Für einen Zweitligaaufstieg bräuchten Mirco Henel (links) und Pascal Welz finanzielle Unterstützung von Sponsoren. Foto: Melanie Bürkle
Doppel-Interview: Falls die Handballer des SV Kornwestheim sportlich den Aufstieg in die 2. Liga schaffen, sind infrastrukturell für den Klub noch viele Hürden zu meistern.
Melanie Bürkle
19.01.2026 - 08:00 Uhr
Es ist noch ein weiter Weg bis zu einem möglichen Aufstieg der Lurchis. Die größten Herausforderungen liegen für Abteilungsleiter Mirco Henel und den Sportlichen Leiter Pascal Welz aber im finanziellen und organisatorischen Bereich.
Herr Henel, Herr Welz, zuletzt hat das Team acht Siege in Folge präsentiert, trotz personeller Schwierigkeiten insgesamt eine überragende Hinrunde abgeliefert und ist zudem seit Wochen Tabellenführer. Alles sieht nach einem möglichen Aufstieg in die 2. Liga aus. Was sagen Sie dazu?
Henel: Zunächst einmal sollten wir klar herausstellen, dass wir aktuell gerade einmal die Hinrunde, sprich die Hälfte alle Spiele absolviert haben. Aber ja, tatsächlich ist die Hinrunde wirklich sehr sehr gut verlaufen. Was das Team abgeliefert hat, war super. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass dies nur eine tolle Momentaufnahme ist.
Welz: Wenn ich einfügen darf: Die Hinrunde lief wirklich überragend. Die Mannschaft musste gerade mal zwei Niederlagen und drei Unentschieden hinnehmen. Das hatten wir vor der Saison so sicher nicht erwartet und sind deshalb auch sehr stolz auf die Mannschaft. Unterm Strich muss es natürlich das Ziel sein, den größtmöglichen sportlichen Erfolg in einer Saison zu erzielen und somit auch so lange wie möglich oben dabei zu bleiben. Aber zum Aufstieg in die 2. Liga gehört am Ende eben deutlich mehr dazu, als nur Tabellenerster zu werden.
Welz: Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass wir noch eine komplette Rückrunde spielen müssen. Das wird kein Selbstläufer. Ja, wir stehen aktuell da oben und momentan sieht es nach 2. Liga aus, aber wir haben genügend Demut, um zu wissen, dass noch viele schwere Spiele ausstehen.
Herr Henel, Sie haben es eben erwähnt: es gehört noch mehr zu einem Aufstieg in die 2. Liga. Was gehört denn noch alles dazu?
Henel: Fangen wir mit den Voraussetzungen, die einem Verein in der 2. Liga gestellt werden, an. Wir würden einen Fernsehboden und mindestens 40-Meter LED-Banden benötigen. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern müsste auch immer auf- und abgebaut werden. Wir sind ein Großverein, jedes Wochenende ist die Sporthalle Ost komplett belegt. Der Boden müsste folglich nachts aufgebaut und direkt nach dem Spiel noch abgebaut werden. Allein das wäre ein enormer, organisatorischer Aufwand, der kaum mehr mit dem reinen Ehrenamt zu bewältigen wäre. Hinzu kommen die langen Auswärtsfahrten für die wir dann allesamt einen Reisebus benötigen, teils auch mit Übernachtungen. Das alles sind enorme Kosten. Dann hätten wir auch noch Spiele unter der Woche. Infrastrukturell und organisatorisch ist die 2. Liga einfach Profisport und sehr aufwändig.
Herr Welz, ich sehe, Ihnen liegt auch einiges auf der Zunge. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen ?
Welz: Zunächst einmal würde ich sagen, wenn wir das wirklich seriösen angehen wollen, dann brauchen wir auch einen deutlich höheren Aufwand insgesamt für die Spieler. Prinzipiell müssten wir den Trainingsaufwand deutlich erhöhen. Zweitligisten haben zwei tägliche Trainingseinheiten. Das ist deutlich mehr, als was wir aktuell betreiben. Zudem sehen wir ja aktuell anhand vom HCOB und seit Jahren bei Konstanz, wie groß die qualitativen, spielerischen Unterschiede von der dritten zur zweiten Liga sind.
Der SV Kornwestheim mischt gerade die 3. Liga auf. Foto: Peter Mann
Nun nehmen wir mal an es finden sich Lösungen für das Organisatorische und den finanziellen Aspekt. Würde der Traum 2. Liga dann weiterleben?
Henel (lacht): Träumen darf man immer. Generell ist es bereits jetzt eine große Herausforderung, den Drittligabetrieb aufrecht zu erhalten. Wie gesagt, ist es auch nicht nur mit einem einzigen Sponsor getan. So realistisch müssen wir sein. Aber ok, träumen wir mal: Wenn wie Phönix aus der Asche sich eine deutliche Erhöhung in unserem Budget ergeben würde, dann…
Ich merke, Sie lassen sich zu keiner endgültigen Aussage hinreißen. Welche Bedeutung hätte ein Aufstieg für die Kornwestheimer und die Fans?
Welz: Ich denke, es wäre ein wenig „back-to-the-roots“. Wir kennen noch die Zweitliga-Zeiten Kornwestheims. Allerdings ist aus einer zweigleisigen eine eingleisige 2. Liga geworden und die Liga ist mittlerweile deutlich professioneller als damals. Dafür spielen wir seit zehn Jahren sehr erfolgreich 3. Liga.
Sie sagen es: es wäre nicht das erste Mal, dass das Team unter Cheftrainer Alexander Schurr aufsteigen könnte. Wie wichtig ist der Faktor Kontinuität dabei
Welz: Es zeigt, wie gut das Zusammenspiel hier funktioniert. Da richte ich direkt ein Lob an Chef- und Co-trainer und alle die daran beteiligt sind. Es zeigt auch ganz deutlich, dass Alexander Schurr sehr sehr viel richtig macht und wie gut er in den vergangenen Jahren gearbeitet hat. Alex ist dabei ein ganz wichtiger Mosaikstein. Die Spieler werden unter ihm Jahr für Jahr besser und er holt aus jedem Akteur durchweg immer das Beste heraus. Mittlerweile ist unser Team ein extrem eingeschworener Haufen und das hebt uns deutlich von anderen Teams ab. Das ist aber keineswegs selbstverständlich. Die Jungs haben allesamt zusammen Spaß - auf und neben dem Feld. Und auch der Verein sorgt dafür, dass die Spieler sich sehr wohlfühlen. Das gelingt dem Verein bestens und die Spieler zahlen das mit guten Leistungen und vor allem auch Vereinstreue zurück. Beispiele dafür sind Alex Schurr selbst oder Spieler wie beispielsweise Tinti, Bahmann, Reusch oder Kazmeier, die schon mindestes schon 6 Jahre und zum auch deutlich länger in der 1. Mannschaft in Kornwestheim spielen.
Wenn ich nun zusammenfasse: Der Aufstieg ist aus verschiedenen Gründen nicht sicher. Aber was wäre, wenn?
Welz: Ich mache es kurz: nicht nur auf dem Feld, sondern auch neben dem Feld gibt es zunächst noch viele Herausforderungen zu meistern.
Henel: Also, wenn noch Impulse aus der Kornwestheimer – oder auch umliegenden - Wirtschaft kommen. Wir werden uns über alles Gedanken machen.