepunkt Feuerbach, auf Nachfrage von Grünen-Bezirksbeirat Reiner Götz. Wird dieser Termin eingehalten, wären ab Mitte 2021 auch die Verkehrsstraßen rund um den Bahnhof Feuerbach wieder auf allen Spuren befahrbar. Was wiederum bedeuten würde, dass die städtischen Verkehrsplaner ihre jahrzehntealten Überlegungen, die B 295 über die Borsigstraße und die Siemensstraße zu führen, in die Tat umsetzen könnten.

Gleise müssen verlegt werden

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Momentan laufen die Arbeiten an der Zuführungsstrecke zum Hauptbahnhof noch auf Hochtouren. Erst im April wurde mal wieder ein Gleis am Bahnhof Feuerbach verschwenkt. Seit Anfang Mai fahren die S-Bahnen stadteinwärts allerdings wie gewohnt vom Hausbahnsteig 1. Die stadtauswärts fahrenden S-Bahnen halten jetzt an Gleis 3. Im November ist die nächste Gleisverlegung geplant. Und im Juli 2019 sollen weitere temporäre Gleisverschwenkungen erfolgen, meinte Ditandy. Der 31-jährige Ingenieur ist seit Jahresanfang Teamleiter in Feuerbach. Er arbeitet seit fünfeinhalb Jahren am Projekt Stuttgart 21 mit. Zuvor war der gebürtige Koblenzer am Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs beteiligt, nun koordiniert und leitet er die Baumaßnahmen am Bahnhof Feuerbach. Und das ist eine herausfordernde Aufgabe. „Wir arbeiten innerhalb eines sehr begrenzten Raumes“, erläuterte Ditandy die baulogistische Situation. Auf der einen Seite liegt die B 295 (Siemensstraße) und auf der anderen Seite der Wiener Platz. Eingeklemmt dazwischen wird auf einem circa 80 Meter breiten Baufeld gewerkelt. „Nur in schmalen Handtüchern und in kleinen Schwenkbereichen“ könne man mit den Lastkränen dort arbeiten, sagte auch Bitzer. „Das ist zwar keine gute Lösung, aber die Beste, die wir haben.“ Insgesamt sei das Baugeschehen am Bahnhof Feuerbach „nicht ganz unkomplex“, formulierte Florian Bitzer von der S-21-Projekt-GmbH.

Ob Feuerbach nun zu einem Regionalbahnhof ausgebaut wird oder nicht, ließ Bitzer offen. Die Möglichkeit zur sogenannten P-Option wolle sich die Bahn jedenfalls bewahren, betonte er. Das hieße, dass die zwei zusätzlichen Fernbahngleise, die durch den bestehenden Pragtunnel führen und in die Zulaufgleise des neuen Hauptbahnhofs aus Bad Cannstatt münden, zunächst einmal bestehen bleiben. Doch planerisch in Stein gemeißelt, ist noch nichts: „Kann man so sagen: Der Regionalbahnhof macht nur dann Sinn, wenn die P-Option kommt?“, fragte Götz nach. Bitzer nickte. Ob der Erhalt von Gleis 5 und 6 letztendlich erforderlich ist, bleibt also abzuwarten. Denn die Bahn will ihr Streckennetz grundsätzlich digitalisieren, um mehr Züge auf die bestehenden Schienen zu bringen.

CDU-Bezirksbeirätin Ingrid Dettinger war eher am barrierefreien Ausbau des Bahnhofs interessiert: „Was ist mit den Aufzügen?“, wollte sie wissen. „Wir bauen die Aufzüge in der neuen Unterführung ein“, sagte Ditandy. Der Aufzug zu Bahnsteig 1 soll Anfang 2019 realisiert werden und der zu Bahnsteig 2 Mitte 2019. Zudem soll Bahnsteig 2 bis Ende 2018 von 76 auf 96 Zentimeter erhöht werden.

Gestaltung der neuen Unterführung wird kritisiert

Enttäuschte Kommentare waren über die neu gebaute Personenunterführung zu hören: „Die Gestaltung ist nicht ansprechend“, sagte SPD-Sprecher Martin Härer. Auch Bezirksvorsteherin Andrea Klöber kritisierte die Optik. „Die Deckenlampen sehen aus, als ob sie aus dem Baumarkt kommen.“ Roland Saur (SÖS/Linke-Plus) legte nach: „Früher hatten wir drei Durchgänge, jetzt nur noch einen: Das ist zu wenig.“ Der Fußgängerweg unter der Eisenbahnüberführung Borsigstraße soll allerdings nach Beendigung der Arbeiten wiederhergestellt werden, versprach Michael Ditandy. Die neue Personenunterführung ist momentan noch ein Provisorium und soll bis Mai 2019 komplett fertig werden. Allerdings ist die Passage bereits ab dem kommenden Monat offen und wird wohl, obwohl ein Teil der Decke nur provisorisch hergestellt wird, ab dem 9. Juli für Fußgänger nutzbar sein. „Die Fußgänger-Ampelanlage an der Siemensstraße bauen wir nächste Woche“, sagte Ditandy. Zudem werde der Bürgersteig vor dem Bosch-Gelände um etwa einen Meter verbreitet.

Martin Härer wollte wissen, ob Stadt und Bahn in engem Kontakt seien – bezüglich der künftigen Gestaltung des Bahnhofvorplatzes. „Wir sind im Gespräch und versuchen Synergieeffekte zu erreichen“, sagte S-21-Bürgerbeauftragte Alice Kaiser.

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